ENTWARNUNG: Bombe in Köln-Nippes erfolgreich entschärft – Hier alle Infos!

Bombe in Köln-Nippes: Kinderkrankenhaus und 4.300 Menschen von Evakuierung betroffen
Bombe in Köln-Nippes erfolgreich entschärft (Symbolbild)
copyright: pixelio.de / Thorben Wengert

Aktualisiert am 10.07.2026 um 15:25 Uhr: Großeinsatz in Köln-Nippes am Freitag (10. Juli 2026): Bei gezielten Sondierungsarbeiten wurde in der Nachbarschaft des Johannes-Giesberts-Parks ein Bombenblindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt. Die amerikanische Zehn-Zentner-Bombe konnte am Nachmittag um 15:19 Uhr erfolgreich entschärft werden. Rund 4.300 Anwohner mussten für die Maßnahme ihre Häuser verlassen – zudem wurde das Kinderkrankenhaus an der Amsterdamer Straße großflächig geräumt. Die Straßensperren werden nun sukzessive wieder aufgehoben.

Amerikanische Zehn-Zentner-Bombe in Köln gefunden und entschärft

Bei dem Kampfmittelfund handelte es sich um eine US-amerikanische Fliegerbombe mit einem Gewicht von 500 Kilogramm (Zehn-Zentner-Bombe). Experten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes der Bezirksregierung Düsseldorf (KBD) hatten festgestellt, dass der Blindgänger sowohl über einen Front- als auch einen Heckaufschlagzünder verfügte. Da von dem Relikt aus dem Weltkrieg eine akute Gefahr ausging, war eine Entschärfung noch am selben Freitag unumgänglich. Das Ordnungsamt der Stadt Köln koordinierte vor Ort die umfangreichen Sicherheitsmaßnahmen.

Gefahrenbereich von 500 Metern: Kinderkrankenhaus wurde wegen Blindgänger geräumt

Gefahrenbereich von 500 Metern: Kinderkrankenhaus wurde geräumt
copyright: Stadt Köln

Der Kampfmittelbeseitigungsdienst hatte den endgültigen Gefahrenbereich für die Entschärfung festgelegt: Ein Radius von 500 Metern rund um den Fundort am Johannes-Giesberts-Park musste komplett evakuiert und abgesperrt werden. Nach offiziellen Schätzungen der Stadt Köln waren rund 4.300 Personen direkt von den Evakuierungsmaßnahmen betroffen. Der erste Klingeldurchgang startete um 09:47 Uhr, gefolgt von einem zweiten Kontrolldurchgang am Mittag. Fußgänger und Radfahrer wurden gebeten, die Grünflächen im Evakuierungsbereich zu meiden, um das Verfahren nicht zu verzögern.

Besonderer Fokus: Evakuierung des Kinderkrankenhauses

Innerhalb des Evakuierungsradius lag auch das Kinderkrankenhaus Amsterdamer Straße der Städtischen Kliniken Köln. Die Klinik musste vollständig geräumt werden. Da dieses hochkomplexe Szenario bereits im Vorfeld detailliert mit allen beteiligten Rettungskräften, Ärzten und der Stadt Köln besprochen und durchgeplant worden war, lief die Verlegung der kleinen Patienten strukturiert und routiniert ab.

Neben dem Krankenhaus befanden sich sieben Gebäude mit mehr als pfünf Stockwerken im Evakuierungsgebiet. Zudem waren von den Schließungen ein lokaler Übernachtungsbetrieb, eine Kindertagesstätte (Kita), das beliebte Schwimmbad Lentpark sowie der Botanische Garten (Flora Köln) direkt betroffen.

Der Kölner Zoo hatte am Vormittag mitgeteilt, dass sich das Zoogelände nicht in der Evakuierungszone befand und daher für Besucher geöffnet bleiben konnte. Lediglich die Zufahrt über die Stammheimer Straße war gesperrt worden, weshalb die Anreise vor allem über den ÖPNV (Stadtbahn-Linie 18) empfohlen wurde.

Verkehrsbehinderungen und KVB-Sperrungen während des Einsatzes

Pendler und Autofahrer mussten sich in Köln am Freitag auf erhebliche Einschränkungen einstellen. Folgende Hauptverkehrsachsen wurden im Zuge der Evakuierung und Entschärfung gesperrt:

  • Innere Kanalstraße
  • Amsterdamer Straße
  • Stammheimer Straße / Alter Stammheimer Weg
  • Sperrung der Zoobrücke: Die Zoobrücke wurde ab der Inneren Kanalstraße in Fahrtrichtung Deutz sowie in der Gegenrichtung (Fahrtrichtung Innenstadt) bis zur Abfahrt Niederländerufer komplett für den Verkehr gesperrt. Nach der Entschärfung wurden die Sperren schrittweise wieder aufgehoben, Autofahrer wurden jedoch gebeten, den Bereich wegen Staus weiterhin zu umfahren.

Auch der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) war massiv beeinträchtigt. Die Buslinien 124 und 140 mussten das Gebiet frühzeitig umfahren. Die Stadtbahn-Linie 16 wurde während der heißen Phase getrennt und passierte den Evakuierungsbereich nicht mehr. Nach der erfolgreichen Entschärfung nahmen die Linien 16, 124 und 140 zeitnah wieder ihre regulären Routen auf.

Details zu den Straßensperren und betroffenen Sperrstellen

Während des Einsatzes hatte die Stadt Köln betont, dass der Gefahrenbereich nach dem Einziehen der Straßensperren nur noch verlassen, aber nicht mehr betreten werden konnte. An folgenden Kreuzungen und Abschnitten waren konkrete Sperrstellen eingerichtet worden:

  • Amsterdamer Straße / Xantener Straße
  • Theodor-Schwann-Straße (Höhe Hausnummern 17/20)
  • Am Botanischen Garten (Höhe Hausnummern 59/66)
  • Johannes-Müller-Straße / Garthestraße
  • Sieboldstraße (Höhe Hausnummern 8/11)
  • Stammheimer Straße / Bodinusstraße
  • Lennéplatz
  • Frohngasse / Riehler Straße
  • Riehler Straße / Amsterdamer Straße
  • Lentstraße (Höhe Hausnummern 3/6)
  • Innere Kanalstraße / Niehler Straße
  • Auerstraße / Schneider-Clauss-Straße
  • Kuenstraße / Schneider-Clauss-Straße
  • Beuelsweg (Höhe Hausnummern 3 und 25)
  • Florastraße (Höhe Hausnummern 91/104)
  • Seekabelstraße (Höhe Hausnummern 7/8)
  • Josefine-Clouth-Straße (Höhe Hausnummern 32/41)
  • Kautschukstraße (Höhe Hausnummer 6)
  • Auf dem Stahlseil (Höhe Hausnummern 4a/7)
  • Josefine-Clouth-Straße / Auf dem Stahlseil

Patientenzahlen und Unterbringung im Krankenhaus Holweide

Die Evakuierung des Kinderkrankenhauses Amsterdamer Straße wurde erfolgreich abgeschlossen: Insgesamt mussten 43 Patientinnen und Patienten evakuiert werden, von denen 20 intensivpflichtig waren. Sie wurden alle wohlbehalten in das Krankenhaus Holweide gebracht.

Für die Dauer der Evakuierung war das Kinderkrankenhaus komplett von der Notfallversorgung abgemeldet worden, weshalb Eltern auf die Uniklinik Köln, das Krankenhaus Porz oder das Krankenhaus Leverkusen ausweichen mussten. Da auch das Krankenhaus Holweide die evakuierten Kinder aufnahm, war es temporär für die reguläre Versorgung abgemeldet – der dortige Kreißsaal blieb davon jedoch unberührt.

Nach der erfolgreichen Entschärfung wurde das Krankenhaus Holweide wieder für die Notfallversorgung angemeldet und nahm wieder regulär Patienten auf. Die Rücktransporte der Kinder nach Nippes sollen ab Samstagfrüh beginnen.

Anlaufstelle im Erich-Kästner-Gymnasium für Evakuierte

Für Bürgerinnen und Bürger, die ihre Wohnungen verlassen mussten und keine anderweitige Unterkunft fanden, war eine zentrale Anlaufstelle eingerichtet worden. Diese befand sich im:

Erich-Kästner-Gymnasium
Castroper Straße 7
50735 Köln-Nippes

Die Notunterkunft in der Turnhalle war ab 10:00 Uhr geöffnet und wurde aufgrund der sommerlichen Temperaturen für die Wartenden extra klimatisiert.

Verhaltenshinweise für Bürger und Autofahrer während des Einsatzes

Aufgrund der zahlreichen Krankentransporte aus der Kinderklinik und der weitreichenden Straßensperren hatten die Kölner Polizei und das Ordnungsamt die Verkehrsteilnehmer um äußerste Rücksichtnahme gebeten:

  1. Rettungsgassen bilden: Die Wege für Einsatzfahrzeuge mussten unbedingt freigehalten werden.
  2. Bereich meiden: Nippes und die nördliche Innenstadt sollten großräumig umfahren werden.
  3. Informiert bleiben: Die Bevölkerung wurde über die Kanäle der Stadt Köln, Radio Köln, den WDR sowie die KVB fortlaufend auf dem Laufenden gehalten.

Hintergrund: Warum die Entschärfung vorgezogen wurde und der Park gesperrt ist

Der aktuelle Bombenfund kam für die Experten nicht überraschend. Bereits im Februar 2025 hatte die Bezirksvertretung Nippes die umfassende Umgestaltung des Johannes-Giesberts-Parks beschlossen, bei der 30 neue Bäume gepflanzt, Wege entsiegelt und zusätzliche Rundwege angelegt werden sollen. Da das Areal an die ehemaligen Clouth-Werke grenzt – ein Hauptziel schwerer Bombardements im Zweiten Weltkrieg –, waren im Vorfeld gründliche Kampfmitteluntersuchungen zwingend erforderlich.

Auswertungen von Luftbildern und Messungen ergaben über 150 Verdachtsmomente. In 14 Fällen vermuteten die Experten der Bezirksregierung Düsseldorf Blindgänger von mehr als 50 Kilo Gewicht im Boden. Um diese Gefahr abzuwenden, ist der Park gemäß der Kampfmittelverordnung NRW bereits seit dem 12. Juni 2026 vollständig gesperrt. Eine sukzessive Teilsperrung war aus Sicherheitsgründen nicht möglich.

Ursprünglich sollte eine eventuelle Entschärfung erst am Montag, den 13. Juli 2026, stattfinden. Aufgrund der aktuellen Wetterprognosen mit erneut sehr hohen Temperaturen und der ohnehin hohen Auslastung des Gesundheitssystems nach der vergangenen Hitzeperiode entschieden sich die Verantwortlichen jedoch für eine vorgezogene Entschärfung am heutigen Freitag, um die Belastung für alle Beteiligten so gering wie möglich zu halten.

Nach Abschluss der Arbeiten wird das Amt für Landschaftspflege und Grünflächen die Schäden beheben und mit der Parkumgestaltung beginnen, die bis zum Frühjahr 2027 abgeschlossen sein soll. Hundebesitzer, die den Park vermissen, finden alternative Freilaufflächen im Nordpark, im Nippeser Tälchen, an der Merheimer Straße/Eckewartstraße sowie im Grüngürtel nordwestlich von Fort X.


Bombenfunde in Köln: Ein Erbe des Zweiten Weltkriegs

Bombenfunde sind in Köln keine Seltenheit – die Stadt gehört zu den am stärksten vom Zweiten Weltkrieg betroffenen Gebieten in Deutschland. Durch die intensiven Luftangriffe der Alliierten zwischen 1942 und 1945 liegen bis heute zahlreiche Blindgänger unentdeckt im Boden. Insbesondere bei Bauprojekten in dicht besiedelten Stadtteilen wie Lindenthal, Ehrenfeld oder Deutz werden immer wieder Kampfmittel gefunden. Jede Entdeckung stellt für die Stadt eine logistische Herausforderung dar: Evakuierungen, Straßensperrungen und großangelegte Sicherheitsmaßnahmen sind notwendig, um die Bevölkerung zu schützen. Köln verfügt deshalb über eingespielte Abläufe und arbeitet eng mit dem Kampfmittelbeseitigungsdienst zusammen, um solche Funde schnell und sicher zu entschärfen.


Aktualisiert am 10.07.2026 um 15:25 Uhr