Kölner Karneval in Zahlen: Zwischen Kamelle, Klüngel und Kommerz

Zwischen Kamelle, Klüngel und Kommerz: Der Kölner Karneval in Zahlen copyright: Festkomitee Kölner Karneval
Zwischen Kamelle, Klüngel und Kommerz: Der Kölner Karneval in Zahlen
copyright: Festkomitee Kölner Karneval

Die Wirtschaftskraft vom Karneval in Köln ist in den vergangenen zehn Jahren um 30 Prozent auf rund 600 Millionen Euro gestiegen. Etwa 6.500 Arbeitsplätze werden direkt durch den Kölner Karneval erhalten. Von der Bevölkerung wird der Fastelovend überwiegend als einzigartiges Brauchtumsfest mit positiven Auswirkungen auf das Image der Stadt Köln wahrgenommen. Zu diesen Ergebnissen kommen zwei durchgeführte Studien und Befragungen der Strategieberatung Boston Consulting Group (BCG) und der Rheinischen Fachhochschule Köln (RFH), die im Auftrag des Festkomitees Kölner Karneval 2018 durchgeführt wurden und am 25.02.2019 vorgestellt wurden. Als Vergleich diente eine BCG-Studie aus dem Jahr 2008. CityNEWS stellt Ihnen hier die genauen Zahlen und Ergebnisse der Studien vor.

Kölner Karneval hat eine enorme Wirtschaftskraft

Der Kölner Karneval hat eine Wirtschaftskraft von rund 600 Millionen Euro. copyright: Festkomitee Kölner Karneval
Der Kölner Karneval hat eine Wirtschaftskraft von rund 600 Millionen Euro.
copyright: Festkomitee Kölner Karneval

“Die Untersuchungen belegen, wie wichtig der Karneval für Köln und die gesamte Region ist”, erklärt Christoph Kuckelkorn, Präsident des Festkomitees. “Gastronomie, Hotelgewerbe und Einzelhandel profitieren vom stetigen Zulauf karnevalsbegeisterter Feiernder aus Köln, dem Umland und ganz Deutschland. Die Befragung zeigt aber auch überraschend deutlich, dass es der Wunsch vieler junger Jecken ist, den Karneval sehr traditionell und typisch kölsch zu feiern.”

Aktuell entspricht die Wirtschaftskraft des Kölner Karnevals der jährlichen Wirtschaftsleistung einer deutschen Stadt mit rund 15.000 Einwohnern. “Die Wirtschaftskraft ist in den vergangenen zehn Jahren um rund 30 Prozent auf 600 Millionen Euro gestiegen. Neben seiner kulturellen Bedeutung ist der Karneval in Köln damit ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für die Region“, sagt Jochen Schönfelder, Partner bei BCG. “Die Umsätze im Karneval verteilen sich zu ungefähr gleichen Teilen auf die Bereiche Sitzungen und Bälle, Umzüge sowie den Kneipenkarneval.” Besonders stark entwickelt haben sich die Karnevalsveranstaltungen in den Sälen: Sowohl die Anzahl der Veranstaltungen unterschiedlichster Formate als auch die Anzahl der Gäste und die Ticketpreise sind gestiegen.

Das Hotelgewerbe hat seinen Umsatz im Vergleich zum Beobachtungszeitraum 2008 um 43 Prozent auf 63 Millionen Euro gesteigert. Gastronomie und Verzehr verzeichnen ein Plus von 34 Prozent auf 257 Millionen, und auch die Textilindustrie erwirtschaftet Umsätze in Höhe von 110 Millionen – also rund 41 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren.

Umfrage: Karneval in Köln ist Brauchtums-Lieferant

Umfrage zeigt: Der Karneval in Köln ist Brauchtums-Lieferant copyright: Festkomitee Kölner Karneval
Umfrage zeigt: Der Karneval in Köln ist Brauchtums-Lieferant
copyright: Festkomitee Kölner Karneval

Dass der Kölner Karneval auch nach wie vor als ein besonders Fest mit kulturellem Kern wahrgenommen wird, bestätigt die parallel durchgeführte Umfrage der Rheinischen Fachhochschule Köln. Zwischen Weiberfastnacht und Rosenmontag 2018 sowie rund um den 11.11.2018 wurden insgesamt etwa 2.750 Jecke auf der Straße und über ein Online-Portal befragt. 97 Prozent aller Befragten gaben an, den Karneval als kulturelles Highlight, als einzigartig im Vergleich zu anderen Großveranstaltungen und als wichtigen Beitrag zur Brauchtumspflege zu erleben. Trotz einiger negativer Begleiterscheinungen, wie übermäßigem Müll oder Alkoholkonsum, wirkt sich der Karneval damit vor allem positiv auf das Image der Stadt aus. Nahezu alle Befragten können sich Köln ohne den Karneval nicht vorstellen.

“Dem Karneval gelingt es nach wie vor, Menschen unterschiedlichster Herkunft zu verbinden, und er liefert einen wichtigen Beitrag zur Brauchtumspflege”, erklärt Prof. Dr. Silke Schönert, Direktorin des Instituts für Projekt- und Informationsmanagement an der RFH.

Zum Thema Kulturgut gaben die Befragten der Studie an, dass der Kölner Karneval

  • ein kulturelles Highlight (97 %)
  • einzigartig im Vergleich zu anderen Events (97 %)
  • ein positiver Image-Faktor für Köln (94 %) und
  • ein wichtiger Beitrag zur Brauchtumspflege (Kölsche Sprache und Kultur) ist.
  • Außerdem können sich ca. 96 Prozent Köln ohne Karneval nicht vorstellen.

Spagat zwischen Kommerz und Kulturgut

Spagat zwischen Kommerz und Kulturgut copyright: Festkomitee Kölner Karneval
Spagat zwischen Kommerz und Kulturgut
copyright: Festkomitee Kölner Karneval

Rund 36 Prozent der Befragten gaben zudem an, selbst ehrenamtlich im Kölner Karneval aktiv zu sein. “Karneval ist eben viel mehr als Feiern und Konsumieren“, unterstreicht der Festkomitee-Präsident. “Das zeigen auch die Daten zum ehrenamtlichen Engagement und die Spendensammlungen der im Festkomitee organisierten Karnevalsgesellschaften.” Rund zwei Millionen Euro werden von den ehrenamtlichen Helfern pro Jahr für soziale Zwecke gesammelt.

“Um den kulturellen Aspekt dieses Festes auch künftig zu erhalten, müssen auch junge Menschen und Zugezogene für dieses Brauchtum gewonnen werden. Die Erschließung neuer Zielgruppen, beispielsweise über Digitalisierung, ist eine der Herausforderungen für die Zukunft”, sagt BCG-Partner Schönfelder.

Die Herausforderung: Balance zwischen dem Wirtschaftsfaktor und dem Kulturgut Karneval zu halten copyright: CityNEWS / Thomas Pera
Die Herausforderung: Balance zwischen dem Wirtschaftsfaktor und dem Kulturgut Karneval zu halten
copyright: CityNEWS / Thomas Pera

“Unser wichtigstes Ziel wird auch künftig sein, die Balance zwischen dem Wirtschaftsfaktor und dem Kulturgut Karneval zu halten. Wir brauchen finanziell ein sicheres Fundament, um die Vielfalt unseres Festes zu erhalten und beispielsweise Nonprofit-Veranstaltungen zu finanzieren. Gleichzeitig müssen wir kontinuierlich Aufklärungsarbeit leisten und Menschen für den eigentlichen Kern des Festes begeistern und gewinnen, damit für den Nachwuchs gesorgt ist”, so Christoph Kuckelkorn.

“Die Untersuchungen von BCG und RFH sind überaus hilfreich für unsere Arbeit im Festkomitee-Vorstand. Damit haben wir verlässliche Daten und Handlungsempfehlungen, aus denen wir ganz konkrete Planungen für die Zukunft ableiten können – auch für die Zusammenarbeit mit der Stadt Köln. Dafür gilt beiden Institutionen mein besonderer Dank.”

Umsätze der Branche in Millionenhöhe

BrancheUmsatz
Gastronomie und Verzehr257.000.000 Euro
Sitzungen und Bälle217.000.000 Euro
Karnevalsumzüge197.000.000 Euro
Kneipenkarneval182.000.000 Euro
Textil110.000.000 Euro
Transport95.000.000 Euro
Hotels63.000.000 Euro
Tickets40.000.000 Euro
Dekoration7.000.000 Euro
Orden und Schals7.000.000 Euro
Süßwaren-Industrie4.000.000 Euro
Medien2.000.000 Euro
Festwagenbau1.000.000 Euro
sonstige Dienstleistungen11.000.000 Euro
 596.000.000 Euro Gesamtumsatz

Kontaktbörse und Networking im Kölner Karneval

Der Karneval dient der Beziehungspflege. copyright: Festkomitee Kölner Karneval
Der Karneval dient der Beziehungspflege.
copyright: Festkomitee Kölner Karneval

Die ältere Studie aus 2008 kam außerdem zu dem Ergebnis, dass der Kölner Karneval eine große Kontaktbörse mit Netzwerk-Charakter ist, die Anknüpfungspunkte für Zugezogene bietet. Das Engagement im Karneval schafft demnach ein Netzwerk, welches einen positiv belegten Kontakt zu Interessenvertretern der Stadt schafft. Zudem kann das Netzwerk auch für  geschäftliche Aspekten nützen, obwohl vorwiegend gesellschaftliche bzw. soziale Kontakte im Vordergrund stehen. Der Karneval dient als Mittel zur Pflege der Kundenbeziehungen und zur Mitarbeitermotivation und zählt als das “gesellschaftliche Parkett der Stadt Köln“.

Und der Karneval wird nicht ausschließlich vom 11.11. bis Aschermittwoch für die Interessen genutzt. Ganzjährige Organisation von Veranstaltungen, stellen sicher auch außerhalb der Session in Kontakt zu bleiben. Apropos Veranstaltungen: Hier zeichnet sich seit einigen Jahren ein Trend zur “Eventisierung” ab. Rund 55 % nicht-kommerzielle Sitzungen und Bälle stehen 45 % kommerziellen Veranstaltungen, wie z.B. das “Divertissementchen” oder die “Lachende Kölnarena” gegenüber. Dabei ist zu beobachten, dass der traditionelle Karneval der “Comedy” weicht. Ein verändertes Konsumhaltung der Menschen mit Wunsch nach Interaktion und Party, ist laut der Studie von 2008 ein ebenfalls zu beobachtender Trend.

Entwicklung der vergangenen zehn Jahre

Festkomitee-Präsident Christoph Kuckelkorn (rechts) mit Prof. Dr. Silke Schönert (Mitte) und Jochen Schönfelder (links) bei der Studienpräsentation zum Kölner Karneval. copyright: Festkomitee Kölner Karneval
Festkomitee-Präsident Christoph Kuckelkorn (rechts) mit Prof. Dr. Silke Schönert (Mitte) und Jochen Schönfelder (links) bei der Studienpräsentation zum Kölner Karneval.
copyright: Festkomitee Kölner Karneval
  • Steigende Anzahl Besucher bei Umzügen und Veranstaltungen (bspw. mehr als
    400.000 Menschen am 11.11.2017)
  • Gestiegene Kartenverkäufe für Sitzungen von Gesellschaften (+14 % im Vergleich zu 2008)
  • Steigerung der Wirtschaftskraft um 30 % auf rund 600 Millionen Euro im Vergleich zu 2008
  • Steigerung über alle Segmente hinweg (Sitzungen, Züge, Kneipenkarneval…)
  • Zusätzlich erhöhter Karnevals-Tourismus (+20 % Übernachtungen 2018 vs. 2013)
  • Karneval ist das Identifikationsmerkmal der Domstadt und “untrennbar mit Köln verbunden”
  • Aufnahme als immaterielles Kulturerbe der deutschen UNESCO im Jahr 2015
  • Kölsche Stimmung und Lieder werden als “kulturelles Highlight” wahrgenommen
  • Enge Verbindung mit sozialem Engagement – hohe Spendenbereitschaft und
    ausgeprägtes Engagement
  • Karneval als Plattform für die kulturelle und gesellschaftliche Integration
  • Entstehung und Gewinn an Bedeutung neuer Gesellschaften (Damengesellschaften …)
  • Verstärkte Nachwuchsförderung bei Bands und neue Veranstaltungsformate

Hier können Sie sich die Studie von 2019 und die Studie von 2008 kostenlos downloaden.

Quellen: Kölner Karneval / The Boston Consulting Group, Inc.