Eine neue (virtuelle) Mitbewohnerin: Amazon Echo hört zu, spricht und sorgt für komische Momente

Eine neue (virtuelle) Mitbewohnerin: Amazon Echo hört zu, spricht und sorgt für komische Momente - copyright: Amazon
Eine neue (virtuelle) Mitbewohnerin: Amazon Echo hört zu, spricht und sorgt für komische Momente
copyright: Amazon

In Zeiten von Digitalisierung, Smart Home, ständiger Überwachung und Datenschutz stellt sich die Frage, wer sich freiwillig eine kleine Abhörstation in die eigenen vier Wände platziert: CityNEWS hat die „smarten“ Helfer Echo und Echo Dot vom Versandriesen Amazon getestet. Und um Ihnen bereits jetzt ein kleines Fazit zu geben: Wir haben Echo – mit kleinen Ausnahmen – in unser Herz geschlossen!

Was kann Amazon Echo?

Echo und die kleinere Schwester Echo Dot kommen aus dem Haus Amazon. Sie sind vollständig für die Stimme entwickelt worden und sollen den Alltag erleichtern und bereichern. Dabei sollen die Geräte immer bereit sein, dem Nutzer Fragen zu beantworten und Aufgaben zu erledigen, wenn dieser das Aktivierungskennwort „Alexa“ sagt und die entsprechende Frage- oder Aufgabenstellung nennt. So soll dann Alexa – das „Hirn“ hinter den Echos – Antworten auf Fragen geben, Musik abspielen, Nachrichten vorlesen, Timer und Alarme stellen, den persönlichen Kalender verwalten, Einkaufs- und To-do-Listen verwalten, Sportergebnisse checken, das Licht in der Wohnung steuern und vieles mehr. Dazu sind weder eine Eingabe per Tastatur oder Maus nötig, noch braucht man ein umfangreiches Technikwissen.

Fernfeld-Spracherkennung mit Richtstrahl-Technologie

Fernfeld-Spracherkennung mit Richtstrahl-Technologie - copyright: Amazon
Fernfeld-Spracherkennung mit Richtstrahl-Technologie
copyright: Amazon

Denn Amazon Echo verfügt über sieben Mikrofone, die mit Richtstrahl-Technologie und Störsignalunterdrückung ausgestattet sind. So kann das Gerät die Sprachbefehle des Nutzers von überall im Raum hören. Die Richtstrahl-Technologie soll die Signale der einzelnen Mikrofone bündeln, um Lärm, Hall, laufende Musik und sogar andere Stimmen im Hintergrund zu unterdrücken. Damit soll Amazon Echo in der Lage sein, Anweisungen trotz Nebengeräuschen wahrzunehmen.

In unseren Tests klappte dies semigut. Ist der Lautsprecher beispielsweise zu laut eingestellt, weil gerade der Lieblingssong von Helene Fischer lief, und möchte man nun die Lautstärke herunterregeln, „zicken“ die Geräte ein wenig. So kommt es mitunter vor, dass man schreiend in der Küche direkt neben dem Echo steht und dieser einen einfach nicht hört. Zum Glück gibt es auf dem Gerät einen „Aktionsknopf“ zur manuellen Lautstärkeregelung.

Alexa – das „Hirn“ hinter Amazon Echo

Alexa – das "Hirn" hinter Amazon Echo - copyright: Amazon
Alexa – das „Hirn“ hinter Amazon Echo
copyright: Amazon

Alexa ist ein cloudbasierter Sprachdienst, der immer intelligenter wird und mit dem Nutzer „wächst“ – hier liegt auch das „Problem“. Alle Spracheingaben, die man nach der Aktivierung tätigt, werden an Amazon übertragen und ausgewertet. Zur Verbesserung angeblich. Dazu muss aber eine entsprechende Verbindung rund um die Uhr bestehen (per WLAN), sonst könnte ja das Aktivierungswort (was übrigens von „Alexa“ auch zu „Echo“ oder „Computer“ geändert werden kann) nicht funktionieren. Es lassen sich zwar alle Spracheingaben im Nachhinein per Smartphone löschen, was allerdings Amazon mit den Daten wirklich anfängt, wie sie verarbeitet, ob diese weitergeleitet und gespeichert werden oder ob sie dann wirklich gelöscht sind, weiß wohl nur der amerikanische Onlinehändler. Bei unseren Tests passierte es auch immer wieder, dass sich die Echos einfach aktivierten, ohne dass ein Aktivierungskennwort genannt wurde. Hier könnten dann auch sensible Daten oder Gespräche, die nicht für andere Ohren bestimmt sind, aufgezeichnet und übertragen werden.

Auf die Kleinigkeiten kommt es an

Zahlreihe Skills stehen für Amazon Echo zur Verfügung - copyright: Amazon
Zahlreihe Skills stehen für Amazon Echo zur Verfügung
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Zum Start von Echo im September 2016 konnte Alexa Musik abspielen, Fragen beantworten, das Wetter vorhersagen, den Wecker stellen, Nachrichten wiedergeben und Einkaufs- sowie To-do-Listen schreiben. Im Laufe der vergangenen Monate hat Alexa zusätzlich Hunderte neuer Skills und Antworten erlernt und ihre Genauigkeit sowie Spracherkennung verbessert.

Das ist auch bitter nötig. Denn selbst einfachste Fragen verstand Echo schlicht nicht. Auch die Sprachbefehle, die man nutzen kann, um Antworten zu bekommen, sind oft einfach noch „ausbaufähig“. Fragt man Echo beispielsweise: „Echo, wann spielt der 1. FC Köln?“, erhält man die unbefriedigende Antwort „Entschuldigung, das weiß ich leider nicht!“ (eine oft gehörte Antwort übrigens). Fragt man aber stattdessen: „Echo, wann spielt der FC Köln?“, antwortet das Gerät richtig und teilt mit, wann und gegen wen die Geißböcke ihr nächstes Bundesligaspiel haben. Das ist jetzt nur ein Beispiel, aber immer wieder spielt es eine entscheidende Rolle, wie man seine Frage formuliert, um auch die zu erwartende Antwort zu erhalten.

Hier bessert Amazon aber kontinuierlich nach und Alexa lernt seinen Besitzer immer besser kennen. Besitzt man mehr als ein Echo oder Echo Dot, reagiert Alexa dank ESP (Echo Spatial Perception) von dem Gerät aus, das am nächsten ist.

Das Smart Home steuern

Mit Echo kann der Nutzer das Licht steuern, die Temperatur regeln, die Alarmanlage „scharf“ stellen – und das alles, ohne auch nur einen Finger zu rühren. Hier funktioniert Alexa ziemlich gut. Voraussetzung für die Nutzung von Smart Home-Technologien ist aber natürlich, auch die dazugehörigen Peripheriegeräte zu besitzen. Und diese gehen, wenn man sich denn für ein smartes Zuhause entscheidet, gehörig ins Geld. Auch sollte man unbedingt vorher checken, welche Hersteller bereits unterstützt werden. Sonst sitzt man schnell im Dunkeln, wenn man stattdessen das Licht dimmen wollte, um auf dem Sofa gemütlich ein Buch zu lesen.

Hörbücher und Musik abspielen

Alexa bietet ein nahtloses, freihändiges Musikerlebnis mit den größten Musikdiensten, darunter Amazon Music Unlimited, Prime Music, Spotify und TuneIn. Auf die Aufforderung „Alexa, spiel Adele“ oder „Alexa, spiel Popmusik“ spielt sie den jeweiligen Musikwunsch. Ist man unsicher, welches Lied gerade läuft, fragt man Alexa einfach nach dem aktuellen Song. Lautstärke und Wiedergabe lassen sich zum Beispiel mit „Alexa, lauter“ oder „Alexa, nächstes Lied“ steuern. Wie bereits beschrieben, funktioniert dies – bei uns zumindest – nur eingeschränkt einwandfrei.

Alexa kann manchmal Künstler oder Songs nicht auseinanderhalten, kann Songtitel nicht korrekt zuordnen und spielt stattdessen ganze Musikalben. Und das bereits erwähnte „Anbrüllen“ gegen die Lautstärke des gerade abgespielten Tracks kann echt frustrieren. Was leider auch negativ auffällt: Kann Alexa den entsprechenden Song nicht finden, versucht das „Hirn“, dem Nutzer ein Abo aufzuschwatzen.

Sehr positiv dagegen ist das Abspielen von Hörbüchern. Dazu greift Alexa auf Audible zurück, wenn dies vorab aktiviert wird. Dank Whispersync kann der User nahtlos zwischen „Lesen“ und „Hören“ umschalten, ohne die Stelle im Buch zu verlieren. Wer zum Beispiel auf einem Kindle das Lesen unterbrochen hat, kann mit Echo direkt an derselben Stelle weiterhören.

Omnidirektionaler, raumfüllender Sound

Omnidirektionaler, raumfüllender Sound - copyright: Amazon
Omnidirektionaler, raumfüllender Sound
copyright: Amazon

Die nach unten ausgerichteten dualen Downfire-Lautsprecher vom Echo ermöglichen einen 360-Grad-Sound mit immersivem Raumklang, der voll und satt klingt. Darüber hinaus unterstützt Echo Bluetooth, sodass sich Musikdienste wie iTunes vom Smartphone oder Tablet streamen lassen. Der kleinere Echo Dot lässt sich über das 3,5-mm-Stereokabel (Miniklinke) oder Bluetooth mit Lautsprechern verbinden und kann so die heimische Stereoanlage per Sprache steuern. Dank seines kleinen eingebauten Lautsprechers lässt sich Amazon Echo Dot beispielsweise auch im Schlafzimmer als Wecker einsetzen oder in jedem anderen Raum als Sprachassistent zum Bedienen von Smart Home-Geräten, er kommt aber bei Weitem nicht an die Soundqualität des großen Echos heran.

Nachrichten hören

Eines der größten Herausstellungsmerkmale von Alexa ist die Nachrichtenfunktion. Hier liest das Gerät Neuigkeiten vor und gibt News-Updates, abhängig von den Interessen des Nutzers. Der News-Flash beinhaltet ein großes Portfolio von Medienquellen wie die Tagesschau in 100 Sekunden, SPIEGEL Online, WELT und viele mehr.

Skills – die „Apps“ zur Erweiterung

Der kleinere Echo Dot lässt sich über das 3,5-mm-Stereokabel (Miniklinke) oder Bluetooth mit Lautsprechern verbinden und kann so die heimische Stereoanlage per Sprache steuern. - copyright: Amazon
Der kleinere Echo Dot lässt sich über das 3,5-mm-Stereokabel (Miniklinke) oder Bluetooth mit Lautsprechern verbinden und kann so die heimische Stereoanlage per Sprache steuern.
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Mit Skills kann man Echo noch mehr Fähigkeiten hinzufügen, wie zum Beispiel eine mytaxi-Buchung durchführen, Rezepte mit Kitchen Stories entdecken und vieles mehr. Mit dem Aktivieren von Skills bietet Echo noch mehr Möglichkeiten, dem Gerät „seine“ Interessen hinzuzufügen. Ähnlich wie in den bekannten App-Stores von Google oder iTunes wählt man den passenden „Skill“ aus, aktiviert ihn und kann so zum Beispiel mit dem „Deutsche Bahn“-Skill einfach die nächste Verbindung von Köln nach Hamburg herausfinden. Diese Skills werden ständig erweitert, Bewertungen und Meinungen anderer User sollen helfen, die richtige unter den über fünfhundert Anwendungen zu finden.

Alexa kann auch lustig sein

Vielen Computernutzern sind Easter Eggs – versteckte kleine Gags – ein Begriff. Auch Alexa ist mit solchen ausgestattet wurden. So kann die allzeit bereite Assistentin (meist sehr flache) Witze erzählen, Lieder singen, die Antwort auf den Sinn des Lebens geben und sie weiß, ob es den Weihnachtsmann wirklich gibt. Ist man einmal genervt (wir erinnern uns: weil man zum Beispiel schreiend in der Küche versucht, die Lautstärke vom Echo zu minimieren) und beleidigt Alexa mit einem „freundlichen“ „Schnauze!“, kann diese auch ganz schön schlagfertig sein.

Abhöreinrichtung oder sinnvoller Begleiter?

Abhöreinrichtung oder sinnvoller Begleiter? - copyright: Amazon
Abhöreinrichtung oder sinnvoller Begleiter?
copyright: Amazon

Die Frage, ob man sich nun eine ständig empfangsbereite Mithörzentrale in die Wohnung stellt oder nicht, muss natürlich jeder selbst beantworten. Aber zum einen kann man Amazons Helfer auch per Knopfdruck „taub“ stellen, was laut dem Hersteller eine Übertragung von Daten ausschließt, zum anderen übermitteln wir tagtäglich unzählige Informationen an meist nicht bekannte Unternehmen (beispielsweise bei der Nutzung von Smartphones, Browsern …).

Um es auf den Punkt zu bringen: Echo ist sehr praktisch – aber noch ausbaufähig und wir haben nun eine neue Mitbewohnerin in unserer Redaktion!

Ab sofort können alle deutschen Kunden Amazon Echo und Amazon Echo Dot für 179,99 Euro beziehungsweise 59,99 Euro unter www.amazon.de bestellen.


Liste aller Sprachbefehle für Alexa / Amazon Echo

Liste aller Sprachbefehle für Alexa / Amazon Echo - copyright CityNEWS / Alex Weis
Liste aller Sprachbefehle für Alexa / Amazon Echo
copyright CityNEWS / Alex Weis
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