1. FC Köln: Auch in der 2. Bundesliga stonn Fans und Profis zum Effzeh!

1. FC Köln: Auch in der 2. Bundesliga stonn Fans und Profis zum Effzeh! copyright: CityNEWS / Alex Weis
1. FC Köln: Auch in der 2. Bundesliga stonn Fans und Profis zum Effzeh!
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AKTUALISIERT AM 26.04.2018: Können Sie sich noch an den 20. Mai 2017 erinnern? An diesem Tag war in der gesamten Kölner Innenstadt der bestmögliche Ausnahmezustand ausgebrochen. Tausende Anhänger des 1. FC Köln strömten in den Kölner Dom und ließen „Mer stonn zo Dir, FC Kölle“ erklingen. Auf den Straßen schallte es im Sekundentakt „Europapokal, Europapokal“. Rapper Mo-Torres stimmte mit tausenden Fans zur Saisoneröffnungsfeier am 07.08.2017 auf den Vorwiesen am RheinEnergieSTADION in Köln-Müngersdorf „Effzeh International“ an. Die Kölner waren völlig aus dem Häuschen und auf der internationalen Bildfläche endlich wieder präsent.

Nicht einmal ein Jahr später nach Fahrten nach München, Dortmund, Borisov, Belgrad und London sieht die Situation vollkommen anders aus. Hängende Köpfe auf dem Platz und auf der Tribüne, die Gewissheit nächstes Jahr nach Sandhausen, Paderborn und Ingolstadt fahren zu dürfen. Auch wenn mathematisch noch eine minimale Restchance darauf besteht, tatsächlich auch nächste Saison in der Bundesliga spielen zu dürfen – der Abstieg ins Unterhaus steht eigentlich bereits fest. Jetzt gilt es, dass der Abstieg nur ein einjähriger „Betriebsunfall“ und kein Dauerzustand werden darf. Das kommende Saisonziel muss eindeutig Wiederaufstieg lauten! Doch trotz der verheerenden Saison aus sportlicher Sicht, überwiegt beim Kölner FC die Aufbruchstimmung.

Neuanfang mit Anfang in der 2. Bundesliga

Nach einer schwierigen Saison stehen nun die Zeichen beim 1. FC Köln auf Neuanfang.
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Mit Markus Anfang hat der Club für die nächste Saison einen jungen Trainer gefunden, der als Spieler jahrelang in der Bundesliga spielte und dazu gebürtig aus Köln stammt. Als Trainer lässt der 43-Jährige einen erfrischenden, unbekümmert wirkenden Offensivfußball spielen, ohne dabei die Defensive zu vernachlässigen, die kompakt steht. Außerdem hat er die Chance innerhalb von zwei Jahren mit Holstein Kiel zwei Mal aufzusteigen – in seiner kurzen Zeit als Profitrainer eine wirklich gelungene Bewerbung. Für Anfang ist sein künftiges Engagement in Köln mehr als die nächste Station in seiner Vita.

„Was ich hier in Kiel bislang erleben durfte, ist sensationell. Aber Köln ist ein super Traditionsverein in meiner Heimatstadt – ich denke, das können die meisten nachvollziehen“, sagte Anfang dem „Kicker„. Als Kölner kennt er die Region und die Menschen – die Frage der künftigen Vereinsidentifikation stellt sich also nicht.

Trendwende blieb für Köln aus – Sommertransfers floppten

Der Kader des 1. FC Köln zu Saisonbeginn. Hintere Reihe, von links: Mannschaftsarzt Dr. Peter Schäferhoff, Mannschaftsarzt Dr. Paul Klein, Zeugwart Frank Almstedt, Zeugwart Kresimir Ban, Dominic Maroh, Frederik Sörensen, Dominique Heintz, Jonas Hector, Physiotherapeut Paul Schiedges, Physiotherapeut Thorsten Klopp, Leiter Physiotherapie & Rehabilitation Klaus Maierstein, Teambetreuer Maximilian Vollmar Mittlere Reihe, von links: Cheftrainer Peter Stöger, Co-Trainer Manfred Schmid, Simon Zoller, Marco Höger, Christian Clemens, Jannes Horn, Sehrou Guirassy, Artjoms Rudnevs, Jhon Cordoba, Marcel Risse, Torwarttrainer Alexander Bade, Athletiktrainer Yann-Benjamin Kugel, Reha-Trainer Marcel Abanoz Vordere Reihe, von links: Matthias Lehmann, Milos Jojic, Salih Özcan, Yuya Osako, Lukas Klünter, Sven Müller, Timo Horn, Thomas Kessler, Pawel Olkowski, Konstantin Rausch, Jorge Mére, Nikolas Nartey, Leonardo Bittencourt Es fehlt: João Queirós copyright: CityNEWS / Alex Weis
Der Kader des 1. FC Köln zu Saisonbeginn.
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Das war in der Vergangenheit nicht immer so, auch ein Grund warum es mit dem 1. FC Köln nach dem Europatraum so schnell bergab ging. Der zwar finanziell üppig versüßte Abschied von Top-Stürmer Anthony Modeste konnte nicht ansatzweise kompensiert werden. Die 25 Tore, die er in der vergangenen Saison erzielte, machten in vielen engen Spielen einfach den Unterschied – den Unterschied zwischen Platz 5 und Platz 18. Modeste folgte den finanziellen Verlockungen aus China.

Jhon Cordoba, der für 17 Millionen von Mainz nach Köln kam, blieb ohne Treffer in der Bundesliga erschreckend blass und wirkte wie vom Pech verfolgt, als er trotz bester Chancen nie den Ball im Tor unterbringen konnte. Ein Missverständnis, das womöglich oder für FC-Fans „hoffentlich“ nach dieser Saison beendet wird.

Simon Terodde, der zur Winterpause kam, schlug mit einem Treffer beim Derbysieg über Borussia Mönchengladbach zum Rückrundenauftakt voll ein. Doch seine fünf Treffer in der Rückrunde konnten an der grausamen Hinrunde und der aussichtslosen Lage auch nichts ändern.

Kölsche Pleiten, Pech und Pannen

Ist das RheinEnergieSTADION zu klein? Munter wurde hier in der Vergangenheit über Neubau, Ausbau, Verlegung und Co. diskutiert. copyright: CityNEWS / Alex Weis
Ist das RheinEnergieSTADION zu klein? Munter wurde hier in der Vergangenheit über Neubau, Ausbau, Verlegung und Co. diskutiert.
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Schon früh in der laufenden Saison spielte sich das Team in einen Negativlauf. Nach dem 5. Spieltag lang der 1. FC Köln nach einem 0:5 in Dortmund schon mit 1:13 Toren auf dem letzten Platz. Mit aktuell 16 Punkten ist man in der Rückrundentabelle zwar auf Platz 12. Ein wirkliches Aufbäumen sah man aber bei der Mannschaft selten. Verletzungen, Entscheidungen von Schiedsrichtern, Krawalle von sogenannten Fans, teilweise „seltsame“ Ideen bei der Mitgliederversammlung und Co. rundeten das rheinische Dilemma ab. Es folgten das Ausscheiden aus der Europa League und dem DFB-Pokal.

Der Vorstand des 1. FC Köln bei der Mitgliederversammlung in der LANXESS arena. copyright: CityNEWS / Heribert Eiden
Der Vorstand des 1. FC Köln bei der Mitgliederversammlung in der LANXESS arena.
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Darüber hinaus machten es sich die Geißböcke zusätzlich schwer, als man während der aufkommenden Abstiegssorgen ein Stadion für mehr als 70.000 Zuschauer forderte. Bei der Stadt Köln und auch Teilen der Fanszene, für die der Standort Müngersdorf unantastbar ist, förderte dies nicht sonderlich die Beliebtheit. Eine Debatte zur Unzeit. Darüber hinaus hatte zwischenzeitlich die Mannschaft, ob der sportlichen Talfahrt, das RheinEnergieSTADION für die „normalen“ Kölner Verhältnisse eher „leer gespielt“. In der aktuellen Zuschauertabelle liegt man „nur“ noch auf Platz 8. In der Vorsaison war man hier noch auf Platz 6. Und das alles im Jubiläumsjahr des Vereins.

Sportliche Führung der Geißböcke neu aufgestellt

Geschäftsführer Jörg Schmadtke verließ zuerst das sinkende Schiff. copyright: Alex Weis / CityNEWS
Geschäftsführer Jörg Schmadtke verließ zuerst das sinkende Schiff.
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Mit Trainer Markus Anfang hat sich die sportliche Abteilung zur kommenden Saison dann völlig neu aufgestellt. Armin Veh ersetzte bereits während der Saison als „Geschäftsführer Sport“ Jörg Schmadtke. Seine Transfers in der letzten Sommertransferperiode floppten. Wenig später folgte auch Trainer Peter Stöger, der die Mannschaft von der zweiten Bundesliga bis in die Europa League führte. Er warf selbst das Handtuch und trat zurück. Als interne Lösung konnte der aktuelle Trainer Stefan Ruthenbeck zwar durchaus Schwung in die Mannschaft bringen. Eine Trendwende blieb aber aus.

Wichtige Leistungsträger bleiben beim 1. FC Köln

Torwart Timo Horn soll laut Medienberichten seine Vertragsverlängerung beim 1. FC Köln in Kürze bekanntgeben. copyright: CityNEWS / Alex Weis
Torwart Timo Horn soll laut Medienberichten seine Vertragsverlängerung beim 1. FC Köln in Kürze bekanntgeben.
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Gut für die Domstädter rund um Alexander Wehrle, Werner Spinner und Markus Ritterbach ist, dass sich bei vielen Leistungsträgern abzeichnet, dass sie dem Verein trotz des Abstiegs treu bleiben wollen. Nationalspieler Jonas Hector verlängerte erst kürzlich wie Marco Höger seinen Vertrag beim Kölner Club. Und auch bei FC-Keeper Timo Horn hat seinen Verbleib über die Saison hinaus bekanntgegeben.

Dazu sagte FC-Geschäftsführer Armin Veh: „Timo ist beim FC groß geworden, hat hier den Sprung zu den Profis geschafft und ist zum Führungsspieler gereift. Er lebt den FC und ist bereit, unseren Weg in jedem Fall mitzugehen. Im Abstiegsfall heißt unser Ziel direkter Wiederaufstieg. Wir sind sehr froh, dass Timo mit seiner Leidenschaft für den FC, seinem Ehrgeiz und seiner enormen Qualität als Torhüter dabei eine tragende Säule sein will.“

Timo Horn will gemeinsam zurück zum Erfolg

FC-Keeper Timo Horn bleibt dem Verein treu, copyright: CityNEWS / Heribert Eiden
FC-Keeper Timo Horn bleibt dem Verein treu,
copyright: CityNEWS / Heribert Eiden

Und der Keeper der Geißböcke sagte zu seiner Entscheidung: „Der FC ist mein Verein, in Köln bin ich zu Hause. Deshalb habe ich immer gesagt, dass ich es mir vorstellen kann, diesen Weg mitzugehen, wenn die Perspektive stimmt. Und sie stimmt! Der FC hat trotz der schwierigen Saison hervorragende Voraussetzungen für die kommende Spielzeit geschaffen und ambitionierte Ziele. Das war ganz wichtig für mich. Ich werde mein Bestes geben, damit wir gemeinsam in die Erfolgsspur zurückkehren.“
 

Timo Horn kam im Alter von neun Jahren zum 1. FC Köln und spielte in allen Nachwuchsteams. Parallel dazu durchlief er ab der U15 alle Junioren-Teams des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Mit der deutschen Olympiaauswahl gewann er 2016 in Rio die Silbermedaille. Beim 1. FC Köln gab der Torwart in der Saison 2012/2013 sein Profi-Debüt. Seitdem lief der gebürtige Kölner 202 Mal in der Bundesliga, in der 2. Bundesliga, im DFB-Pokal und in der UEFA Europa League auf.

Jonas Hectors: Aus der Regionalliga in Jogis-Elf

Jonas Hectors Weg aus der Regionalliga in Jogis-Elf copyright: CityNEWS / Alex Weis
Jonas Hectors Weg aus der Regionalliga in Jogis-Elf
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Insbesondere die Vertragsverlängerung von Jonas Hector löste bei den Effzeh-Fans große Freude aus. Seine Ausstiegsklausel lag bei acht Millionen Euro. Für einen Spieler seiner Klasse wäre das in der heutigen Zeit mit zum Teil völlig absurden Transfersummen ein Witz gewesen.

Jonas Hector ist eine „Ausnahmeerscheinung“, „Wahre Liebe kennt keine Liga“, die Presse und die Fans feiern den Kapitän regelrecht ab – und das völlig zurecht. Gerade er fehlte dem FC-Spiel an allen Ecken und Enden. Er musste in dieser Saison lange Zeit verletzt dabei zusehen, wie der 1. FC Köln erst kein Glück beim Toreschießen hatte und dann zusätzlich noch Pech mit bis heute höchst fragwürdigen Entscheidungen des Videoschiedsrichters dazu kam, die zusätzlich Punkte kosteten.

Jonas Hector bleibt dem 1. FC Köln auch in der 2. Bundesliga erhalten. copyright: CityNEWS / Alex Weis
Jonas Hector bleibt dem 1. FC Köln auch in der 2. Bundesliga erhalten.
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Nun der Neuanfang in Liga 2. Mit Jonas Hector bleibt dem Verein auf dem Platz das Relais des Kaders erhalten. Die Schaltstation zwischen Offensive und Defensive, derjenige, der das Team als Kapitän führt und zusammenhält. „Der FC hat mir den Weg von der Regionalliga bis in die Nationalmannschaft ermöglicht. Ich bin dem Klub sehr verbunden und dankbar und fühle mich in Köln sehr wohl“, sagte Hector zu seiner Vertragsverlängerung bis 2023.

„Es wäre problemlos möglich gewesen, nach dieser Saison zu einem anderen Verein zu wechseln, aber für mich fühlte sich das nicht richtig an.“ Er will dem Club etwas zurückgeben, er geht als Leader voran. Das ist groß! Und es zeigt die Besonderheit, die der Verein vom Rhein ausstrahlt.

Direkter Wiederaufstieg des Effzeh allein schon wegen der Finanzen

Direkter Wiederaufstieg des Effzeh allein schon wegen der Finanzen copyright: CityNEWS / Alex Weis
Direkter Wiederaufstieg des Effzeh allein schon wegen der Finanzen
copyright: CityNEWS / Alex Weis

Doch gerade aus finanziellen Gesichtspunkten muss der 1. FC Köln trotz der großen Identifikationsfiguren, die dem Verein auch in Liga 2 treu bleiben werden, sofort wieder aufsteigen. Auch wenn Hector auf viel Geld verzichten wird, werden er, Timo Horn (der übrigens fast genau vor einem Jahr seinen Vertrag verlängerte) und Co. weit mehr verdienen als „normale“ Zweitligaprofis. Darüber hinaus sinken die Einnahmen aus den TV-Geldern dramatisch gegenüber dieser Saison. Der Verein wird hier mit rund 30 Millionen Euro weniger rechnen müssen.

Mögliche Transfers in der nächsten Transferperiode könnten dies teilweise kompensieren. Gestandene Spieler wie Dominic Maroh (31) oder Claudio Pizarro (39) werden den Verein wohl verlassen und Platz für Nachwuchsspieler machen, die sich in der zweiten Liga sportlich sicher einfacher ins Team integrieren lassen als in der Bundesliga.

Die Fans vom 1. FC Köln machen jedes Spiel zum Heimspiel

Die Fans vom 1. FC Köln machen jedes Spiel zum Heimspiel copyright: CityNEWS / Alex Weis
Die Fans vom 1. FC Köln machen jedes Spiel zum Heimspiel
copyright: CityNEWS / Alex Weis

Sportlich wird die Mannschaft sicher der heißeste Kandidat auf den Wiederaufstieg sein. Dazu wird für die Mannschaft fast jedes Spiel zu einem Heimspiel werden. Die Fans stehen hinter dem Club. Das RheinEnergieSTADION wird auch in 2. Liga gut besucht werden, auch wenn die Anstoßzeiten sich im Vergleich zur Bundesliga ändern werden. Die Mannschaft wird ihr Gerüst um Hector, Höger und wohl auch Horn behalten. Man kann gespannt darauf sein, wie sich die Mannschaft in der nächsten Saison entwickelt.

Noch interessanter wird aber die Frage sein, in welcher Liga der FC in der übernächsten Saison spielen wird. Aber bis dahin wird noch viel Wasser den Rhein hinabgeflossen sein. Und die Geißbock-Anhänger haben Erfahrung mit den Auf und Abs des Vereins. Und so wird man mit Sicherheit auch in der kommenden Saison die Strophe „Durch dick und durch dünn – janz ejal wohin – nur zesamme simmer stark…“ der Hymne „Mer stonn zo Dir, FC Kölle“ aus tausenden Kehlen hören.