Mitgliederversammlung des 1. FC Köln 2018: Mehr Beifall als Buh-Rufe

Über 6.000 Mitglieder besuchten die Mitgliederversammlung 2018 des 1. FC Köln in der LANXESS arena. copyright: CityNEWS / Heribert Eiden
Über 6.000 Mitglieder besuchten die Mitgliederversammlung 2018 des 1. FC Köln in der LANXESS arena.
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Dass es spät werden würde auf der Mitgliederversammlung des 1. FC Köln 2018, machte Moderator Guido Ostrowski schon vor Beginn der Veranstaltung deutlich. Denn der wichtigste Tagesordnungspunkt auf der Versammlung am 10. Oktober 2018 war die Wahl des neuen Mitgliederrates. Es stellten sich 41 Bewerber zur Wahl, jedem wurden zwei Minuten zum Vorstellungsmonolog gegeben. Wer überzog wurde mit einem „Meckern“ von Vereinsmaskottchen Hennes unterbrochen.

Also mehr als 90 Minuten, die zum Ende der Veranstaltung anstanden, denn zuvor wurden die Tagespunkte eins bis neun abgehandelt. Auftakt bildete wie immer die Intonierung der FC-Hymne, dazu der Aufzug der Profitruppe. Und der zu Saisonbeginn neu installierte Trainer Markus Anfang durfte seine Sicht der Dinge darstellen. Er sei stolz darauf, als gebürtiger Kölner beim 1. FC Köln Trainer zu sein, es sei eben nicht nur ein Job, sondern ein Gefühl.

FC-Trainer Markus Anfang: „Wir brauchen einen langen Atem, müssen geduldig sein“

Die ersten Spiele sieht FC-Trainer Markus Anfang wie folgt: „Wir müssen vor allem unsere Heimspiele besser gestalten, wir brauchen einen langen Atem, wir müssen gegen tief stehende Mannschaften geduldig sein, dann kommen die nötigen Punkte und der Aufstieg in Liga 1, wo der Verein zwingend hingehört.“

Momentan hat der Verein 105.750 Mitglieder, das bedeutet, nach der missratenen Vorsaison mit Europa-Tournee haben dennoch über 5.000 neue Mitglieder den Weg zu den Geißböcken gefunden. Von denen waren 6.320 am Abend in der LANXESS arena, davon 6.128 stimmberechtigt. Dass diese zeitig von ihrem Stimmrecht Gebrauch machen mussten, war einem Antrag eines Mitglieds zu verdanken, die wichtige Wahl zum Mitgliederrat vorzuziehen. Die Argumentation: Zwei Drittel der Teilnehmer kommen von außerhalb und könnten – gerade an einem Termin mitten in der Woche – vorzeitig die Veranstaltung verlassen und von ihrem Stimmrecht nicht mehr Gebrauch machen.

Abstimmungen bei der Mitgliederversammlung: Wenn der (Augen)Schein trügt

Vereinsmaskottchen Hennes sorgte mit seinem „Meckern“ dafür, dass die Redezeiten eingehalten wurden.
copyright: CityNEWS / Alex Weis

Das Chaos bei den letztjährigen Abstimmungen, als die elektronische Stimmerfassung ihren Dienst versagte, führte zu einer neuen Herangehensweise, eine analog-elektronische Mixtur, die das Verfahren beschleunigen sollte. Mit dem Hochhalten von Stimmkarten sollten die Mitglieder über Ja, Nein oder Enthaltung ihre Meinung kundtun. Wobei der Ausgang eben reine Ansichtssache war. Sollte per Augenschein nicht eindeutig erkennbar sein, ob Ja, Nein oder Enthaltung die Mehrheit bildeten, muss von Hand ausgezählt werden.

Und genau das passierte bereits bei der ersten Abstimmung. Denn das Vorziehen der Wahlen zum Mitgliederrat brachte – zumindest im Auge der Wahlleitung – kein klares Ergebnis. Deshalb mussten die Stimmkarten abgegeben und – immerhin maschinell und somit schneller als von Hand – ausgewertet werden. Nun, der Antrag wurde abgelehnt, mit 3.200 gegen 2.400 Stimmen, was eigentlich beim Blick ins weite Rund ersichtlich war.

Was ist die Aufgabe des Mitgliederrates?

Was ist die Aufgabe des Mitgliederrates? copyright: CityNEWS / Alex Weis
Was ist die Aufgabe des Mitgliederrates?
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Worum handelt es sich eigentlich beim Mitgliederrat? Es ist das von den Mitgliedern gewählte Kontrollgremium, das die Arbeit von Vorstand und Geschäftsführung eben kontrollieren soll, aber auch beratend zur Seite stehen soll, ausgestattet mit recht weitreichenden Befugnissen. Vorstand und Geschäftsführung sehen den Mitgliederrat eher als Institution, die sich am besten um die Abteilungen Frauenfußball, Handball und Tischtennis kümmern sollte.

Dass es bei diesen sich diametral gegenüberstehenden Auslegungen zu Reibereien kommt, scheint unabdingbar. Im Vorfeld wurden Inhalte von E-Mails an die Fachpresse und Boulevardzeitungen lanciert, sorgten für Unruhe und immer wieder kleinen Sticheleien von einer Richtung zur anderen. Insgesamt jedoch gab es am Abend mehr Beifall als Buh-Rufe – für alle Protagonisten.

Toni Schumacher weckt Emotionen und Markus Ritterbach sorgt für Ovationen

Die Berichte aus dem Vorstand lassen sich in etwa so zusammenfassen: Die Rede von Toni Schumacher war die emotionalste Ansprache des Abends. Er gestand Fehler ein und sprach im Zusammenhang mit dem Abstieg von einem Autounfall, der unvorhergesehen kommt, dessen Schäden man aber auch wieder reparieren kann. „Alles andere wäre Fahrerflucht“, so der Tünn an die Mitglieder.

Noch mehr Applaus erhielt Vorstandsvize Markus Ritterbach, der die gewaltbereite „Fan-„Szene in den Fokus rückte. Bei Strafzahlungen in Millionenhöhe wegen Gewalttaten, Pyrotechnik, und Angriffe auf Fan-Busse, Ordner, Polizei oder gegnerische Fans verteidigte Ritterbach das Vorgehen des Vereins, diese „Fans“ in Regress zu nehmen und die Strafgelder auf diese abzuwälzen, in letzter Konsequenz sie aus dem Verein auszuschließen.

Stadion in Müngersdorf bleibt erste Wahl – Ausbau am Grüngürtel kann 2019 beginnen

Laut FC-Geschäftsführer Alexander Wehlre ist ein Ausbau des Stadions unabdingbar. copyright: CityNEWS / Alex Weis
Laut FC-Geschäftsführer Alexander Wehlre ist ein Ausbau des Stadions unabdingbar.
copyright: CityNEWS / Alex Weis

Geschäftsführer Alexander Wehrle konnte wie in den vergangenen Jahren auch weiter verbesserte Eckdaten verkünden. Die Kennzahlen lauten:

  • Jahresumsatz: 171,8 Mio. Euro, im Vorjahr 129,2 Mio. Euro
  • Jahresergebnis vor Steuern: 27,4 Mio. Euro, im Vorjahr: 16,8 Mio. Euro
  • Jahresergebnis nach Steuern: 17,3 Mio. Euro, im Vorjahr: 11,1 Mio. Euro
  • Operatives Ergebnis (EBITDA): 48,6 Mio. Euro, im Vorjahr: 28,6 Mio. Euro
  • Eigenkapital: 37,5 Mio. Euro, im Vorjahr: 20,2 Mio. Euro

Alexander Wehrle bekräftige erneut das Bestreben des Vereins, weiterhin im RheinEnergieSTADION in Köln-Müngersdorf zu spielen. Der Standort sei erste Wahl, ein Ausbau allerdings unabdingbar, um künftig höhere Zuschauereinnahmen zu erzielen und wettbewerbsfähig zu bleiben. Interessant in diesem Zusammenhang: Nur 150 Dauerkarten wurden mit dem Abstieg gekündigt, auf der Warteliste stehen hingegen 12.000 Bewerber.

Stefan Müller-Römer bleibt an der Spitze des 1. FC Köln-Mitgliederrates

Moderate Töne als Weg zur Wiederwahl von Stefan Müller-Römer
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Stefan Müller-Römer, der den Mitgliederrat anführt und in der Vergangenheit häufig wegen seiner Attacken auf die Clubführung in die Kritik geriet, zeigte sich in seiner Ansprache moderat. Er legte so den Grundstein zu seiner Wiederwahl – mit erstaunlichen 64 Prozent Ja-Stimmen. Im Gremium werden nur noch 12 Mitglieder vertreten sein, denn – neben Müller-Römer – schafften nur elf weitere Bewerber, mehr Ja- als Nein-Stimmen zu erzielen und so die Bedingung einer Wahl zu erfüllen.

So setzt sich der Mitgliederrat des 1. FC Köln wie folgt zusammen (alphabetisch, in Klammern die Prozentangaben der Zustimmung):

  • Carsten Wettich (71,16)
  • Christian Hoheisel (73,53)
  • Engelbert Faßbender (58,9)
  • Fabian Schwab (63,37)
  • Frank Leifer (53,34)
  • Fritz Guckuk (57,25)
  • Ho-Yeon Kim (74,21)
  • Josef Derkum (70,06)
  • Michael Trippel (61,06)
  • Nicole Bender (57,47)
  • Stefan Müller-Römer (64,43)
  • Walther Boecker (71,06)

Bei allen guten Zahlen, bei allen Diskussionen, das beste für den Verein und seine Fans wäre der sofortige Wiederaufstieg. Dann besteht auch keinerlei Anlass zur Fahrerflucht – von wem auch immer.