Roman Franz leitet Beratung des Landesverbandes der Sinti und Roma

Roman Franz ist der Erste Vorsitzende des Landesverbandes Deutscher Sinti und Roma in Nordrhein-Westfalen / copyright: Roberto Pfeil / dapd
Roman Franz ist der Erste Vorsitzende des Landesverbandes Deutscher Sinti und Roma in Nordrhein-Westfalen
copyright: Roberto Pfeil / dapd

Helmut Schmidt, Rita Süssmuth, Richard von Weizsäcker – lang ist die Liste der Prominenz auf den Fotos, die die Wände der Sozialen Beratungsstelle des Landesverbandes der Deutschen Sinti und Roma in Düsseldorf zieren. Immer mit im Bild: ein älterer Herr mit Schnurrbart. „Das ist mein Vater“, sagt Roman Franz und erzählt, dass der Ministerpräsident und spätere Bundespräsident Johannes Rau ein Freund der Familie war.

Ein paar Jahrzehnte zuvor war sie noch grausam verfolgt worden. „600.000 Sinti und Roma sind von den Nazis ermordet worden, aus meiner Familie 36 Personen“, erzählt der 62-Jährige. „Mein Vater hat nur mit Glück das KZ überlebt.“

Seit 2001 leitet Franz ehrenamtlich die Beratungsstelle, die von seinem Vater in den achtziger Jahren gegründet worden war. Sie steht den etwa 70.000 nordrhein-westfälischen Sinti und Roma in allen sozialen Fragen zur Seite. Und sie kämpft gegen Vorurteile, die ihnen vielerorts immer noch entgegenschlagen.

Diskriminierung war Alltag

„Viele nennen uns nach wie vor Zigeuner. Aber wir heißen nicht so, sagt Roman Franz. „Ursprünglich kommen wir aus Indien. Die Sinti leben seit 600 Jahren im deutschsprachigen Raum, die Roma kamen vor etwa 150 Jahren. Das hier ist auch unser Land“, betont er.

Dem Klischee vom nichtsesshaften Landfahrer hält er entgegen, dass „vor 1933 der größte Teil der Sinti und Roma sesshaft war.“ Erst die rassistische Verfolgung während der Nazizeit entwurzelte die Überlebenden. „Nach dem Krieg war die Mehrzahl der Leute, die unsere Familien ermordet hatten, wieder in Amt und Würden. Da hat man Scheu gehabt, sich durch Sesshaftigkeit wieder zu binden“. Heutzutage gibt es freilich niemanden mehr ohne festen Wohnsitz.

„Wenn ich als 20-Jähriger mit dem Auto unterwegs war und von der Polizei kontrolliert wurde, hieß es gleich: ‚Aha, Zigeuner – Hände hoch'“, erinnert sich Roman Franz an alltägliche Diskriminierung in seiner Jugend. Vieles sei seitdem besser geworden. Aber ganz überwunden ist sie nicht: „Wir haben Bürgermeister, Tenöre, Spieler in der Fußball-Nationalmannschaft. Die geben sich aber nicht als Sinti oder Roma zu erkennen, weil sie Nachteile befürchten.“ Denn: „Normal ist es in Deutschland noch nicht, ein Sinti oder Roma zu sein.“

Jahrhundertealte Kultur

Dabei gibt es Grund, auf eine besondere Kultur stolz zu sein. Da ist einmal die Sprache Romanes, die auf das indische Sanskrit zurückgeht. „Mit manchen Indern können wir uns ganz gut verständigen“, so Franz. In Romanes werden die uralten Geschichten von Generation zu Generation weitergegeben. Hinzu kommen die mitreißende Musik und ein beispielhafter Zusammenhalt untereinander: „Dass alte Leute ins Altersheim kommen, das gibt es bei uns praktisch nicht. Wir legen sehr großen Wert darauf, dass ältere Leute respektiert werden.“

Auch Betreuung von Flüchtlingsfamilien

Die Beratungsstelle kümmert sich auch um die Romafamilien, die als Flüchtlinge des Balkankrieges nach Deutschland kamen und immer noch kommen. Sie scheinen manch altes Vorurteil zu bestätigen. Doch «Betteln ist eine Folge des sozialen Elends in den Herkunftsländern», stellt Roman Franz klar. Von Politik und Gesellschaft erfährt die Arbeit von Franz viel Anerkennung.

„Die Soziale Beratungsstelle hat sich zu einer wichtigen Anlaufstelle für die Sinti und Roma in Nordrhein-Westfalen entwickelt“, weiß Walter Godenschweger vom Landesministerium für Arbeit, Integration und Soziales. Und Düsseldorfs Bürgermeisterin Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP) sagt über ihren Leiter: „Roman Franz brennt dafür, für seine Leute etwas zu tun.“

Der sagt nüchtern, aber nicht ohne Zuversicht: „Wir haben sehr viel erreicht in den letzten 30 Jahren. Damals war es zu 100 Prozent schlecht, jetzt ist es zu 60 Prozent gut. Aber es fehlen noch 40. Dafür brauchen wir bestimmt noch einmal 30 Jahre.“

Autor: Redaktion/ dapd

Print Friendly