Henning Krautmacher im Interview mit CityNEWS über die kölsche Küche

Henning Krautmacher im Interview über die kölsche Küche copyright: E.G. Lüttgau Verlag
Henning Krautmacher im Interview über die kölsche Küche
copyright: E.G. Lüttgau Verlag

Der Kölner an sich beschreibt sich gern als weltoffen und tolerant. Wie hält er es da mit kulinarischen Gepflogenheiten? Zum Kölsch wird in den Brauhäusern traditionell Himmel un Äd mit Flönz, Hämmche oder Halver Hahn serviert. „War´s das?“, wollten wir von Henning Krautmacher wissen. Der Frontmann der Höhner muss es wissen: Er ist nicht nur Vollblutmusiker bei der Kölner-Kultband, sondern auch leidenschaftlicher Koch, Rezept-Entwickler und Buchautor.

CityNEWS: Wie würdest Du die kölsche Küche definieren?

Henning Krautmacher: Der Kölner mag es von jeher deftig. Himmel un Äd mit Flönz wurde schon vor Urzeiten in Köln gegessen. Besonders beliebt waren diese Speisen bei den Schiffsleuten, die auf den Marktplätzen ihren Handel betrieben. Ich kann das verstehen: Die wollten satt werden.

CityNEWS: Was hat sich bis heute geändert?

Henning Krautmacher: Köln ist ein Schmelztiegel. Die Multi-Kulti-Mentalität schlägt sich auch in der Kochkunst nieder. So haben wir mittlerweile alle Nationalitäten in der Gastro-Szene vertreten.

CityNEWS: Wie bewertest Du die Veränderung?

Henning Krautmacher: Zum einen finde ich es etwas schade, dass man Himmel un Äd mit Flönz beispielsweise nur noch an ganz wenigen Stellen in Köln nach dem Originalrezept essen kann. Wenn das nämlich richtig zubereitet wird – mit selbst gestampften groben Äpfeln und echten Kartoffeln – könnte ich mich da reinlegen.

Oft kommt der Himmel allerdings aus dem Glas und die Äd aus der Tüte. Zum anderen mag ich es aber, dass die kölsche Küche vielseitiger geworden ist und von so vielen Einflüssen geprägt wird. Das war auch der Grund für meine Tapas-Trilogie.

Kölsche Tapas, Sushi, Pasta und Pizza

Höhner-Frontmann Henning Krautmacher ist leidenschaftlicher Koch. copyright: privat
Höhner-Frontmann Henning Krautmacher ist leidenschaftlicher Koch.
copyright: privat

CityNEWS: Die Tapas-Trilogie?

Henning Krautmacher: Das sind meine drei aktuellsten Kochbücher: Kölsche Tapas, Kölsche Su­shis und Kölsche Pasta und Pizza. Mein Ziel war es, die moderne Küche aus aller Welt mit typisch kölschen Elementen zu verbinden.

CityNEWS: Was ist bei dieser Kreuzung heraus­gekommen?

Henning Krautmacher: Zum Beispiel Ravioli Rut-Wieß, Pizza-Dömche, FC-Spießjer, Prumme em Speckmäntelche oder Kölscher Würzemich, eine kölsche Sojasoße aus Kölner Senf, Kölsch und verschiedenen Gewürzen.

CityNEWS: In der Produktionszeit hast Du Deine Gitarre wahrscheinlich an den Nagel gehängt, oder?

Henning Krautmacher: Mein Musikerleben hat den großen Vorteil, dass ich mir die Zeit frei einteilen kann. So habe ich morgens und mittags viel am Herd gestanden und konnte abends an meiner Gitarre statt an den Kräutern zupfen.

CityNEWS: Hast Du das nicht als Doppelbelastung empfunden?

Henning Krautmacher: Ganz im Gegenteil. Kochen entspannt mich. Mir sind gerade beim Anrühren von Soßen oft Zeilen und Melodien für neue Songs eingefallen.

Henning Krautmacher: „Mein Name gibt mir den Weg vor“

Henning Krautmacher: „Mein Name gibt mir den Weg vor“
copyright: privat

CityNEWS: Woher kommt eigentlich Deine ­Leidenschaft fürs Kochen?

Henning Krautmacher: Da bin ich von den Eltern und Großeltern geprägt. Mein Vater war gelernter Bäcker, Konditor und Koch. Meine Mutter ist die Tochter eines Müllers.

CityNEWS: Welches Kocherlebnis aus jungen ­Jahren ist Dir noch besonders im ­Gedächtnis geblieben?

Henning Krautmacher: Als Zehnjähriger durfte ich ein komplettes Weihnachtsmenü für die Familie kochen. Bruder, Schwester, Eltern, Großeltern, alle saßen um einen großen Tisch.

CityNEWS: Was hast Du gekocht?

Henning Krautmacher: Als Vorspeise eine Spargelcremesuppe. Aus der Tüte, gebe ich zu (lacht). Danach Stielkoteletts, eigenhändig paniert und gewürzt, dazu Salzkartoffeln mit Bechamelsoße und zum Nachtisch das gute Fürst-Pückler-Eis aus der Kühltruhe. Danach war ich ziemlich groggy, aber glücklich und stolz wie Oskar. Es gab viel Lob und leere Teller.

CityNEWS: Das letzte Kochbuch ist einige Jahre her. Juckt es Dir nicht langsam in den Fingern?

Henning Krautmacher: In der Tat habe ich schon seit Langem den Gedanken, mal wieder kreativ den Kochlöffel zu schwingen. Einen roten Faden gibt es auch schon: das Kraut. Mein Name gibt mir den Weg vor: Krautmacher. Irgendwann will ich da ran …

Weitere Infos unter: www.henning-krautmacher.de

Hennings Rezept-Tipp: Prumme em Speckmäntelche

Hennings Rezept-Tipp: Prumme em Speckmäntelche copyright: E.G. Lüttgau Verlag
Hennings Rezept-Tipp: Prumme em Speckmäntelche
copyright: E.G. Lüttgau Verlag

Zutaten:

  • 1 Paket Trockenpflaumen (entkernt), ca. 200 g
  • 20 Scheiben Bacon
  • 2 cl Zwetschgenschnaps
  • Sojasoße (dunkel)
  • Balsamico-Essig
  • Etwas trockenen Rotwein und Pfeffer zum Abschmecken

Zubereitung:

Trockenpflaumen in eine kleine Schüssel geben und mit Wasser angießen, bis die Früchte gerade so bedeckt sind. Über Nacht abgedeckt einweichen lassen. Am nächsten Tag die Pflaumen entnehmen und das so gewonnene „süße Wasser“ beiseitestellen. Die Pflaumen in je eine Scheibe Bacon einwickeln und anschließend in einer beschichteten Pfanne ohne Zugabe von Öl/Fett von allen Seiten kross ausbacken.

Nun den Bratenfond mit dem süßen Pflaumen-Wasser ablöschen und ca. drei Minuten einköcheln lassen. Abschließend mit Sojasoße, Balsamico-Essig und Pfeffer abschmecken. Noch mal kurz aufkochen und vom Herd nehmen. Erst jetzt einen Schuss Rotwein und den Zwetschgenschnaps unterrühren. Die Soße über die Prumme em Speckmäntelche verteilen.

Aus „Kölsche Tapas“
von Henning Krautmacher und Gabriella Christ
E. G. Lüttgau Verlag
ISBN: 978-3-929721-11-9