UPDATE: Demos gegen Terror: Über 10.000 Teilnehmer am Wochenende in Köln erwartet – Absage von Islamverband DITIB stößt auf Unverständnis

Demos gegen Terror: Über 10.000 Teilnehmer am Wochenende in Köln erwartet! - copyright: pixabay.com
Demos gegen Terror: Über 10.000 Teilnehmer am Wochenende in Köln erwartet!
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Aktualisiert: 16.06.2017, 14:25 Uhr: Am Samstag, 17. Juni 2017, finden in der Kölner Innenstadt zwei große Demos statt, die erhebliche Auswirkungen auf den Verkehr in der City haben werden. Rund 10.000 Teilnehmer wollen am Wochenende in Köln gegen den islamistischen Terror demonstrieren. Die Veranstalter des Friedensmarschs mit dem Motto „Nicht mit uns! Muslime und Freunde gegen Gewalt und Terror“ und die Kölner Polizei gehen von einem friedlichen Verlauf der Veranstaltungen aus.

„Wir werden die Demo natürlich begleiten, gehen aber derzeit von einem störungsfreien Ablauf aus“, sagte Polizeisprecher Christoph Schulte dem Kölner Stadt-Anzeiger. Ein großes Polizeiaufgebot wie bei zurückliegenden Großdemonstrationen wird es wohl nicht geben. Mit rund 700 Einsatzkräften wird die Polizei die Veranstaltungen begleiten. Dennoch wird es in der Zeit von 13 Uhr bis 20 Uhr wegen der Demonstrationen und Kundgebungen in der Innenstadt zu zahlreichen Verkehrssperrungen und Behinderungen kommen. Beide Demonstrationen werden die Kölner Ringe zwischen dem Friesenplatz und dem Rudolfplatz nutzen.

Initiatoren der Demos sind die Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor (Trägerin des Duisburger Integrationspreises 2016) und der muslimische Friedensaktivist Tarek Mohamad, der die Veranstaltung angemeldet hat.

DITIB-Absage stößt auf Unverständnis

DITIB wird nicht an den Demos teilnehmen. - copyright: DITIB
DITIB wird nicht an den Demos teilnehmen.
copyright: DITIB

Bei den Demonstrationen nicht dabei ist der Islamverband DITIB. Dessen Absage und Widerstand gegen die geplante Antiterror-Demo in Köln, stößt in vielen Kreisen auf Kritik und Unverständnis. In einer Stellungnahme vom Mittwoch hieß es: „Forderungen nach „muslimischen“ Anti-Terror-Demos greifen zu kurzem, stigmatisieren die Muslime und verengen den internationalen Terrorismus auf sie, ihre Gemeinden und Moscheen – das ist der falsche Weg und das falsche Zeichen, denn diese Form der Schuldzuweisung spaltet die Gesellschaft.“

Auch die Organisatoren des Friedensmarschs in Köln waren Ziel der in der Stellungnahme veröffentlichten Kritik des Islamverbands. „Muslime sind darüber hinaus keine Verhandlungsmasse, die sich nach Belieben hierhin oder dorthin zitieren lässt. Die Ditib hätte sich statt Ansprache über die Medien zumindest Gespräche im Vorfeld gewünscht.“

Und weiter: „Die Türkisch-Islamische Union (DITIB), sowie alle muslimischen Organisationen, machen immer wieder in verschiedenen Meldungen sowie durch Aktionen und Stellungnahmen deutlich, dass es keine inhaltliche, geistige oder emotionale Nähe der organisierten Muslime zu IS-Terroristen oder religiös verblendeten Kämpfern gibt.“

Reker bedauert Absage sehr

Viele Stimmen aus der Politik sprechen von einer verpassten Chance und kritisieren die Absage des Islamverbands teils scharf. Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker schrieb bei Facebook: „Die Absage der Beteiligung von DITIB an der Anti-Terror-Demonstration am Wochenende bedauere ich sehr und verstehe sie auch nicht. Die Haltung, welche ich täglich von Kölner Muslimen erlebe, ist eine andere. Gegen den Terror müssen alle Gruppen unserer Gesellschaft zusammenkommen und klar Stellung beziehen.“

Auch aus der Bundespolitik gab es Kritik. In der Berliner Zeitung nannte Cem Özdemir die Begründung der DITIB-Absage „mehr als fadenscheinig“. „Es ist mir schleierhaft, dass DITIB diese Möglichkeit nicht nutzt, um ein klares Signal des Zusammenhalts zu senden“, sagte der Grünen-Vorsitzende. Burkhard Lischka, innenpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion sagte der Mitteldeutschen Zeitung, Ditib habe mit der Absage eine Chance verpasst. „DITIB und der Islamrat hätten gemeinsam mit vielen anderen Muslimen, Christen, Juden und Konfessionslosen in Deutschland ein Zeichen gegen Terror und Hass und für Weltoffenheit und Toleranz setzen können“, so der SPD-Politiker.

Zwei große Demonstrationen werden durch die Kölner Innenstadt ziehen

Demos und Kundgebungen in Köln - copyright: Polizei Köln
Demos und Kundgebungen in Köln
copyright: Polizei Köln

Die erste Demo startet um 13 Uhr mit einer Auftaktveranstaltung auf dem Heumarkt und einem anschließenden Zug durch folgende Straßen:

  • Gürzenichstraße
  • Kleine Sandkaul
  • Cäcilienstraße
  • Neumarkt
  • Hahnenstraße
  • Rudolfplatz
  • Hohenzollernring
  • Friesenplatz
  • Magnusstraße
  • Burgmauer
  • Komödienstraße
  • Trankgasse
  • Am Domhof
  • Kurt-Hackenberg-Platz
  • Becher Gasse
  • Alter Markt.

Auf dem Heumarkt findet anschließend eine Abschlusskundgebung statt. Es wird mit etwa 10.000 Teilnehmer gerechnet.

Der zweite Demonstrationszug des „Bündnis gegen Gentrifizierung“ beginnt gegen 16 Uhr unter dem Motto „Das Problem heißt Verdrängung“ an der Krefelder Straße und verläuft über:

  • Hansaring
  • Kaiser-Wilhelm-Ring
  • Christophstraße
  • Von-Werth-Straße
  • Gereonshof
  • Hildeboldplatz
  • Im Klapperhof
  • Hohenzollernring
  • Habsburgerring
  • Hohenstaufenring
  • Salierring (Zwischenkundgebung)
  • Barbarossaplatz
  • Luxemburger Straße (Abschlusskundgebung).

Der Veranstalter rechnet mit rund 500 Teilnehmern.

Verkehrsteilnehmer sollten am Samstag zusätzliche Zeit wegen Demos einplanen

In der Zeit von 13 Uhr bis 20 Uhr wird ein in der Kölner Innenstadt wegen der Demonstrationen und Kundgebungen zu zahlreichen Verkehrssperrungen und Behinderungen kommen. - copyright: Tim Reckmann / pixelio.de
In der Zeit von 13 Uhr bis 20 Uhr wird ein in der Kölner Innenstadt wegen der Demonstrationen und Kundgebungen zu zahlreichen Verkehrssperrungen und Behinderungen kommen.
copyright: Tim Reckmann / pixelio.de

Während der beiden Demonstrationszüge wird es zu Straßensperrungen durch die Polizei Köln kommen. Die Stadt Köln rät den Verkehrsteilnehmern, zum Erreichen der linksrheinischen Innenstadt an diesem Tag ihr Auto zu Hause lassen und auf öffentliche Verkehrsmittel zurückzugreifen. Wer die Autofahrt nicht vermeiden kann sollte unbedingt zusätzliche Zeit einplanen.

In diesen Bereichen ist mit Verkehrsbehinderungen zu rechnen - copyright: Polizei Köln
In diesen Bereichen ist mit Verkehrsbehinderungen zu rechnen
copyright: Polizei Köln

Weitere Informationen und den Verlauf der Demonstrationszüge können auch im städtischen Verkehrskalender eingesehen werde. Die Polizei Köln wird über die Verkehrslage via Twitter, Facebook sowie auf der Internetseite der Behörde informieren. Zusätzlich wird für alle Ratsuchenden am Freitag von 8 bis 16 Uhr und am Samstag von 8 bis 20 Uhr ein Bürgertelefon unter 0221 – 229 – 77 77 geschaltet.

Beeinträchtigung auch bei den Kölner Verkehrs-Betrieben (KVB)

Beeinträchtigung auch bei den Kölner Verkehrs-Betrieben (KVB) - copyright: Christoph Seelbach / Kölner Verkehrs-Betriebe AG
Beeinträchtigung auch bei den Kölner Verkehrs-Betrieben (KVB)
copyright: Christoph Seelbach / Kölner Verkehrs-Betriebe AG

Durch die Kundgebungen und Demos kommt es auch bei den Kölner Verkehrs-Betrieben (KVB) zu Beeinträchtigungen. Nach dem jetzigen Kenntnisstand wird die 2. Demonstration auf der Krefelder Straße in Nippes den Betrieb der Bus-Linien 127 und 142 nachmittags ab etwa 16 Uhr beeinträchtigten.

Die Busse der Linie 127 werden situationsbedingt während der Demonstration in beiden Fahrtrichtungen zwischen den Haltestellen „Nippes S-Bahn“ und „Ebertplatz“ umgeleitet. In Fahrtrichtung Ebertplatz/Hansaring können die Haltestellen „Sechzigstraße“, „Zonser Straße“, „Merheimer Platz“, „Krefelder Wall“ und „Hansaring“ während der Umleitung nicht angefahren werden. In Fahrtrichtung Longericher Straße können die Haltestellen „Hansaring“ und „Krefelder Wall nicht bedient werden.

Ebenso werden die Busse der Linie 142 in Abhängigkeit vom Demonstrationsgeschehen umgeleitet werden müssen. Die Endhaltestelle „Merheimer Platz“ kann nicht erreicht werden. In Fahrtrichtung Merheimer Platz fahren die Busse ab Haltestelle „Methweg“ einen anderen Weg und enden an der Ersatzhaltestelle „Nippes S-Bahn“ vor der Kreuzung Lämmerstraße/Liebigweg. Von hier fahren die Busse der Linie 142 während der Beeinträchtigung durch die Demonstration wieder zurück in Richtung Ubierring. Die Haltestellen „Sechzigstraße“, „Zonser Straße“ und „Merheimer Platz“ können dann nicht bedient werden.

Alle Meldungen zum KVB-Verkehr gibt es auf dem Twitter-Kanal und der Online-Störungsseite.

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