Mode in großen Größen: Plus Size nur eine Ausnahme?

Mode in großen Größen: Plus Size nur eine Ausnahme? copyright: pixabay.com
Mode in großen Größen: Plus Size nur eine Ausnahme?
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Die Plus Size-Bewegung ist längst im Mainstream angekommen, doch gleichzeitig gibt es immer noch große Widerstände. Hinter der Bewegung steht der Gedanke, dass insbesondere von Frauen nicht erwartet werden sollte, dass alle einem bestimmten Schönheitsideal folgen. Vielmehr sollten sowohl schlanke Mitmenschen als auch die Beauty- und Modeindustrie akzeptieren, dass alle Körper unterschiedlich sind.

So trägt in Deutschland jede zweite Frau Kleidungsgröße 42 oder größer. Die selbsternannte „Fa(t)shionista“ und politische Bildnerin Magda Albrecht hat ein gleichnamiges Buch zu diesem Thema herausgebracht. Im untenstehenden Videointerview zum Buch erklärt sie:

„Unsere Welt hat sechs Milliarden Menschen. Diese sechs Milliarden Menschen sind nicht alle schlank, die sind nicht alle groß, die sind nicht alle sportlich, sondern haben sehr unterschiedliche Lebensbedingungen. Schlanksein ist nicht normal und Dicksein ist nicht die Abweichung davon.“

Es sollte zum Beispiel möglich sein, dass Frauen und Männer sich unabhängig von ihrer Größe so anziehen können, wie sie wollen, ohne dafür „geshamed“ zu werden, also abfällige Blicke und Kommentare zu ernten. Sie sollen Make-Up-Produkte in ihrer Hautfarbe kaufen können und trendige Kleidung in ihrer Größe finden – und das sowohl in unterschiedlichen Preis- als auch Qualitätsklassen, wie es auch für Menschen mit Konfektionsgröße S oder M möglich ist.

Da sich in der öffentlichen Wahrnehmung schon einiges getan hat, gibt es inzwischen vor allem online viel Auswahl. Als Vorreiter in Deutschland gilt zum Beispiel ist das Modehaus Ulla Popken, das schon früh den Bedarf an modischer Kleidung in großen Größen erkannte. Heute findet man in dessen Onlineshop beispielsweise sexy Lingerie bis Größe 62/64 und BHs bis Größe 95 E sowie modische Kleider, Hosen und T-Shirts.

Neue Mode-Kollektionen in „Plus Size“

Neue Mode-Kollektionen in „Plus Size“
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Auch andere Geschäfte haben ihre Übergrößen-Abteilungen ausgebaut. Bei H&M und Co. findet man nun überwiegend im Onlineshop trendige Mode bis 4XL. Und auch prominente Frauen mit Kurven haben das Thema vorangetrieben – auf dem Laufsteg und der Bühne, in Shootings und durch eigene Fashion-Kollektionen. So entwarf Schauspielerin Melissa McCarthy genauso wie Sängerin Beth Ditto eine eigene Modelinie, während das Model Ashley Graham eine Bademoden-Kollektion entwickelte.

Andere Frauen sind ebenfalls unter die Unternehmerinnen gegangen und haben aus dem eigenen Bedürfnis nach stylischen Teilen in ihrer Größe heraus selbst einen Shop mit eigenen Designs eröffnet, wie die beiden Mode-Redakteurinnen Gabi Gregg und Nicolette Mason von Premme. Deren Webseite brach beim Launch sogar zusammen, so groß war der Ansturm auf die Modestücke. Auch daran zeigt sich der Bedarf an gutaussehender Plus Size-Mode.

Repräsentation in den Medien

Zwar werden Frauen und Männern, die Übergrößen tragen, medial noch immer eher selten positiv dargestellt, doch es gibt Ausnahmen. So hatte Beyoncé bei ihrem diesjährigen Auftritt auf dem Coachella-Festival bei einem ihrer Songs zwei Plus Size-Tänzerinnen in vorderster Reihe auf der Bühne – sehr zur Freude der digitalen Plus-Size-Community, die sich dadurch repräsentiert und positiv wahrgenommen fühlte, wie dieser englischsprachige Artikel im Magazin „Revelist“ zeigt.

Für die tägliche Fashion-Inspiration hält das Internet ebenfalls einiges bereit. Auf Instagram gibt es zum Beispiel Accounts, in denen die Looks von schlanken Berühmtheiten nachgestylt oder die Lieblingsoutfits des Tages präsentiert werden. Zumindest also gibt es für modeinteressierte übergewichtige Frauen inzwischen eine Menge Vorbilder, Inspiration und neue Möglichkeiten, sich so anzuziehen, wie es ihnen gefällt.