37 Jahre Bläck Fööss: CityNEWS im Interview mit der Kölner Kultband

CityNEWS-Redakteur Matthias Ehlert im Gespräch mit der Kölner Kult-Band Bläck Fööss / copyright: CityNEWS/ Tom Pe
CityNEWS-Redakteur Matthias Ehlert im Gespräch mit der Kölner Kult-Band Bläck Fööss
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CityNEWS-Redakteur Matthias Ehlert im Interview mit der kölschesten aller Kölsch-Bands, den “Bläck Fööss” über den Dalai Lama, Klüngel und 37 Jahre absolute Bühnenpräsenz.

CityNEWS: 37 Jahre Bläck Fööss, von Müdigkeit keine Spur, wo nehmt ihr immer noch die die Kraft für eine solche Bühnenpräsenz her?

Bläck Fööss: Kraft nimmt man aus der Freunde an dem, was man macht. Wir haben uns die Musik ja als Hobby ausgesucht und erst sehr viel später ist dies zu unserem Beruf geworden. Drei Monate im Jahr machen wir Urlaub und treten nicht mehr so stramm an wie vor Jahren.

CityNEWS: Was waren eure schönsten Bühnenerlebnisse bisher?

Bläck Fööss: Da gab es einige. Zum Beispiel der Empfang von Nelson Mandela, als er gerade aus der Haft entlassen worden ist. Wir sind damals aufgetreten und er ist spontan auf die Bühne gekommen, hat mit uns geredet und uns die Hände geschüttelt. Oder als wir den Dalai Lama in Bonn getroffen. Das waren unheimlich tolle Erlebnisse.

CityNEWS: Warum seid ihr so erfolgreich? Wo liegt das Geheimnis?

Bläck Fööss: Vielleicht weil wir so volksnah sind. Also früher haben die Leute zu uns gesagt: “Lück wie ich un du”, also Jungs von nebenan, die man auch einfach auf der Straße ansprechen kann. Das verbindet uns mit den Kölnern. Die Leute sind in dem Sinne mit uns alt geworden. Da sind teilweise Omas und Opas bei, deren Enkel heute noch vor uns stehen und unsere Lieder singen.

Da staunst du nicht schlecht, wenn du das siehst, aber letztendlich eine Antwort auf die Frage zu geben, das ist wahrscheinlich unmöglich. Das ist wie ein Mosaik. Tausend Gründe, die dazu geführt haben, dass wir heute immer noch spielen. Wir sind frisch und ehrgeizig geblieben und wollen tatsächlich immer wieder schöne und neue Lieder hervorbringen. Wir sind kölsche Originale sozusagen.

CityNEWS: Ihr seid bei euren Liedtexten immer sehr aktuell, sozialkritisch und nah am Geschehen. Welche Themen liegen euch denn besonders am Herzen?

Bläck Fööss: Wir bemühen uns Themen anzusprechen, welche unsere Stadt, die den Karneval und Themen die uns besonders am Herzen liegen betreffen. Zum Beispiel haben wir jetzt mal ein Lied über die Langzeitarbeitslosen gemacht, in einer ziemlich sarkastischen Form. Dann haben wir ein Lied über die Stadtentwicklung der Schääl Sick gemacht. Also wir bemühen uns schon die Nase im tagespolitischen Wind zu halten und dann solche Lieder zu gestalten. Es gibt natürlich Themen, in denen steckst du einfach aufgrund des Alters und gewisser Lebensumstände nicht mehr so drin wie früher, weil du das nicht mehr erlebst. Aber ansonsten liegen Themen genug auf der Straße, du musst die Augen offen halten, diese sehen und aufheben,.

CityNEWS: Was macht für euch Köln aus? Was gefällt auch an Köln nicht?

Bläck Fööss: Uns gefällt die Leichtigkeit. Man merkt direkt, dass die Kölner immer ein bisschen glücklicher sind als anderswo… Was negativ ist, beschreiben wir teilweise in unseren Songs: Der Klüngel, wenn er ausufert, die Stadtzerstörung oder soziale Schräglagen.

CityNEWS: In den letzten Jahren wird die Nachwuchsarbeit des Kölner Karnevals immer mehr kritisiert, wie seht ihr das?

Bläck Fööss: Es gibt Bemühungen, das ist immer positiv und war lange nicht so. Wenn du von Jetzt auf Gleich was verändern willst, dann machst du automatisch Fehler. Hier muss man ein bisschen geduldig sein. Wir machen selber seit acht Jahren Nachwuchsarbeit. Wir gehen in die Schulen und versuchen den Spaß an der kölschen Mundart zu erhalten. Das gelingt auch sensationell gut, aber man kann grundsätzlich keine Karnevalsgruppe heranzüchten.

Keiner der heutigen etablierten Gruppen ist über diese Nachwuchsarbeit gekommen! Die sind alle selbstständig, wie wir auch, nur durch Zufall entstanden. Man kann das nicht lernen, entweder hat man für gewisse Dinge ein Talent oder nicht. Wenn das Festkomitee jetzt hingehen würde und 3 1/2 Jahre jemanden zum Büttenredner ausbilden würde wäre das Quatsch. Erfreulich ist natürlich, dass sich auch musikalisch langsam etwas ändert. Früher klang jede Nachwuchsgruppe entweder wie die Höhner oder wie Bläck Fööss, in Anführungsstrichen ein Aufguss der Vorbilder.

CityNEWS: Was erwartet denn die Besucher auf eurem Silvester-Konzert in der LANXESS arena?

Bläck Fööss: Wir werden wie immer ein schönes buntes Programm machen, mit einer Mischung aus wunderschönen Oldies und neuen Liedern. Natürlich ist auch unserer Freund Linus wieder mit dabei. Es ist ja so, dass diese Sylvester-Party auch immer etwas sentimentales an sich. Und da versuchen wir die Balance herzustellen zwischen Party-Songs und Liedern, die unter die Haut gehen. Die Sylvester-Veranstaltung hat Party-Charakter von vorneherein, wir wollen aber nicht besinnungslos feiern. Da sind schon leise Töne dabei und komischerweise kann man das in der Arena super machen.

CityNEWS: Was habt ihr noch für Wünsche und Träume für die Band?

Bläck Fööss: Das Wichtigste ist, dass der Verein gesund bleibt und dass wir solange, wie möglich noch auf der Bühne stehen können, ohne dass es peinlich wird. Und dass unsere Fans noch sehr lange zu uns halten.