Madonna in Köln – Fit wie ein Turnschuh, nicht ganz jugendfrei aber Oho!

Neben herabfahrenden Käfigen und Wendeltreppen, aufsteigenden Podesten, allerlei Kreuzen, kalkulierten Provokationen und der wohl besten Choreografie seit der 'Blonde Ambition'-Tour vor 25 Jahren begeistert Madonna ihre Zuschauer auf der aktuellen Tour mit fröhlichem Auftreten und jeder Menge Interaktion.  / copyright: Kevin Mazur / Getty Images / MLK
Neben herabfahrenden Käfigen und Wendeltreppen, aufsteigenden Podesten, allerlei Kreuzen, kalkulierten Provokationen und der wohl besten Choreografie seit der ‘Blonde Ambition’-Tour vor 25 Jahren begeistert Madonna ihre Zuschauer auf der aktuellen Tour mit fröhlichem Auftreten und jeder Menge Interaktion.
copyright: Kevin Mazur / Getty Images / MLK

Die Queen of Pop gastiert in Köln und feierte in der Lanxess arena ihren Europa-Tournee-Auftakt. Die “Rebel Heart”-Tour bietet ein Feuerwerk für Augen und Ohren – dabei ist Madonna fast schon gewohnt provokant, absolut fit und selbstverständlich ein Profi in dem was sie tut. CityNEWS machte sich einen Eindruck vor Ort!

Zahlreiche Besucher strömten in die – in Köln als Henkelmännchen bekannte – Lanxess arena. Für den Start ihrer Europa-Tour hatte sich Madonna Deutschlands größte und bestbesuchte Multifunktionsarena ausgesucht. Ein bunt gemischtes Publikum, von alt bis jung, hetero bis gay, Hipster und Partymäusen, neben älteren Semestern versammelten sich im Oval der Location. In der Mitte ein langer Steg, der auf der einen Seite bei einem Herz endete und auf der anderen Seite ein riesiger Madonna-Vorhang. In der Mitte deutete sich ein überdimensioniertes Kreuz an. Die Szenerie wurde in ein verruchtes, rotes Licht getaucht. Ein DJ sorgte mit wummernden Bässen und verschiedenen House-Mixen (die eher an einen schlechten Swinger-Club erinnerten) für Stimmung unter den wartenden Konzertbesuchern. Viele waren bereits seit 18 Uhr in der Halle, einige übernachteten gar vor den Einlässen um ihren Idol so nah wie möglich zu kommen. Doch die Queen of Pop ließ ihre Jünger warten … Die Fans, welche bis zu 195 Euro Eintritt zahlten, untermalten die DJ-Musik immer wieder mit Pfiffen, lautstarken Rufen und rhythmischen Klatschen. Dann um 22.20 Uhr sollte die Show beginnen!

Keine Zeit zum Anschnallen und von 0 auf 100 in Bruchteilen von Sekunden

Plötzlich fiel der Vorhang, die Halle verdunkelte sich und es erschienen zahlreiche Tänzer mit an Stäben angebrachten Kreuzen auf der Showbühne. Im Hintergrund auf einer überdimensionierten LED-Wand liefen Videos von Madonna. Die Tänzer marschierten im Gleichschritt über den Steg und reckten die Kreuze empor und dann – man kann es kaum besser ausdrücken – erschien sie. Schwebend in einem Käfig glitt sie auf die Bühne, wurde aus dem Gitterstab-Konstrukt befreit und wie der Messias von den mittlerweile tobenden Zuschauermassen gefeiert. Direkt zu Beginn macht Madonna (im knappen schwarzen Spitzen-Outfit) klar, wer hier das Sagen für den Abend/ Nacht hat: “Bitch, I´m Madonna” tönt es aus den riesigen Boxentürmen die über den Zuschauern schweben. Zackig, perfekt inszeniert und mit einer kraftvollen und sehr guten Stimme (zu gut für reinen Live-Gesang?) eröffnet die 57-Jährige den Abend. Das Alter sieht man ihr absolut nicht an und auch die Choreografie im Einklang mit den Tänzern lässt nicht erahnen, dass hier eine mancherorts bereits als Oma bezeichnete Frau quietschfidel auf der Bühne performt. Jeder Schritt, jede noch so kleine Bewegung wirkt minutiös einstudiert und in Perfektion wiedergegeben. Fast zu perfekt. Selbst auf den beiden Videoleinwänden links und rechts der Hauptbühne sieht man in der Großaufnahme von Madonnas Gesicht nicht die Spur von Anstrengung. Die LED-Wand im Hintergrund ist auf einmal verschwunden und hat sich durch Neigen in eine Bühne verwandelt, eine Band inklusive Background-Sängern steht parat, immer mehr Tänzer – mittlerweile 15 – erscheinen aus Vertiefungen im Boden und spätestens jetzt hat auch der Letzte begriffen: Das wird hier heute eine richtig fette Party!

Die Sache mit der Kirche …

Das Madonna Louise Ciccone (so ihr bürgerlicher Name) ein – sagen wir mal – etwas schwieriges Verhältnis zur Kirche hat, dürfte auch den Nicht-Hardcore-Madonna-Fan bekannt sein. Erinnern wir uns an das Musikvideo zu “Like a prayer” aus dem Jahr 1989, dieses gehört zu den größten Skandalen ihrer Karriere. In dem Video von Mary Lambert beobachtet Madonna, wie eine junge Frau getötet wird und ein zur Hilfe eilender Afroamerikaner fälschlicherweise von der Polizei für den Täter gehalten wird. Sie flieht vor den wahren Tätern in eine Kirche, zeigt in einem Traum Stigmata an ihren Händen, küsst einen schwarzen Heiligen und befreit den Afroamerikaner durch ihre Zeugenaussage aus dem Gefängnis. Im Video tanzt sie dabei auf einem Feld brennender Kreuze. Während in den USA die brennenden Kreuze zur Absetzung und dem Boykott des Videos führten, zeigten sich europäische Länder “schockiert” wegen der „blasphemischen Szenen“. Als Folge setzte der Hauptsponsor Pepsi den angelaufenen Werbespot mit Madonna ab und kündigte seine Mitwirkung als Sponsor ihrer geplanten Welttournee (die 5-Millionen-US-Dollar-Gage durfte Madonna behalten). Das Video wurde auch in Deutschland auf MTV nur nachts ausgestrahlt. Single wie Album gerieten, auch wegen dieser eher unfreiwilligen Werbung durch die Verdammung durch Elternverbände und Kirchenvertreter, zu einem ihrer größten Erfolge.

Hier wollte Madonna nun wohl auch bei ihrer “Rebell Heart”-Tour anknüpfen. So sind Nonnen in Strapsen und an Poledance-Stangen tanzend zu begutachten. Und auch das “Letzte Abendmahl” bekommt bei der Queen of Pop seine ganz eigene, nicht unbedingt jugendfreie und für den Klerus wohl nicht ganz so richtige Interpretation. Dieses endet fast in einer Massen-Orgie mit einem dunkelhäutigen Jesus und Bondage-Szenen wie in “Fifty Shades of Grey”.

Ein Superlativ an Entertainment

Die Show sprüht vor Vielfalt: Neben spektakulären asiatisch angehauchten Martial Arts-Szenen wie aus den besten Kung-Fu-Filmen, einer Autowerkstatt mitten auf der Bühne, ruhigen Momenten auf einer vom Hallendach abgeseilten Wendeltreppe bis zum rockigen E-Gitarren-Solo von Madonna hoch oben in der Mitte des Stegs. Der Pop-Star heizte den Fans so richtig ein … Geboten wird einiges, um das Publikum zu begeistern. Ständig passiert an irgendeiner Ecke auf der Bühne etwas. Rund 40 Lastwagen kamen bereits vor zwei Tagen in Köln an um die aufwendigen Bühneninstallationen und Showelemente aufzubauen. In den Songpausen und Übergängen wechselte Madonna insgesamt acht Mal ihr Outfit. Man ließ sich nicht lumpen und das sieht, hört und erlebt man auch. Bei den Eintrittspreisen auch eigentlich zu erwarten.

Das Publikum wurde etwa 145 Minuten lang mit einem Mix aus aktuellen Songs und den größten Hits bestens unterhalten. Für jeden Geschmack wurde etwas geboten: Ob fast schon nostalgisch mit “Like a Virgin”, “Holiday”, “Frozen”, “Who´s that girl”, “Material Girl” oder “La Isla Bonita” oder die ganz aktuellen (und nicht so bekannten) Tracks aus dem Album “Rebel Heart“.

Alles in allem ein wahrlicher Superlativ an Entertainment wurde den Zuschauern geliefert, welche ihre Party des Jahres feierten!

Nach einem zweiten Konzert in der Kölner Lanxess arena geht es für Madonna übrigens weiter nach Prag, Berlin, und Stockholm. In Deutschland wird sie außerdem auch noch in der Mannheimer SAP Arena am 29. November zu sehen sein. Die Tour zum aktuellen Album “Rebel Heart” startete im September 2015 im kanadischen Montreal und endet im März 2016 im australischen Brisbane. In diesen sieben Monaten spielt Madonna insgesamt 76 Konzerte, 25 davon allein in Europa. Und das in dem Alter!

Weitere Informationen zum Vorverkauf und der Tour gibt es unter: www.madonna.com und www.livenation.com

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