Streaming: Zwischen „Boobs“ und „Kills“ – Sexismus auf Twitch trauriger Alltag

Streaming: Zwischen "Boobs" und "Kills" - Sexismus auf Twitch trauriger Alltag - copyright: pixabay.com / CityNEWS
Streaming: Zwischen „Boobs“ und „Kills“ – Sexismus auf Twitch trauriger Alltag
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Auf der Streaming-Plattform Twitch macht es offenbar einen großen Unterschied, ob Mann oder Frau Gaming-Künste präsentiert. Das hat eine Analyse von Forschern der Indiana University ergeben. Denn während User im Chat mit männlichen Streamern meist über Spielrelevantes sprechen, müssen sich streamende Gamerinnen allzu oft Kommentare über ihre weibliche Anatomie anhören.

„Kills“ und „Möpse“ sind bei Twitch nicht selten

„Punkte“, „Kills“ und störende – oder auch hilfreiche – „Glitches“, darüber reden Gamer, wenn sie sich mit einem Videospiel beschäftigen. Es ist also nicht überraschend, dass eben diese Begriffe der Studie zufolge häufig in Twitch-Chats fallen. Immerhin geht es in den Streams auf dieser Plattform stets um Games. Allein, eben diese Begriffe fallen vor allem dann häufig, wenn der Host eines Streams männlich ist; nur dann scheint es Sehern wirklich um den Inhalt zu gehen.

Bei Streams weiblicher Gamer zeigt sich ein völlig anderes Bild. Da reden Zuseher dann häufig über Brüste, besonders gern unter Verwendung des Begriffs „boobs“ (Möpse). Auch Worte wie „heiß“ oder „Babe“ fallen dann viel eher, berichtet „Motherboard“. Bei den bekanntesten weiblichen Streamern ist das Problem am ausgeprägtesten. „Seher der Streams von Frauen nutzen eher objektifizierende Begriffe“, so Giovanni Ciampaglia, Informatiker an der Indiana University. Aus seiner Sicht wird Twitch also durchaus jenem ziemlich schlechten Ruf gerecht, den es diversen Anekdoten über Sexismus auf der Plattform verdankt.

Zahlreiche offene Fragen bleiben

Auf der Streaming-Plattform Twitch macht es offenbar einen großen Unterschied, ob Mann oder Frau Gaming-Künste präsentiert. - copyright: pixabay.com
Auf der Streaming-Plattform Twitch macht es offenbar einen großen Unterschied, ob Mann oder Frau Gaming-Künste präsentiert.
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Die Forscher betonen, dass sie nicht untersucht haben, ob womöglich manche weibliche Twitch-Streamer selbst gezielt diese Art der Konversation fördern, um ihren Kanal bekannter und beliebter zu machen. Zudem stammen die genutzten Daten, über 71 Millionen Chat-Nachrichten aus je 200 Twitch-Kanälen männlicher und weiblicher Hosts, aus dem Jahr 2014. Theoretisch könnte es also sein, dass sich die Chat-Kultur auf Twitch mittlerweile gebessert hat.

Wirklich wahrscheinlich ist das freilich nicht, wie Redakteure verschiedener Gaming-Medien auch im deutschen Sprachraum festhalten. Für sie scheint es teilweise so selbstverständlich, dass es im Kanal-Chat weiblicher Gamer eher um deren Körper als um Spiel-Inhalte geht, dass beispielsweise „Kotaku“ die Untersuchung explizit als „No Shit“-Studie bezeichnet.

Zur Studie „Gendered Conversation in a Social Game-Streaming Platform“: https://arxiv.org/pdf/1611.06459.pdf