Frauen-Power im Kölner Dom: Domschweizerinnen nehmen Dienst auf

Frauen-Power im Kölner Dom: Vier Domschweizerinnen nehmen Dienst auf copyright: Hohe Domkirche Köln, Dombauhütte; Foto: P. Modanese
Frauen-Power im Kölner Dom: Vier Domschweizerinnen nehmen Dienst auf
copyright: Hohe Domkirche Köln, Dombauhütte; Foto: P. Modanese

Es ist schon eine mittlere Sensation: die ersten Domschweizerinnen nehmen ihren Dienst im Kölner Dom auf. Vorgestellt wurde das Quartett von Kölns Dompropst Gerd Bachner. Insgesamt vier Frauen verstärken zukünftig das Team der Aufsichtspersonen. Gerd Bachner dazu auf der Pressekonferenz: “Die Formulierung ‚Heute ist ein historischer Tag‘ sollte man nicht leichtfertig gebrauchen – aber auf den heutigen Tag trifft sie wirklich zu.” Claudia Drolshagen, Andrea Petzenhauser, Hedi Michels und Susanne Rückes sind die ersten Frauen in diesem Amt. Mehrere Jahrhunderte durften nur Männer das Amt ausüben.

“Wir möchten, dass der Dom als ein Ort des Willkommens und der Zuwendung wahrgenommen wird”, erläuterte Bachner. Und fügte hinzu: “Die Domschweizer bereiten dafür das Entrée. Sie gelten als Visitenkarten und zentrale Wegweiser in unserer Kathedrale. Dass in diesem Amt nun auch Frauen im Einsatz sind, bereichert und erfrischt unsere Kirche ungemein.” Dass die vier Frauen ihren Dienst mit großem Enthusiasmus und einem feinen Gespür für Menschen ausüben würden, davon sei er überzeugt. “Alle vier bringen wertvolle Lebenserfahrung und viel Persönlichkeit mit”, so der Propst. “Für ihren Arbeitsbeginn als Domschweizerinnen wünsche ich Ihnen Gottes reichen Segen, viele erfüllende Momente und eine ordentliche Portion Gelassenheit.”

Herzliche Aufnahme im Team der Kölner Domschweizer

Die vier Frauen wurden sehr herzlich im Team der Kölner Domschweizer aufgenommen.
copyright: Hohe Domkirche Köln, Dombauhütte; Foto: P. Modanese

Claudia Drolshagen (55) und Andrea Petzenhauser (35) sind offiziell bereits seit dem 15. April 2019 als Domschweizerinnen angestellt. Die examinierte Altenpflegerin Claudia Drolshagen war in den letzten 25 Jahren als kaufmännische Angestellte im Ingenieurbüro ihres Mannes beschäftigt. Den neuen Posten bekleidet sie nun rund 70 Stunden im Monat. Über ihren Einsatz sagt sie: “Der Dom hat mich schon als Kind fasziniert. Über all die Jahre ist er für mich Fixpunkt und Ruheoase geblieben. Wenn vor Konzerten auf dem Roncalliplatz die Glocken läuteten, war das für mich immer ein Gänsehautmoment. Ich freue mich, dass es mir meine neue Aufgabe ermöglicht, Teil der Kathedrale zu sein und Menschen aus aller Welt darin zu begrüßen.” Besonders erfreut war sie über die Aufnahme im Team: “Das war und ist sehr herzlich. Wir Neuen werden da sehr liebevoll an die Hand genommen.”

Die aus Vilshofen an der Donau stammende Andrea Petzenhauser ist als Wirtschaftsjuristin und Übersetzerin tätig. “Das Wahrzeichen Kölns ist für mich das Symbol meiner neuen Heimat”, sagt sie. “Er grüßt mich schon von Weitem, wenn ich nach einem Besuch in Bayern nach Köln zurückkomme. Im Innenraum wiederum sind die Bayern-Fenster ein ganz besonderer Ort für mich, weil sie eine Brücke zu meiner Heimat schlagen.” Außerdem steige sie gerne auf den Südturm, wenn sie sich nicht wohlfühle. Der Perspektiv-Wechsel täte ihr gut: “Die Aussicht überrascht mich jedes Mal aufs Neue genau wie die Kirche selbst und ihre unglaubliche Größe – im tatsächlichen, wie auch übertragenen Sinn. Da sieht manches Problem gleich viel kleiner aus.” Der Aufgabe als Domschweizerin geht sie im Rahmen einer geringfügigen Beschäftigung nach. Und diese Aufgabe erfülle sie mit Stolz: “Vor allem ist es mir eine Ehre, als eine der ersten Frauen Teil dieser alten Tradition zu sein.”

Die Arbeit im Kölner Dom ist Erfüllung eines Kindheitstraumes

Vorgestellt wurde das Quartett von Kölns Dompropst Gerd Bachner. copyright: Hohe Domkirche Köln, Dombauhütte; Foto: J. Rumbach
Vorgestellt wurde das Quartett von Kölns Dompropst Gerd Bachner.
copyright: Hohe Domkirche Köln, Dombauhütte; Foto: J. Rumbach

Hedi Michels versieht ihren Dienst als Domschweizerin seit dem 01. Mai 2019 an rund 24 Stunden im Monat. Dafür reduzierte sie sogar ihre Beschäftigung als Krankenschwester am Vinzenz-Pallotti-Hospital in Bergisch-Gladbach. Sie möchte den Besuchern mit offenen Augen und Ohren begegnen: “Durch den täglichen Umgang mit Patientinnen und Patienten bin ich es gewöhnt, sensibel und hellhörig für Anliegen und Bedürfnisse zu sein. Für mich geht ein Kindheitstraum in Erfüllung”, so Michels. “Im Kirchengebäude spüre ich, dass ich in meinem Glauben angekommen bin. Vielleicht gelingt es mir, etwas von dieser Begeisterung weiterzutragen.”

Zum 1. Juni 2019 stößt Susanne Rückes zum Team dazu. Bisher war sie als Teilzeitkraft im Sekretariat des Caritasverbandes der Stadt Köln tätig. “Ich möchte mich beruflich verändern – weg vom Schreibtisch, hin zu direkten menschlichen Kontakten”, erläutert sie. “Der Dom bedeutet für mich Heimat. Wenn ich mit eigenen Besuchern in der Kirche unterwegs bin, erfreue ich mich immer an deren Begeisterung für dieses Bauwerk. Ich freue mich schon sehr, Besucher aus aller Welt begrüßen zu dürfen und für ihre Fragen und Anliegen zur Verfügung zu stehen.”

29 Domschweizer sorgen in Kölns Wahrzeichen für Sicherheit, Ruhe und Ordnung

29 Aufsichtspersonen sorgen in Kölns Wahrzeichen für Sicherheit, Ruhe und Ordnung copyright: CityNEWS / Alex Weis
29 Aufsichtspersonen sorgen in Kölns Wahrzeichen für Sicherheit, Ruhe und Ordnung
copyright: CityNEWS / Alex Weis

Die neuen Aufsichtskräfte werden von Schichtführern wie z. B. Marco Felgenheuer eingearbeitet. Dazu der 27-jährige: “Wir freuen uns sehr über die weibliche Verstärkung unseres Teams. Nachdem wir sie in die verschiedenen Aufgaben eingewiesen haben, werden die Kolleginnen vollständig in unseren Laufplan integriert. Ihr Dienst unterscheidet sich also in keiner Weise vom Dienst ihrer männlichen Kollegen.” Dies betrifft auch die Dienstkleidung, die der Kleidung der zukünftigen Kollegen entspricht.

Damit gibt es ab 01. Juni 2019 29 Mitglieder (26 Männer und jetzt vier Frauen) im Team der Aufsichtskräfte des Kölner Wahrzeichens. Sie sorgen für Ordnung und Ruhe im Bauwerk und sind Ansprechpartner für die zahlreichen Besucher. Außerdem öffnen und schließen sie die Kathedrale, entsorgen abgebrannte Kerzen, füllen die Schriften-Stände auf und läuten zudem die Glocken.

Domschweizer gibt es aktuell neben denen der Kölner Kathedrale zum Beispiel auch in den großen Kirchen in Trier, Bamberg, Mainz und Salzburg. Der Name leitet sich von Soldaten der ehemaligen Alpenrepublik ab, die sich im 17. und 18. Jahrhundert im Ausland als Soldaten oder Wachpersonal Geld verdienten. Der Begriff hat sich in Kirchen bis heute erhalten.