CityNEWS im Interview mit Giannis Giannitsis (bvm GmbH)

CityNEWS im Interview mit Giannis Giannitsis (bvm GmbH) - copyright: pixabay.com
CityNEWS im Interview mit Giannis Giannitsis (bvm GmbH) – copyright: pixabay.com

Giannis Giannitsis ist Geschäftsführer der bvm GmbH, einer Unternehmensberatungsgesellschaft, die sich auf die Beratung von kleinen und mittelständischen Unternehmen spezialisiert hat. Die klassische Zielgruppe dieser Unternehmensberatung hat Ihren Schwerpunkt bei Unternehmen zwischen 10 und 100 Mitarbeitern.

CityNEWS: Herr Giannitsis, das aktuelle Mittelstandsbarometer der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young ist veröffentlicht. Wo sehen Sie Parallelen und wo Abweichungen in den getroffenen Aussagen in Bezug auf Ihre spezielle Zielgruppe?

Giannis Giannitsis (bvm GmbH): Tatsächlich umfasst der Mittelstandsbegriff, der dieser – meiner Meinung nach sehr aussagefähigen Befragung – zugrunde liegt, eine erheblich größere Spannbreite, als unsere Zielgruppe ausmacht. Der Fokus der bvm GmbH liegt eher bei Unternehmen bis zu 100 bis 150 Mitarbeitern. Unsere Kontaktabteilung telefoniert täglich mit  hunderten von Unternehmen und befragt diese. Etwa 1.500 Unternehmen werden von unserem Außendienst besucht, wo die Befragungen schon erheblich spezifischer werden. In unsere Analyseabteilung kommen im Jahr dann etwa 600 Unternehmen, die dann sozusagen auf Herz und Nieren geprüft werden. Auf Basis dieser Erkenntnisse stellen wir starke Übereinstimmungen im Rückgang der Zufriedenheit mit den Geschäftserfolgen fest, die allerdings auch bei unserer Klientel nicht mit einem Rückgang der Umsatz- und Gewinnerwartungen gleichgesetzt wird. D.h. auch unsere Zielgruppe geht von stabilen Umsatz- und Ergebniszahlen aus. Gleichzeitig  können wir übereinstimmend einen Rückgang bezüglich der Investitionsbereitschaft feststellen.

Giannis Giannitsis: “Sehr gute Leute orientieren sich sehr stark nach Entwicklungsmöglichkeiten im Unternehmen”

CityNEWS: Gibt es weitere Übereinstimmungen mit der Studie?

Giannis Giannitsis: Ja, in den Punkten Fachkräftemangel und Unternehmensfinanzierung sehen wir ebenfalls starke Übereinstimmungen. Der Punkt Fachkräftemangel schlägt bei unserer Zielgruppe extrem stark durch. Sehr gute Leute orientieren sich sehr stark nach Entwicklungsmöglichkeiten im Unternehmen und diese sind, je kleiner ein Betrieb ist, begrenzt. Was die Unternehmensfinanzierung anbelangt, stellen wir bei unserer Zielgruppe eine extreme Unwissenheit bezüglich der Kreditvergabe-Mechanismen der Banken sowie des Themas Basel III. Ein weiterer Punkt, der unsere spezielle Klientel beunruhigt, ist die Dynamik des Marktes.  Die Geschwindigkeit der Informationsübertragung, die Dynamik der Distributionsstrukturen, die größere Transparenz der Preise und die rasante Geschwindigkeit bei Produktinnovationen sind Punkte, bei denen unsere Klientel noch stark aufholen muss.

CityNEWS: Auch die Konjunktur-Risiken, die als Bedrohung für den Mittelstand gesehen werden, sind in dieser Studie bewertet worden. Was sagen Ihre Klienten dazu?

Giannis Giannitsis: Hauptsächlich drei Bereiche werden als Hauptbedrohung angesehen: Die hohen Rohstoffpreise drücken auf die Kalkulation und damit auf das Ergebnis. Zweitens wird das geringere Wirtschaftswachstum in Europa und damit die geringere Nachfrage bei den Zulieferern als Bedrohung angesehen und drittens machen sich viele unserer Klienten bezüglich der immer restriktiveren Kreditvergabe sorgen.

CityNEWS: Mit welchen Maßnahmen will sich Ihre Klientel gegen Konjunktur-Risiken schützen?

Giannis Giannitsis: Unseren Kunden schweben meistens Maßnahmen im Bereich der Kosteneinsparungen und der Effizienzsteigerungen vor. Gepaart mit Maßnahmen im Liquiditäts- und Risikomanagement sehen sie sich ausreichend aufgestellt. Ein weiterer Punkt, der verstärkt angegangen wird, ist der Bereich der Personalqualifizierung, was allerdings bei dem aktuellen Fachkräftemangel nicht verwundert. Die wenigsten machen sich Gedanken in Richtung Wachstum und Marketingentwicklung, was allerdings aktuell meiner Meinung nach der größere Hebel wäre.