Alle Infos zum Kölner Karneval für Insider, Imis und Anfänger

Alle Infos zum Karneval in Köln für Insider, Imis und Anfänger copyright: KölnTourismus GmbH
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Dieser Artikel wurde am 20.02.2019 aktualisiert: Jedes Jahr strömen Millionen Besucher zum Karneval nach Köln. Um als Nicht-Kölner am Fest des jecken Frohsinns teilzunehmen, braucht es nicht unbedingt eine “Karnevals-Anleitung”. Doch es ist sicherlich hilfreich, einige Spielregeln und Gebräuche zu kennen. Deswegen haben wir hier bei CityNEWS alle Infos zum Kölner Karneval für Insider, Imis und Anfänger!

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Die Highlights an den tollen Tagen

Die Highlights an den tollen Tagen copyright: CityNEWS / Thomas Pera
Die Highlights an den tollen Tagen
copyright: CityNEWS / Thomas Pera

Ab Weiberfastnacht herrscht in Köln der Ausnahmezustand und die Jecken übernehmen das Regiment der Domstadt. Hier geben wir Ihnen einen Überblick was wann und wo ansteht!

Weiberfastnacht

An Weiberfastnacht (Wieverfastelovend) führen offiziell die Frauen das Regiment. Am Donnerstag vor Rosenmontag, dem ersten der sechs Straßenkarnevalstage, ist der Karneval in seiner ursprünglichen Form zu erleben. Frühmorgens füllen sich die Straßen mit kostümierten Jecken, die ins Büro, an die Arbeitsstelle oder ins Geschäft gehen und ab 10 Uhr in Scharen zum Alter Markt ziehen. Um 11:11 Uhr wird dort der Straßenkarneval durch die Oberbürgermeisterin und das Kölner Dreigestirn – bestehend aus den traditionellen Figuren Prinz, Bauer und Jungfrau – eröffnet. Es gilt, früh genug da zu sein, sonst kommt man nicht nahe genug an die Bühne heran, auf der Mundartgruppen, kölsche Stars und verschiedene Redner ihr Programm zum Besten geben.

Jan und Griet

Jedes Jahr an Weiberfastnacht veranstaltet der Reiter-Korps “Jan von Werth” ein Historienspiel am Severinstor (Chlodwigplatz) mit anschließendem Zug durch die Kölner Südstadt. Erzählt wird die Legende um Jan un Griet. Jan war ein einfacher Knecht, der sich in Griet, eine ebenso einfache Magd verliebt und sie heiraten möchte. Ihr aber ist Jan nicht gut genug. Jan ist so enttäuscht, dass er den Bauernhof verlässt und in den Krieg zieht.

Als hoch dekorierter General kehrt er 1637 hoch zu Ross nach Köln zurück. Als er durch die Severinstorburg einzieht, trifft er auf Griet, die dort Äpfel und Kastanien verkauft. Sie erkennt ihn nicht, aber er hält ein und sagt zu ihr den berühmten Satz (in hochdeutscher Übersetzung): “Griet, wenn du es doch getan hättest!” Sie antwortet: “Wenn ich es gewusst hätte!” Die Legende gehört zu Köln wie der Dom, das Kölsch und der Rhein und so ist es immer wieder ein Erlebnis, die Straßenumzüge mit dem traditionellen Spiel um Jan un Griet zu eröffnen.

Der Karnevalsfreitag

Dieser Tag gilt eigentlich als ‚Ruhetag‘. Trotzdem trifft man hier und da noch Überlebende der Weiberfastnacht und abends finden zahlreiche Sitzungen und Bälle statt. In der Kölner Altstadt findet zudem ein besonderes Event statt: Der Sternmarsch.

Um den vielen Jecken der Veedelsvereine und Stammtische für ihr ehrenamtliches Engagement zu danken wird auf dem Alter Markt in der Altstadt an Karnevalsfreitag eine große Open-Air-Party gefeiert. Vom Eisenmarkt, Heumarkt, Laurenzplatz und dem Bollwerk aus ziehen über 1.500 Jecke aus rund 45 Stammtischen und Karnevalsgruppen in ihren Kostümen der letzten Session (die neuen werden natürlich erst am Sonntag präsentiert) mit Musik und Gesang sternförmig zum Alter Markt.

Traditionell wird das Fest gegen 18 Uhr mit dem Aufzug des Kölner Dreigestirns und Kinderdreigestirns eröffnet und das Tanzpaar der Session ausgezeichnet. Im Anschluss beginnt ein buntes Bühnenprogramm für die ganze Familie und mit vielen bekannten Karnevalskünstlern, zu dem die Jecken sich warmschunkeln und tanzen.

Karnevalssamstags: Zwischen Funken und Geistern

Nach einem kölschen Frühschoppen geht es zum Funkenbiwak auf den Neumarkt. Jedes Jahr schlagen die Roten Funken hier, wo 1823 der erste Kölner Rosenmontagszug stattfand, ihr Zeltlager (Biwak) auf. Zu Ähzezupp (Erbsensuppe) und Kölsch wird ein tolles Bühnenprogramm geboten. Die Musikzüge der anderen Korpsgesellschaften marschieren auf, das Kölner Dreigestirn kommt zu Besuch, bevor “et beste kölsche Leed” ausgezeichnet wird. Traditioneller Höhepunkt ist der Stippeföttche-Tanz der Roten Funken. An dem Nachmittag ist die Stadt wieder von Jecken überschwemmt.

Geisterzug

Abends findet der Geisterzug statt. 1992 zu Zeiten des Golfkrieges als Anti-Karnevalszug ins Leben gerufen, ist er seitdem Treffpunkt von großen und kleinen Geistern, Teufeln, Monstern und anderen Gruselgestalten, die zu Paukenschlägen, Trillerpfeifen und Samba-Rhythmen durch einen dunklen Stadtteil ziehen. Im Geisterzug darf jeder mitgehen, auch wenn nicht politische Demonstration, sondern einfach Spaß an der Freud’ sein Motiv ist. Spontanität ist gewollt, denn der Geisterzug ist wohl der einzige Zug, in dem Mitgehende ausdrücklich erwünscht, Zuschauer nur geduldet werden. Auch gibt es hier weder Strüßjer noch Kamelle, höchstens mal ein Bützje. Autos sind verboten und Musik wird ausschließlich von Zugteilnehmern gemacht.

Karnevalssonntag ganz im Zeichen der Veedel

Am Karnevalssonntag kommt der “kleinere” Vorbote des großen Highlights am Rosenmontag. Ab 11:11 Uhr ziehen jedes Jahr die Schull- un Veedelszöch (Schul- und Stadtteil-Zug) durch die Kölner Innenstadt. Unter der Schirmherrschaft der Freunde und Förderer des Kölnischen Brauchtums sind sie ein fester Bestandteil des Kölner Karnevals. Mit über 8.000 aktiven Teilnehmern ziehen sie auf dem Zugweg des Rosenmontagszuges durch die Stadt – und mehr als 250.000 Jecke am Straßenrand sind jedes Jahr dabei.

Das Markenzeichen der Schull- un Veedelszöch sind die ausgefallenen, bunten, selbstgemachten Kostüme der Gruppen und die oftmals (gesellschafts-)kritischen Themen und Gruppenmottos. Zahlreiche Musikgruppen sorgen zusätzlich für gute Stimmung. Längst finden sich neben Veedelsvereinen und Schulle auch Stammtische, Sportvereine und große Familien in diesem bunten durch viel Einfallsreichtum und Witz geprägten Umzug. Ein besonders schöner Brauch: Die durch eine Jury ermittelten besten Gruppen der Veedelszöch dürfen am Tag darauf beim Rosenmontagszug mitgehen.

Rosenmontag heißt es: “D’r Zoch kütt!”

Über eine Million Menschen drängen sich zum Kölner Rosenmontagszug in die Stadt, um den bunten Zug zu erleben. Das jährlich wechselnde Sessionsmotto zieht sich durch den gesamten Zug hindurch und ist immer wieder zu erkennen. Populäre und aktuelle Themen aus Politik, Sport, Wirtschaft aber auch Gesellschaft und Stadtleben werden anhand der Persiflagewagen parodiert.

Fest- und Prunkwagen repräsentieren den Stolz und Prunk des Karnevals und seiner zugehörigen Gesellschaften. Die Gesellschaften mit ihren bunt kostümierten Mitgliedern und Tanzgruppen, die Traditionskorps in ihren Uniformen mit den Kutschen und Prunkwagen, die stattlichen Reiterkorps, die vielen Kapellen und Spielmannszüge aus Deutschland und den Nachbarländern ziehen 3,5 Stunden an den Zuschauern vorbei und feiern sich und ihre Rheinmetropole. Das Kölner Dreigestirn – Prinz, Bauer und Jungfrau – zeigt sich zum letzten Mal in der Session seinem närrischen Volk. Wenn der Schrei tönt “Dr Prinz kütt”, ist der Schluss- und Höhepunkt des Zuges erreicht.

Eröffnet wird der Kölner Rosenmontagszug traditionell von den Blauen Funken (Kölner Funken-Artillerie von 1870 e.V. blau-weiß), die stolz verkünden: Mer han de Spetz (“Wir haben die Spitze”). Die letzten beiden Gruppen bilden immer die Ehren-Garde der Stadt Köln 1902 e.V., die vor dem Prunkwagen von Bauer und Jungfrau reitet, und die Prinzen-Garde Köln 1906 e.V., die den Prinzen begleitet.

Beste Sicht auf das bunte Treiben

Beim Platzeinnehmen am Zugrand ist die Reihenfolge des Eintreffens maßgebend. Durch Vordrängeln macht man sich nur unbeliebt. Die vorderste Reihe gehört natürlich den Kindern die lauthals die Zugteilnehmer mit “Kamelle”-Rufe auf sich aufmerksam machen. Und die Reihe dahinter passt auf alle Kinder auf, denn trotz der “Wagenengel” ist der Sicherheitsabstand zu den großen Prunkwagen manchmal gefährlich gering.

Das typische Wurfmaterial besteht aus “Strüßjer” (Blumensträußchen) und “Kamelle” (Bonbons / Süßigkeiten). Aber auch Schokolade, Pralinen, Kölnisch-Wasser-Fläschchen und unzählige andere kleine Präsente werden in die Zuschauerreihen geworfen.

Tipp: Man sollte nicht in der Nähe des Kölner Doms stehen bleiben. Hier stauen sich die in letzter Minute mit dem Zug angereisten Besucher. Es gibt gemütlichere Stellen am rund 7 Kilometer langen Zugweg. Am Aufstellplatz beispielsweise kann man die Gruppen in aller Ruhe bestaunen.

Mehr als nur Kamelle und Strüßjer

Wer aber glaubt, allein der Kölner Rosenmontagszug sei sehenswert, der hat sich geirrt. Am Rosenmontag sollten Besucher rechtzeitig anreisen, denn bevor sich der “Zoch” in Bewegung setzt, beginnt bereits das bunte Treiben. Gruppen von Narren ziehen in bunten Kostümen durch die Straßen; man singt, lacht und schunkelt sich warm. Nach dem Umzug verlagert sich die Fröhlichkeit in die Kneipen und die Stimmung ist nur dort richtig gut, wo es eng zugeht. Mitmachen ist angesagt: Karneval ist keine intellektuelle Leistung, sondern kommt aus dem Bauch! Man kann sich auch einer der kostümierten Gruppen anschließen, die hinter einer dicken Trommel – der “decken Trumm”, dem Wahrzeichen des Karnevals – tanzend nach dem Motto durch die Straßen ziehen.

Karnevalsdienstag: Der Nubbel hat Schuld

Am Dienstag stehen vor allem sehr viele Karnevalszüge in den verschiedenen Veedel an. Ehe der Alltag am Aschermittwoch zurückkehrt, als sei nie etwas gewesen, wird an vielen Stellen der Stadt der “Nubbel” verbrannt, eine Strohpuppe als Sündenbock für alle Verfehlungen, die sich die Kölner im Karneval haben zuschulden kommen lassen. Die Fackelzüge in der Nacht vom Karnevalsdienstag auf den Aschermittwoch mit dem anschließenden Zeremoniell sind ein einmaliges Erlebnis. Eindrucksvolle Nubbelverbrennungen finden rund um die Agneskirche sowie in Nippes und in der Südstadt, im “Kwartier Latäng” und in der Kölner Altstadt statt.

Am Aschermittwoch ist alles vorbei …

Am Morgen des Aschermittwochs holen sich die Katholiken als Zeichen der Buße ihr Aschenkreuz in der Kirche und abends wird die Session traditionell bei einem Fischessen in geselliger Runde beendet. Die wichtigste Regel im Kölner Karneval lautet: “Am Aschermittwoch ist alles vorbei!”. Die Session ist zu Ende, das Kölner Dreigestirn hat in der Nacht zuvor seine Insignien der Macht und seine Ornate (Amtskleidung) abgelegt. Die Fastenzeit vor dem Osterfest beginnt und die Pappnase hat Pause bis zum nächsten 11. im 11., wenn wieder Sessionseröffnung gefeiert wird.

Viele Kölner Karnevalsgesellschaften richten an Aschermittwoch oder den Tagen bis zum folgenden Wochenende ein Fischessen aus. Im Kreis der Gesellschaft wird die abgelaufene Session reflektiert, doch gefeiert wird dabei nicht mehr, es beginnt die ruhige Zeit.  Für das nicht-organisierte Jeckenvolk bieten viele Kneipen und Restaurants Fischessen an, bei dem man die Session ruhig ausklingen lassen kann.

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Dieser Artikel wurde am 20.02.2019 aktualisiert.