40 Jahre Bandjubiläum von BAP – Wolfgang Niedecken im exklusiven CityNEWS-Interview

40 Jahre Bandjubiläum von BAP - Wolfgang Niedecken im exklusiven CityNEWS-Interview / copyright: Alex Weis / CityNEWS
40 Jahre Bandjubiläum von BAP – Wolfgang Niedecken im exklusiven CityNEWS-Interview
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BAP wird 40. Zum runden Geburtstag geht die Kölschrockband von Wolfgang Niedecken ab Mai auf große Jubiläumstournee. Vorab erscheint mit „Lebenslänglich“ am 15. Januar das erste reguläre BAP-Studioalbum seit fünf Jahren.

Der Urkölner Wolfgang Niedecken ist sichtlich fit und freut sich auf die Jubiläumstour. Vom Schlaganfall von vor vier Jahren ist dem 64-Jährigen nichts mehr anzumerken. CityNEWS traf den Musiker in seinem Kölner Büro in der Südstadt zum Interview.

CityNEWS: Seit der letzten ‘BAP zieht den Stecker-Tour‘ sind 16 Monate vergangen. Wie haben Sie die Zeit genutzt?

Wolfgang Niedecken: Die Tour war Anfang September 2014 zu Ende. Danach bin ich in die Türkei geflogen, und da habe ich mich unnötigerweise unter Druck gesetzt, denn ich wollte sofort anfangen, neue Songs zu schreiben. Dabei hatte ich noch gar nichts erlebt, außer auf Tour zu sein. Ich habe mir tatsächlich selber eine kleine Schreibblockade eingeredet. Dabei war es gar keine. Als mir schließlich der erste Song eingefallen ist, lief alles wie am Schnürchen.

CityNEWS: Wie lange hat das Schreiben gedauert?

Wolfgang Niedecken: Vier Monate habe ich an den Songtexten geschrieben. Das dauert sonst etwa ein Jahr. Weil alles so schnell ging, konnten wir auch schon im Frühsommer ins Studio gehen, und das war toll. Wir hatten für alles schön viel Zeit. Wahrscheinlich ist auch deshalb alles so gut geworden.

CityNEWS: Was heißt das?

Wolfgang Niedecken: Es hat sich in den vier Jahren irgendwie alles so schön organisch entwickelt. Zuerst kam mein Soloalbum ‘Zosamme alt‘, daraus hat sich die BAP-Tour ergeben und daraus wiederum hat sich unser mittlerweile 18. Studioalbum entwickelt. Ich hab‘ das immer gerne, wenn ein fließender Übergang stattfindet.

CityNEWS: Was ist anders am neuen Album „Lebenslänglich“?

Wolfgang Niedecken: Wir haben jetzt wieder elektronische Instrumente dabei. Böse, böse Stromgitarren finden wieder statt (lacht). Bei einigen Stücken wird auch wieder ordentlich gerockt, aber nicht in dem Maße, wie wir das zum Beispiel beim Album ‘Sonx‘ aus dem Jahr 2004 gemacht haben. Da war uns irgendwie nicht nach. Wir haben dieses Mal auch sehr genau auf die transparente Abmischung der Songs geachtet.

CityNEWS: Wer zeichnet dafür verantwortlich?

Wolfgang Niedecken: Stewart Lerman, der auch mein Soloalbum abgemischt hat. Er ist mittlerweile ein sehr guter Freund von mir. Ich war also wieder für zwei Wochen in New York.

CityNEWS: Was steckt hinter dem Titel „Lebenslänglich“?

Wolfgang Niedecken: Nach diesem Albumtitel habe ich regelrecht gesucht. Ich bin die einzelnen Songs durchgegangen und habe mich gefragt, ob sich da einer als Titelsong eignet. Dem war aber irgendwie nicht so und dann bin ich im letzten Song auf eine Textzeile gestoßen: ‘Lebenslänglich sucht man Zuversicht.‘ Und da wusste ich: nicht Zuversicht, aber „lebenslänglich“, das ist es!

CityNEWS: Warum?

Wolfgang Niedecken: Es ist ein wunderbar ambivalenter Titel. Man kann sich fragen: ist das eine Strafe? Oder ist da vielleicht eine Bindung mit gemeint, eine Bindung mit einem Partner, den man wirklich liebt? Dann ist es überhaupt keine Strafe, dann ist es etwas Großartiges. Dieser Titel drückt sicher auch meine lebenslange Liebe zur Musik aus.

CityNEWS: Wer war eigentlich der Auslöser für diese Liebe?

Wolfgang Niedecken: Eindeutig die Beatles. Ich erinnere mich noch an meine erste Schallplatte, die ich mir ertauscht hatte – ich glaube gegen ein Taschenmesser. Da war auf der einen Seite das Lied ‘From me to you‘ drauf und auf der Rückseite ‘Thank you girl‘. Damals wusste ich noch nicht mal, dass diese Platte von den Beatles war. Ich fand die beiden Lieder nur total schön.

CityNEWS: Und dann..?

Wolfgang Niedecken: … habe ich meine Mutter so lange genervt, bis sie mir noch so eine Platte gekauft hat. Damals war ich 13. ‘Ask me why‘ und ‘Misery‘ waren die Titel. Und dann wollte ich plötzlich wissen, wer hinter den Liedern steckt. Ich wollte wissen, wie diese Beatles aussehen. Ich habe mir Bilder angeschaut und auch kurze Fernsehauftritte. Und das hat bei mir gezündet.

CityNEWS: Kann man sagen, das hat ihr Leben verändert?

Wolfgang Niedecken: Auf jeden Fall. Vor dieser Platte hatte ich noch Indianer im Wald gespielt. Nach der Platte stand ich nur noch vor dem Frisierspiegel meiner Mutter und habe mit der Gitarre meines großen Bruders zur Musik der Beatles gerockt wie Paul McCartney.

CityNEWS: 40 Jahre BAP – wann beginnt eigentlich die Zeitrechnung?

Wolfgang Niedecken: Wir haben die Band 1976 gegründet, ohne es zu wissen. Unser Datum ist der 18. Juni – es war der Morgen nach dem Fußball Europameisterschaftshalbfinale, wo vier Kölner Tore stattfanden. Ich war total verkatert und musste im Rahmen meines Zivildienstes Essen ausfahren. Da rief der Saxophonist meiner ehemaligen Schülerband an und meinte, er hätte einen alten Bauernhof geerbt und wenn wir da den ehemaligen Schweinestall renovieren würden, könnten wir doch da drin wieder ein bisschen Musik machen. Und weil ich so verkatert war und überhaupt keine Zeit hatte, habe ich ohne groß nachzudenken ‘ja‘ gesagt. Daraus hat sich alles ergeben. Wir haben zwar nicht den Schweinestall renoviert, aber aus diesem Anruf hat sich zumindest ein Jour fixe ergeben, wo wir wieder regelmäßig miteinander Musik gemacht haben.

CityNEWS: Wann haben Sie eigentlich ihren ersten Kölschen Song geschrieben?

Wolfgang Niedecken: Das war 1977, als ich den Song „Helfe kann dir keiner“ geschrieben habe. Ich hatte Liebeskummer damals.

CityNEWS: In 40 Jahren kamen noch unzählige Songs dazu. Welches waren die schönsten Augenblicke mit BAP?

Wolfgang Niedecken: Da fallen mir spontan zwei Sachen ein: ein Highlight war sicher 1980 in Wuppertal, als wir zum ersten Mal vor einem Publikum gespielt haben, dass kein Kölsch verstand. Und es war ein Riesenerfolg.

CityNEWS: Und die zweite Erinnerung?

Wolfgang Niedecken: Als wir mit unserem dritten Album ‘BAP für usszeschnigge‘ die 100.000er Marke an verkauften Platten geknackt hatten. Das haben wir zusammen im ‘Chlodwig Eck‘ gefeiert. Ich glaube, so glücklich waren wir noch nie und danach auch nie wieder. Auch nicht, als die Alben millionenfach über die Theke gingen. Aber so ist das eben beim ersten Mal.

CityNEWS: Ab Mai geht es auf Tour. Was erwartet die Zuschauer?

Wolfgang Niedecken: Es wird auf jeden Fall anders als sonst. In der Regel spielen wir je ein Drittel bekannte, halb bekannte und neue Lieder, wenn wir auf Tour gehen. Aber dieses Mal spielen wir nur die beliebtesten Lieder. Sowas darf man allerdings nur alle zehn Jahre machen, sonst landet man als Oldie-Kapelle im Bierzelt. Übrigens können unsere Fans über fünf Stücke online mitbestimmen.

CityNEWS: Wenn Sie auf die Bühne gehen – spielt da irgendwie auch Angst eine Rolle in Zeiten des Terrors?

Wolfgang Niedecken: Also erst einmal freue ich mich
riesig, wieder auf die Bühne zu gehen. Ich finde, man sollte nicht verdrängen, sondern sich bewusst sein, dass der Terror näher an uns herangerückt ist. Man sollte sich aber nicht davon sein Leben diktieren lassen.

CityNEWS: Gibt es schon Pläne für nach der Tour?

Wolfgang Niedecken: Nein. Wir lassen uns gerne überraschen.

Weitere Infos unter: www.bap.de