Vorbildliche Ausbildung in Kölner Unternehmen

Vorbildliche Ausbildung in Kölner Unternehmen copyright: derateru  / pixelio.de
Vorbildliche Ausbildung in Kölner Unternehmen
copyright: derateru / pixelio.de

Das Ausbildungszertifikat, eine Auszeichnung für kontinuierliche und qualitativ sehr gute Nachwuchsförderung, verleiht die Arbeitsagentur Köln nun im zehnten Jahr gemeinsam mit der Stadt Köln. Die Jubiläumsverleihung im Historischen Rathaus nahmen Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes in Vertretung von Henriette Reker, Oberbürgermeisterin der Stadt Köln, und Roswitha Stock, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Köln vor.

Die acht Betriebe, die das Ausbildungszertifikat 2016 erhalten, engagieren sich in besonderer Weise für ihren Nachwuchs.

„Die hier ausgezeichneten Unternehmen investieren in das Beste was wir haben: die Jugend. Gute Ausbilderinnen und Ausbilder stärken das Selbstbewusstsein und helfen, Defizite abzuarbeiten. Durch die besondere Aufmerksamkeit für ihre Schützlinge fördern sie deren individuelle Qualitäten zu Tage. Davon profitieren natürlich zu allererst die Jugendlichen, aber auch ihre Betriebe, die sich qualifizierte, neue Kräfte für morgen heranziehen“, so Henriette Reker, Oberbürgermeisterin der Stadt Köln.

„Nicht zuletzt profitiert aber die ganze Gesellschaft von jungen Menschen, die anpacken können und gelernt haben, Verantwortung zu übernehmen. Die Preisträger haben sich verdient gemacht um die Zukunft junger Leute. Ihre Auszeichnung steht dabei stellvertretend für viele Kölner Unternehmen, die gut ausbilden“, lobte Roswitha Stock die Vertreter der acht Unternehmen. Die Chefin der Arbeitsagentur betonte: „Dass wir nun schon zum zehnten Mal die Ausbildungszertifikate verleihen, zeigt, dass das Engagement für Ausbildung in vielen Kölner Unternehmen groß ist. Ich wünsche mir, dass noch weitere Arbeitgeber den guten Beispielen folgen und Ausbildungsplätze anbieten. Aktuell beteiligt sich nicht einmal jeder fünfte Betrieb an der Ausbildung. Gerade schwächere Bewerber haben es immer noch schwer einen Ausbildungsplatz zu finden. Die Preisträger zeigen, dass es sich lohnt, die Stärken bei den schwächeren Bewerbern zu suchen, zu finden und diese zu fördern. Mit dem Instrument der assistierten Vermittlung bringt die Arbeitsagentur auch Jugendliche mit besonderem Unterstützungsbedarf wie beispielsweise Lernbehinderung in Ausbildung. Spezielle Ausbildungsakquisiteure der Arbeitsagentur suchen gezielt Ausbildungsstellen für diese Jugendlichen und begleiten sie während der Ausbildung. Ziel ist es immer, die Ausbildung erfolgreich abzuschließen und anschließend in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu gehen. Dafür brauchen wir Unternehmen, die diesen Weg mitgehen und den Jugendlichen eine Chance geben, die auf den ersten Blick nicht erste Wahl wären. Ich bin überzeugt, dass es sich lohnt in schwächere Jugendliche zu investieren.“

Die Verleihung der Ausbildungszertifikate findet in der bundesweiten Woche der Ausbildung (7. bis 13. März) statt. Neben der Verleihung der Ausbildungszertifikate wirbt die Arbeitsagentur in dieser Woche gezielt für die duale Berufsausbildung, kontaktiert Arbeitgeber um neue Ausbildungsstellen einzuwerben und nimmt an den Aktionstagen des Kölner Handwerks teil.

Die Preisträger des Ausbildungszertifikats 2016

Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V.
Das Forschungszentrum der Bundesrepublik Deutschland für Luft- und Raumfahrt beschäftigt am Standort in Porz über 1.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon 46 Azubis. Neben den technischen Ausbildungen zum Industriemechaniker – Feingerätebau und technisches Produktdesign – Fachrichtung Maschinen- und Anlagenkonstruktion werden auch Kaufleute für Büromanagement, Köche und Fotografen ausgebildet. Zusätzlich kann der duale Studiengang Informationstechnik (Bachelor of Engineering) absolviert werden. Angehende Azubis müssen sich beim DLR in einem Einstellungstest beweisen. Entscheidend ist jedoch der persönliche Eindruck, so dass nicht die besten Schulnoten zum Ausbildungsvertrag führen, sondern auch Kreativität, Kultur-, Kunst oder Technikverständnis gefragt sind. Um auch Mädchen für technische Ausbildungen zu begeistern nimmt das DLR seit 15 Jahren erfolgreich am Girls’Day teil.

Cölner Hofbräu P. Josef Früh Co. KG
Das Traditionsunternehmen mit 400 Mitarbeitern beschäftigt vierzig junge Menschen, die ihre Ausbildungen zu Industriekaufleuten, Kaufleuten für Büromanagement, Fachinformatikern Systemintegration, Koch/Köchin, Fachpraktiker Küche sowie Hotelfachleuten und Restaurantfachleuten absolvieren. Bei Früh bekommen auch Jugendliche eine Chance, die es bei anderen Arbeitgebern sehr schwer haben: Früh bildet u. a. Jugendliche mit Lernbehinderungen zu Fachpraktikern im Küchenbereich aus. Dabei engagieren sich alle Kolleginnen und Kollegen gemeinsam für die Ausbildung der Jugendlichen mit Handicap.

Gödde GmbH & Co. KG
Im 1960 gegründeten Werkzeuggroßhandel Gödde wird sehr viel Wert auf die Ausbildung von jungen Menschen gelegt. Neben über 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern werden 18 junge Menschen ausgebildet als Groß- und Außenhandelskaufleute, Informatikkaufleute sowie als Fachkräfte für Lagerlogistik und Fachlageristen. Bei der Auswahl der Azubi gibt es keine festen Kriterien, und so können weniger gute Schulnoten durch einen guten Auftritt im Vorstellungsgespräch, hohe Motivation und Engagement im vorgeschalteten Praktikum ausgeglichen werden. Die Auszubildenden übernimmt Gödde nach Ende der Lehrzeit und fördert sie weiter. So ist ein ehemaliger Azubi heute Abteilungsleiter und führt in dieser Position fünfzig Mitarbeiter.

Werner Hollax & Co. OHG
Der 1967 gegründete Metallbau-Meisterbetrieb Hollax wird vom Inhaber Gerhard Hollax geführt und beschäftigt bei sieben Mitarbeitern vier Auszubildende, die zum Metallbauer, Fachrichtung Konstruktionstechnik, ausgebildet werden. Das Unternehmen, das in der Regel einen Ausbildungsplatz pro Jahr anbietet, hat im vergangenen Jahr einen zusätzlichen Azubi eingestellt, der im Rahmen der assistierten Ausbildung betreut wird. Der Azubi erhält beispielsweise Hilfestellungen bei Lernschwierigkeiten und wird während der gesamten Ausbildungszeit intensiv begleitet.

Bedachungen Hube GmbH
Das von Michael und Martin Hube geführte Familienunternehmen Hube bildet seit 1985 ohne Unterbrechung aus. Von den neun Mitarbeitern absolvieren gerade zwei eine Ausbildung zum Dachdecker. Dass das Unternehmen von der dualen Ausbildung überzeugt ist, zeigen nicht nur die zwei Azubis. Alle Gesellen wurden selbst ausgebildet und als Fachkräfte übernommen. Da es in einem kleinen Unternehmen besonders wichtig ist, dass Azubis gut ins Team passen, wird ein dreiwöchiges Praktikum vorweggeschaltet, in dem die Bewerber ihre Motivation und ihr Geschick unter Beweis stellen können. So ist auch ein Auszubildender im Rahmen der assistierten Ausbildung ins Unternehmen gekommen. Um auch Mädchen vom Handwerk des Dachdeckers zu überzeugen nimmt der Betrieb auch am Girls’Day teil.

Lützenkirchen Service GmbH
Das Traditionsunternehmen wurde bereits 1898 gegründet. Das familiengeführte Unternehmen beschäftigt 19 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter darunter drei Auszubildende, die die dreieinhalbjährige Ausbildung zum Anlagenmechaniker absolvieren. Für Geschäftsführer Andre Amoneit-Lützenkirchen bildet ein gut ausgebildeter und homogener Mitarbeiterkreis die Grundlage seines Geschäftserfolgs, daher übernimmt er alle Azubis als Facharbeiter. Bei Lützenkirchen zählt der persönliche Eindruck, den ein Bewerber im Vorstellungsgespräch und bei Praktika erweckt, mehr als Schulnoten, denn der Betrieb unterstützt die jungen Menschen sowohl beim Lernen des Berufsschulstoffs als auch bei der Vertiefung von praktischen Fertigkeiten. Auch nach der Ausbildung unterstützt das Unternehmen die Weiterbildung. So besuchen zwei ehemalige Azubis aktuell die Meisterschule um den Meister im Anlagenbau abzulegen und sich für Führungspositionen zu qualifizieren.

Praxisgemeinschaft Dr. Mohammad-Hossein Rezazadegan und Farkhondeh Gaini Rahimi
Die Praxisgemeinschaft für Haut- und Geschlechtskrankheiten wurde 2009 gegründet und beschäftigt zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon drei junge Menschen in Ausbildung zu medizinischen Fachangestellten. Neben der Fachärztin Farkhondeh Gaini Rahimi und Dr. med. Mohammad-Hossein Rezazadegan engagiert sich besonders der Praxismanager Siamak Tabib für die Ausbildung. Die Praxis bildet gerne Menschen mit Migrationshintergrund aus, denn die zusätzlichen Sprachkenntnisse dieser Bewerber werden gern im Umgang mit Patienten genutzt werden. Auch Flüchtlingen würde die Praxis gerne ein Praktikum ermöglichen, denn Ausbildung wird hier als fundierte Investition in die Zukunft der jungen Menschen angesehen.

Modehaus Weingarten
Das Familienunternehmen, welches bereits 1930 gegründet wurde, bildet derzeit 29 Azubis in den Berufen Verkäufer, Einzelhandelskaufleute, Kaufleute für Marketingkommunikation, Gestalter für visuelles Marketing und Kaufleute für Büromanagement aus. Offenheit, Empathie, Teamfähigkeit und kommunikative Fähigkeiten sind bei Weingarten gefragt. Trotz der bis zu 300 Bewerbungen auf Ausbildungsstellen ist es nicht einfach junge Menschen für eine Ausbildung im Einzelhandel zu gewinnen, da Arbeitszeiten auf den ersten Blick unattraktiv erscheinen. Weingarten setzt darauf, die Ausbildungsberufe im Einzelhandel in moderner und zukunftsorientierter Form durch Multichannel-Strategien sowie digitale Vernetzung zu vermitteln. Nachwuchspositionen werden vorwiegend aus den eigenen Reihen besetzt.