09.01.2012  17:48 Uhr

Tarife
Der Gleichheitsgrundsatz gilt auch in der Versicherungsbranche - Unisex Tarife

Citynews. Bisher konnten sich die Versicherer stets darauf berufen, dass Frauen und Männer unterschiedliche Lebenserwartungen und Krankheitsbilder hatten. Damit begründete man bei den Assekuranzen Abweichungen in der Tariflandschaft. Die Beiträge wurden geschlechterspezifisch bemessen.

 Das höchste zu erwartende Lebensalter bei Frauen liegt statistisch über den Werten der Männer. Daher ist bei einer privaten Rentenversicherung davon auszugehen, dass man bei einem solchen Vertrag für eine Frau mehr Geld auszahlen muss. Nach der bestehenden EU-Vorgabe wurden die Konzerne nun verpflichtet in nahezu allen Bereichen die Unisex-Tarife anzubieten.

Im Ergebnis werden einige Kunden davon profitieren können. Andere hingegen müssen mit Beitragserhöhungen rechnen. Bereits im Jahr 2006 stellten die Anbieter der Riesterverträge auf geschlechtsunabhängige Verträge um. Seinerzeit erhöhten sich die Beiträge für die Männer erheblich, Frauen konnten aber nur in geringem Maße als Nutznießer hervorgehen. In der Gesamtabrechnung blieb übrig, dass die Beiträge gestiegen sind.

Auch bei der Kfz-Versicherung erwartet man Preisanstiege für Frauen, genauso wie bei den Risikolebensversicherungen. Hier pendeln sich die Prognosen bei nahezu 30 Prozent ein.

Ein weiteres Problemgebiet stellen die Krankenversicherungen dar. Männer und Frauen haben nachweislich unterschiedliche Krankheitsbilder und sollten daher auch nicht in zwanghaften Unixsex-Tarif genötigt werden. Des Einen Nachteil wird zum Vorteil des Anderen. Ob dieses Ergebnis der Reform dem Gleichheitsgrundsatz entspricht, bezweifeln einige Versicherungsunternehmen. Ein Folgeproblem, das bis dato kaum beachtet wurde, ist der Umgang mit den bestehenden Kunden. Wenn jemand, der einen neuen Vertrag abschließt, ebenfalls einen völlig anderen Tarif bekommt als ein langjährig beim Unternehmen Versicherter, kommt die Frage nach der angewendeten Gerechtigkeit auf.

Manche Vorgaben der EU sind eben nicht so einfach umzusetzen. Die organisatorischen und rechnerischen Fragen, die im Zusammenhang mit den Unisex Tarifen zu klären sind, machen den Unternehmen schwer zu schaffen. Zu viele unbekannte Faktoren werden in die Prämien einfließen und letztlich besteht die Gefahr, dass die Beiträge in Gänze steigen. Die Assekuranz kann zudem nicht vorhersehen, wie die Kunden, deren Beitrag erhöht wird, darauf reagieren. Nehmen sie die Mehrkosten in Kauf oder suchen sie sich einen anderen Anbieter? Wo bisher noch ein wenig Planungssicherheit bestand, ist nun Ungewissheit. Diese Verunsicherung wird voraussichtlich zu Lasten der Geldbeutel der Versicherten gehen.


 

(Redaktion)

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