Portrait
Hilfe für Demenzkranke - Beate Wolf und Thomas Haubold aus Köln haben ein Bilderbuch für Erkrankte entwickelt
Köln. Demenz: Der allmähliche Verlust der Persönlichkeit durch fortschreitende, hirnorganisch bedingte Zerstörung des Gedächtnisses - 1,2 Millionen Menschen leiden in Deutschland daran. Die Zahl der Betroffenen steigt. Beate Wolf und Thomas Haubold haben sich dem Problem, dem viele lieber ausweichen, gestellt.

Die Sozialpädagogin Beate Wolf posiert in Köln für eine Fotoillustration mit einem Exemplar ihres Buches "Daran erinnere ich mich gern" (mit Illustrationen von Diplom-Designer Thomas Haubold).
"Ich arbeite gern auch mit dementen Menschen zusammen", sagt die Sozialpädagogin Wolf. "Es gibt bei allen etwas Positives zu entdecken." Seit 20 Jahren betreut Wolf bei der Kölner Caritas Demenzkranke. Aus langjähriger Praxis heraus weiß sie: "Je mehr die rationalen Fähigkeiten der Erkrankten abnehmen, desto wichtiger werden die emotionalen Bedürfnisse nach Zugehörigkeit, Sicherheit und Trost." Aber umso schwieriger wird es auch, das Gespräch mit ihnen aufrechtzuerhalten.
Thomas Haubold, der als Illustrator für Zeitschriften und Buchverlage arbeitet, ist in der Familie mit dem Thema konfrontiert worden. Er hatte vor Jahren mit seiner Oma an einem Lebensrückblick gearbeitet. "In ihren letzten Lebensjahren hat sie dann arg abgebaut, erzählte alle drei Minuten dasselbe, als wäre da ein Sprung auf der Platte", erinnert er sich. "Das war sehr schmerzlich. Ich hatte das Gefühl, sie ist nur noch ein Stück weit da."
Wolf und Haubold, die seit langem miteinander befreundet sind, verlieren auch bei diesem ernsten Thema nicht ihre Fröhlichkeit. Vielleicht haben die zwei 46-Jährigen deshalb ein ungewöhnliches Vorhaben verwirklicht und gemeinsam ein Bilder-Buch für demenzkranke Menschen im frühen und im mittleren Stadium entwickelt, das den Dialog mit ihnen erheblich erleichtert.

Beate Wolf und Thomas Haubold haben sich dem Problem, dem viele lieber ausweichen, gestellt. "Ich arbeite gern auch mit dementen Menschen zusammen", sagt die Sozialpädagogin
Die Idee zu dem Projekt kam Beate Wolf, als sie eine demenzkranke Frau besuchte. "Sie verbrachte ihre Tage depressiv im Sessel. Doch wenn wir gemeinsam in ihre Lebenserinnerungen eintauchten, hüpfte sie anschließend wie ein junges Mädchen durch die Wohnung und rief: 'Was habe ich alles erlebt! Ich könnte ein Buch schreiben'." Das haben nun Wolf und Haubold getan. "Daran erinnere ich mich gern" lautet der Titel. Erschienen ist es in der Schlüterschen Verlagsgesellschaft Hannover. Kindheit, Schulzeit, Verliebtsein, Hochzeit, Urlaub und andere stark emotionale Erlebnisse sind die Themen, die Thomas Haubold in prägnante Bilder umgesetzt hat.
"Wir zielen auf ein Erinnern ab, das eine positive Grundstimmung bewirkt", erläutert Wolf. Es gehe darum, "die Erinnerung an die eigene Persönlichkeit, die eigene Identität, so lange wie möglich aufrechtzuerhalten und die Krankheit, für die es keine Heilung gibt, so weit wie möglich zu bremsen. Den Wert von Erinnerungsarbeit unterstreicht auch die Psychologin Christine Sowinski vom Kuratorium Deutsche Altershilfe: "Plötzlich sind es nicht mehr die gebrechlichen, hilfsbedürftigen Patienten oder Angehörigen."
Nicht nur die Betroffenen, auch Angehörige und Pflegekräfte können von der Arbeit mit dem Bilder-Buch profitieren. Diese Erfahrung hat Beate Wolf bereits gemacht. "Das macht wirklich auch Spaß. Und es ist eine Möglichkeit, Nähe herzustellen, die die Demenzkranken dringend brauchen", sagt sie.
Wolf und Haubold arbeiten unterdessen bereits an einem zweiten Buch. "Da werden wir uns auf das alltägliche Leben konzentrieren", umreißt Haubold die neue Aufgabe. "Was haben Sie früher gerne gegessen, gekocht, gespielt?" Das Gespräch über solche Fragen gibt Pflegenden die Möglichkeit, den dementen Menschen besser kennenzulernen und zu schauen, was ihn im Alltag unterstützen und ihm gut tun könnte.
Schon jetzt Wolf und Haubold dazu beigetragen, der Krankheit Demenz etwas von ihren Schrecken zu nehmen. Ihr Bilder-Buch hilft dabei, auch mit Demenzkranken im Gespräch zu bleiben und viele positive Momente zu erleben. Wolf: "Jedes Mal, wenn ich mit den Betroffenen gerade die schönen Momente ihrer Vergangenheit beleuchte, macht es sie zufriedener und lebendiger".
(ddp-Korrespondent Ulrich Breitbach)
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