Portrait einer starken Frau: Gaby Köster schließt Tournee nach Schlaganfall nicht aus

Gaby Köster schließt Bühnen-Tournee nach Schlaganfall nicht völlig aus: "Das ist für mich eine Option." - copyright: RTL
Gaby Köster schließt Bühnen-Tournee nach Schlaganfall nicht völlig aus: „Das ist für mich eine Option.“
copyright: RTL

Live bei stern TV hat Gaby Köster mit einem positiven Bekenntnis überrascht. Auf die Frage von Moderator Steffen Hallaschka, ob ihre durch den Schlaganfall 2008 unterbrochene Tournee vielleicht irgendwann fortgesetzt wird, sagte Köster: „Ja klar – das ist für mich eine Option. Denn das ist mein Beruf.“ Einem Konditor könne man schließlich auch nicht sagen, „du musst jetzt Autos reparieren statt Kuchen zu backen“, so die Schauspielerin und Kabarettistin.

Auch neun Jahre nach dem Schlaganfall ist Gaby Köster körperlich noch stark eingeschränkt. Ihre linke Körperhälfte ist nach wie vor teilweise gelähmt. Das Laufen fällt ihr schwer und auch der linke Arm ist noch steif. Aber die 55-Jährige machte auch deutlich, dass sie sich nicht unterkriegen lässt und wieder aktiv am Leben teilnimmt. Denn: „Alles ist für etwas gut“, so Köster. „Ich behaupte, ich habe den Schlaganfall bekommen, damit ich lerne mit Hilfe umzugehen.“ Auf die Frage einer Zuschauerin, die sich per Mail an die Redaktion gewandt hatte und wissen wollte, was Gaby Köster anderen Schlaganfall-Patienten raten würde, sagte sie außerdem: „Gebt nicht auf, seid hoffnungsvoll, es geht immer weiter.“

Dass ihre Geschichte – und die schwierige Zeit ihrer Krankheit – nun verfilmt wurde, sei „total irre“, erklärte die heute 55-Jährige. „Ich bin das erste Mal im Leben richtig stolz auf mich“, so Köster mit Blick auf den Film, der ihr „geballt“ gezeigt habe, was sie alles geleistet hat.

Vom gefeierten Comedy-Star zur schwerkranken Frau

Gaby Köster als Rita Kruse in "Ritas Welt" - Foto: RTLplus / Martin Lässig
Gaby Köster als Rita Kruse in „Ritas Welt“
Foto: RTLplus / Martin Lässig

stern TV hat Gaby Köster jahrelang immer wieder mit der Kamera begleitet, nachdem sie im Januar 2008 einen Schlaganfall erlitten hat. Von einem auf den anderen Tag wurde die Kult-Komikerin vom gefeierten Comedy-Star zu einer schwerkranken Frau. In den 1990er Jahren wurde Gaby Köster durch die Shows „RTL Samstag Nacht“, „7 Tage, 7 Köpfe“ (1996 – 2005) und durch die 68 Folgen von „Ritas Welt“ bekannt. Für die Rolle der Supermarkt-Kassiererin Rita Kruse wurde sie unter anderem mit dem „Deutschen Comedypreis“ als „Bester Comedian“ und mit dem „Adolf-Grimme-Preis“ ausgezeichnet.

Nicht nur im Fernsehen feierte die rheinische Frohnatur Erfolge. Von 1991 bis 1995 führte sie durch die Kölner „Stunksitzung“. Ab 2004 tourte die am 2. Dezember 1961 in Köln geborene Comedienne mit ihrem Bühnenprogrammen „Gaby Köster Live!“ und ab 2007 mit „Wer Sahne will, muss Kühe schütteln“ quer durch Deutschland. Im selben Jahr wurde sie erneut mit dem „Deutschen Comedypreis“ als „Bester Comedian“ ausgezeichnet.

Im Frühjahr 2008 tauchte sie mitten in ihrer Tour plötzlich von der Bildfläche ab. Spekulationen in der Boulevardpresse machten sich breit und auf eine offizielle Erklärung ihres Managements wartete man vergebens. Dieses verhängte eine Nachrichtensperre, was zu immer wilderen Spekulationen über den Gesundheitszustand von Gaby Köster führten. Gegen Berichte über eine angebliche Erkrankung ging ihr Management – erfolglos – mit juristischen Schritten vor.

Ein Schlaganfall veränderte das Leben von Gaby Köster komplett

Szenenbild aus der RTL-Verfilmung "Gaby Köster – Ein Schnupfen hätte auch gereicht" mit Schauspielerin Anna Schudt. - Foto: RTL / Wolfgang Ennenbach
Szenenbild aus der RTL-Verfilmung „Gaby Köster – Ein Schnupfen hätte auch gereicht“ mit Schauspielerin Anna Schudt.
Foto: RTL / Wolfgang Ennenbach

Erst am 7. September 2011 – rund drei Jahre später – trat sie bei stern TV das erste Mal wieder in der Öffentlichkeit auf. In einem Interview mit Moderator Steffen Hallaschka erzählte  sie die Erlebnisse vom 8. Januar 2008. Köster sei plötzlich mit dem Kopf im Badezimmer aufgeschlagen und hat sich im Rettungswagen auf dem Weg ins Krankenhaus wiedergefunden. Die Diagnose war ein Schlaganfall. Ein Blutgerinnsel hatte ihre rechte Halsschlagader verstopft. Die damals 46-Jährige wurde in eine Spezialklinik gebracht und die Ärzte mussten notoperieren.

Gaby Köster überlebte, aber Aufnahmen des Gehirns zeigten, dass bleibende Schäden wohl bleiben werden. Doch Köster kämpfte sich zurück. Über sieben Monate wurde sie in der Kölner RehaNova Klinik behandelt. Dabei zweifelte sie oft an dem Sinn der Maßnahmen, doch Gaby Köster sah immer auch das Positive und neue Perspektiven. Körperlich sei sie zu 70 Prozent wieder hergestellt, erzählte sie damals im Interview. Ob es dabei eine Rolle spielte, dass sie in der Klinik das Rauchen wieder angefangen hat ist jedoch zu bezweifeln. Rauchen gehöre zu ihr, sagte sie damals trotzig, „weil das einfach was ist, das ich alleine machen kann.“

„Ich mach nichts mehr, worauf ich keinen Bock habe!“

2013 verschlug es Gaby Köster erstmals wieder auf die große Bühne. - copyright: CityNEWS / Alex Weis
2013 verschlug es Gaby Köster erstmals wieder auf die große Bühne.
copyright: CityNEWS / Alex Weis

2012 erhielt Gaby Köster den Ehrenpreis des Deutschen Comedypreises. Nach einer Lese-Tour verschlug es Gaby Köster 2013 wieder auf die Bühne bei der BRINGS Weihnachtsshow in der Kölner LANXESS arena. Damals verkündete sie: „Ich mache nichts mehr, worauf ich keinen Bock habe“. 2015 veröffentlichte Gaby Köster ihr zweites Buch „Die Chefin“, ein autobiographischer Roman. Ihr großes TV-Comeback gab sie schließlich im Januar 2016 als Jurorin in der Castingshow „Die Puppenstars“. Auch in der zweiten Staffel im Februar 2017 wirkte sie wieder mit.

Über ihre Krankheit und Rehabilitation hat die Kabarettistin und Schauspielerin 2011 das Buch Ein Schnupfen hätte auch gereicht – Meine zweite Chance geschrieben. „Mir war wichtig, dass ich schreiben konnte, wie es wirklich war – und nicht diesen ganzen Scheiß!“, sagt sie. Mit der Verfilmung ihres Bestsellers meldete sich Köster nun einmal mehr eindrucksvoll zurück. Den Zuschauern will sie damit vor allen Dingen eine Message ans Herz legen: „Lasst es Krachen, solange es noch geht!“

Gaby Köster hat früher schon gerne gemalt. Seit der Krankheit betreibt sie dieses Hobby noch intensiver. - copyright: RTL
Gaby Köster hat früher schon gerne gemalt. Seit der Krankheit betreibt sie dieses Hobby noch intensiver.
copyright: RTL

Laut BUNTE lebt sie auch heute noch in ihrem Haus mit einer steilen Treppe in Köln. Eine behindertengerechte Wohnung im Erdgeschoss kam für sie nicht in Frage. „Ich hab gesagt: Der Schlaganfall hat mein ganzes Leben umgebaut, nicht noch die Häuser.“ Was viele nicht wissen: Köster ist auch eine Künstlerin – im wahrsten Sinne des Wortes. In ihrem Atelier auf Ibiza lebt sie ihre Leidenschaft zur Malerei aus. Im Kölner Rheinauhafen hängen bei Künstler Anton Fuchs einige Gemälde Kösters unter ihrem Pseudonym „La Manca“ (spanisch für „Die Einarmige“). Gaby hat übrigens einen Sohn aus ihrer geschiedenen Ehe mit dem Regisseur Thomas Köller.

3,49 Millionen Zuschauer sahen bewegende Gaby Köster Verfilmung

Anna Schudt (l.), Gaby Köster - Foto: RTL / Wolfgang Ennenbach
Anna Schudt (l.), Gaby Köster
Foto: RTL / Wolfgang Ennenbach

Ein rundum gelungener Themenabend um Gaby Kösters Kampf zurück ins Leben gab es bei RTL am Karfreitag. 3,49 Millionen Zuschauer ab 3 Jahre (10,8 % Marktanteil) verfolgten um 20:15 Uhr die RTL-Verfilmung „Gaby Köster – Ein Schnupfen hätte auch gereicht“. In der Zielgruppe der 14- bis 59-Jährigen erzielte der Film mit Anna Schudt („Tatort“) und Jasmin Schwiers („Schatz, nimm du sie!“) in den Hauptrollen einen Marktanteil von 14,1 Prozent (2,39 Millionen).

Direkt im Anschluss erreichte auch die Dokumentation „‚Sonnig geht immer!‘ Gaby Köster und ihr neues Leben“ einen Marktanteil von 14,9 Prozent bei den 14- bis 59-Jährigen (2,31 Millionen).

Wer „Gaby Köster – Ein Schnupfen hätte auch gereicht“ verpasst hat, kann den Film bei www.tvnow.de sieben Tage kostenlos abrufen.

Print Friendly