11.07.2012  13:43 Uhr

Konzert
Sie will immer noch spielen - Madonna gibt sich bei Konzert in Köln provokanter denn je

Köln. Sie rekelt sich an durchtrainierten Tänzern, fasst sich regelmäßig in den Schritt und legt dann einen unfassbaren Striptease hin: Sie ist kein 20-jähriges Playmate bei einer Peepshow, sondern die 53-jährige Madonna bei ihrem Konzert in der Kölner LANXESS arena.

Plötzlich hat sie nur noch einen BH und eine schwarze Hose an. Wie eine Göttin badet sie in der Menge aus 15.000 Fans. Ihre Welthits "Human Nature" und "Like a Virgin" bilden den Höhepunkt des Dienstagabends in der fast ausverkauften LANXESS Arena.

Es ist die pure Provokation: Zu Glockengeläut schwebt Madonna in einer Kapelle auf die Bühne. In der Hand hält sie ein Maschinengewehr und haucht: "Oh my God, Madonna". Im Hintergrund leuchtet ein riesiges Kreuz. Männer in Kutten erwarten sie. Alles fügt sich zusammen zu einer Messe in einer Kathedrale.

Und Madonna? Im tief ausgeschnittenen Dekolleté, zentimeterhohen High Heels und hautengem Outfit startet sie mit "Girl gone wild". Es ist ihr Lebensmotto, wie bei dem einzigen NRW-Auftritt ihrer derzeitigen Welttournee abermals deutlich wird. Vor anderthalb Wochen hatte sie zwei weitere Deutschlandkonzerte in Berlin gegeben. Nun geht es weiter nach Brüssel.

Popstar, Popdiva, Popikone: Madonna hat so viele Titel wie Kleider. In der Karnevalshochburg ist sie eine Verkleidungskünstlerin. Mal trägt sie eine Art Gladiatorenkostüm ohne Schuhe, mal ein schwarz-weißes Businessdress. Selbst als Funkemariechen mit Teleskopstange tritt sie auf die Bühne. Fehlt eigentlich nur noch Kamelle.

Unermüdlich stolziert, tänzelt und rennt die ewig Junggebliebene über die aufwendig gestaltete Bühne. Mal balanciert sie über Seile, dann wird sie über den Boden geschleift. Die erste Ruhepause vor den Zuschauern gönnt sich die Trendsetterin bei der Ballade "Masterpiece", da ist die Hälfte des Konzerts schon um. Hier sitzt sie endlich mal ruhig auf dem Hintern, umgeben von ihren treuen Tänzern.

Eine Diva braucht Zeit

Ihre treuen Fans lässt Madonna zunächst warten. Mit 45 Minuten Verspätung greift sie endlich zum Mikrophon. Eigentlich braucht sie gar kein Publikum. Sie inszeniert sich ohnehin lieber selbst. Ihr Lauf über den Steg in den Innenraum gerät zum Triumphzug. Die Männer jubeln ihr wild entgegen. Doch sie straft sie mit Missachtung.

Leider ist die Technik bei der Mega-Show überdreht. Häufig versteht man Madonna kaum, aus den Boxen pfeift dann nur eine schrille Stimme. Auf dem Programm steht ihr neues Album "MDNA". Viele der neuen Stücke sind militärisch, fast schon grausam. Bei "Gang Bang" knallt sie einen Lover nach dem anderen ab, ehe sie eine Leiche noch mit Schnaps bespuckt. Bei "Revolver" nimmt sie mit ihren bewaffneten Gespielinnen die Fläche ein. Einmal reitet Madonna sogar auf einem Plastikgewehr, das ihr jemand zwischen die Beine steckt.

Langeweile kommt bei dem Spektakel jedenfalls nicht auf. Nach 20 Songs und zwei Stunden ist für Madonna Schluss. Mit den neuen Songs kann sie nur wenig Eindruck schinden. Unerreichbar bleiben Klassiker wie "Like a Prayer", "Vogue" und "Express Yourself".


 

(dapd / BMELV/ MKULNV Redaktion)

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Bild Nr. 1 © Jens Schlüter / dapd



 


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3 Kommentare »

12.07.12 10:29 Uhr
Howie
DER BURNER WÜRDE CARMEN SAGEN!
Die Show war in Berlin und Köln der absolute Knaller! Habe Sie noch nie so nah bei Ihren Fans gesehen. Immer wieder! THANK YOU MADONNA!!!
12.07.12 14:57 Uhr
Madonna-Fan
Haben wir die gleiche Veranstaltung besucht?
Diese Frage stelle ich mir, wenn ich die zahlreichen Kommentare und sog. "Kritiken" zum Konzert der Queen of Pop am 10.07. in Köln durchlese,,,

Ich texte hier nun keinen Roman, sondern fasse lediglich in kurzen Stichworten zusammen, wie ich als bekennender, jahrzehntelanger Madonna-Fan das Konzert empfunden habe:

1) Die Technik:
Ich möchte hier den guterzogenen Umgangston pflegen und somit bezeichne ich den Sound, den Klang und die Technik, die unsere Ohren berauschen sollten, lediglich als erbärmlich und grottenschlecht! Total übersteuert, krächzend und klanglich hörte sich die Darbietung so an, als hätte jemand seine erste Kinderzimmer-Kompakt-Stereoanlage zu laut eingestellt. Eine Zumutung und "ich hatte richtig Kopf" nach dieser Beschallungstortur.

2) Das Thema:
Sicher, Madonna wäre nicht Madonna, würde sie nicht provozieren, aber das, was sie ihren Fans in den ersten 3 Stücken zumutete, war nicht nur grenzwertig...nein, einerseits kam ich aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus und andererseits war ich tatsächlich fast drauf und dran, die Halle zu verlassen. DAS war einfach zuviel, liebe Madonna!

Aber wieso stellte dies kaum ein Kritiker so fest? Alle sprechen von "Provokation" und manche sogar von "Kreativität"??? DAS hatte nichts mehr mit Kreativität zu tun, DIESE Show, sprich die Darbietung der ersten drei Stücke, war schon jenseits von grenzwertig! Und 2 Dinge so nebenher: 1. Es waren auch Kinder anwesend... und 2. Wer sich als Botschafterin für den Frieden und als Anklägerin gegen alle(s) Schlechte auf dieser Welt ausgibt, der soll mir doch bitte mal erklären, was denn dieser krasse Gegensatz sollte? Hierzu muss ich den sprichwörtlichen "Schuss" wohl nicht gehört haben, und mal ganz davon ab:

Madonna und Provokation hin oder her: Denn erstens geht die Befriedigung von Mitteilungsbedürfnis auch anders, nämlich mit moderaten, sensibleren und dafür tiefergründigen Methoden und zweitens wollte ich mir wie viele andere Madonna-Fans schließlich ein Madonna-Konzert ansehen. Hätte ich mich an diesem Abend über Politik informieren wollen, wäre ich zuhause auf der Couch geblieben und hätte mir die Tagesthemen angeschaut!

3) "Live" ?
Hmmm, einerseits heißt es, die Darbietung sei sekundengenau geplant und nichts sei dem Zufall überlassen. Andererseits weiß man auch, dass Madonna auch in Details provozieren kann, weil sie IST halt "Madonna"! Beispiel? Der viel diskutierte "Live-Gesang": Wie kann man gleichzeitig singen und einen kräftigen Schluck aus der Flasche nehmen? Wie schafft man es, seine Stimme ins Mikro zu bannen, wenn man das Gerät (wichtig: im Monent der Gesangeinlage) fernab vom Körper hält? Und....singt man im Off live weiter, nachdem man unter der Bühne verschwunden ist , um sich auf das nächste Stück vorzubereiten? Fragen über Fragen, die ich mir meinen Wahrnehmungen nach da stelle...zu den ersten beiden kommt halt die Frage hinzu, ob Madonna halt wieder bewußt provoziert, weil sie ist halt "Madonna"...

4) "Voll besetzt" oder "die Halle platzte aus allen Nähten":
Lustig, das sah in echt ein wenig anders aus...viele Sitzplätze blieben leer, von den Logen ganz zu schweigen und der Innenraum war vielleicht nur zu zwei Drittel gefüllt...nur gut, dass man das während des Konzertes schadlos ausleuchten konnte, damit die Halle sich nicht ganz so spärlich präsentierte.

4) Stimmung?
Es hat jemand geschrieben, man wäre nur von pessimistischen Remixen beschallt worden. Dem muss ich zustimmen. Ich wollte mich von Madonna begeistern lassen, aufstehen, tanzen und mitbrüllen, um am nächsten Tag sagen zu können: "Hey, ich weiß, warum ich heute heiser bin!" Aber nein: Mitgehüpft haben nur die paar unten im vorderen Bereich des Innenraumes. Die ganze Zeit über schaute man eigentlich nur zu... das Treiben auf der Bühne und die Musik kamen nicht an mich heran und ich habe da schon ganz andere Konzerte erlebt...

2 Songs ließen echtes Madonna-Feeling aufkommen, nämlich "Like a Prayer" und "Celebration". Wow, die waren klasse, ABER leider waren das die beiden letzten Stücke und da ging auch schon das Licht wieder an!


Nun denn, was bleibt hängen und woran werde ich mich später erinnern:
- Schlechter, nein: Miserabler Sound, die Soundtechniker gehören gefeuert.
- kein Madonna-Feeling (aber das war wohl auch nicht der Sinn der Sache, überdenkt man die "Botschaften", die die Queen vermitteln wollte. Ein Feiern war nicht im Sinne der Veranstalter und das wurde auch konsequent durchgehalten.
- meine Lieblingssongs kamen kaum oder gar nicht und wenn, dann in Versionen, die mir gar nicht gefallen haben
- Choreographie, Präsentation, Aufwand von Bühnenaufbau, etc. waren top und eines Superstars würdig, keine Frage.
- Die Ticketpreise waren schon horrend, aber auch wenn hier darüber vielleicht diskutiert wird: Wenn ich ein Konzert besuchen will, wäge ich für mich ab, ob mir der Preis zu hoch ist oder nicht. Wenn nicht, dann gehe ich hin, wenn doch, dann lasse ich es bleiben, fertig. Grundsätzlich jedoch ist die Preisentwicklung für Konzerttickets wirklich recht unschön und für den normalen Fan kaum noch leistbar. Eine Verhältnismäßigkeit ist hier nur schwer zu erkennen oder zu vermitteln.

Viele Kritiker schreiben, sie hätten ein begeisterndes Konzert gesehen...hmmm, dem ich kann ich mich, wenn ich einmal alles Revie passieren lasse, nicht anschließen. Es war ein Riesen-Event, halt ein Konzert meines Superstars, aber nachhaltig angefixt hat es mich nicht, jedenfalls kam ich alles andere alles euphorisch aus der Halle und es schien mir, als wäre ich nicht der einzige gewesen, der so oder so ähnlich gedacht hat...

Also: Danke Madonna, dass Du in Kölle warst, aber Konzerte können auch besser sein, mitreißen, begeistern und nachhaltig einwirken...dies hast Du leider nicht geschafft, und damit komme ich zu meiner Eingangsfrage an viele anderen Kolumnenschreiberlinge: Haben wir die gleiche Veranstaltung besucht?
13.07.12 10:42 Uhr
Jannes
DANKE für swn Kommentar
Ich kann Madonna-Fan in allen Punkten einfach nur Recht geben!!! Alles stimmt und ist genau auf den Punkt gebracht! Ich kann nur zustimmen und mich bedanken
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