27.10.2010  08:03 Uhr

Verkehr
Aktion zum Thema Anschnallen - Viele Kinder werden im Auto nicht richtig gesichert

Köln/ Bonn. Mit einer speziellen Sicherheitsaktion zum Thema Anschnallen wenden sich unter anderem der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) in Bonn und der Automobilclub AvD an Eltern und Schulen. Die Unfallstatistik zeigt: Nicht als Fußgänger, sondern als Mitfahrer in einem Pkw hätten Kinder das größte Unfallrisiko.

"Dass zwei von fünf Kindern im Auto nicht richtig gesichert werden, entweder im falschen Rückhaltesystem oder ganz ohne Kindersitz mitgenommen werden, ist alarmierend", kritisiert AvD-Vizepräsident Frank-Rainer Nitschke. "Das möchten wir mit dieser Kinder-Sicherheitsaktion und dem Film 'Willi Weitzel hat's geschnallt' ändern", sagt Nitschke.

Der Film wird allen Schulen und der Polizei bundesweit zur Verfügung gestellt. Das Kopieren und Weitergeben für nicht kommerzielle Zwecke ist laut seinen Initiatoren "ausdrücklich erlaubt". Der Clip richtet sich speziell an Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren und deren Eltern und steht zum Download auf der Internetseite m4-tv.com/willi_weitzel.html zur Verfügung. Willi Weitzel ist als Reporter und Moderator aus verschiedenen Kindersendungen öffentlich-rechtlicher Fernsehanstalten bekannt. "Wir wollen mit dem Film die Kinder direkt ansprechen und ihnen zeigen, wie wichtig das richtige Anschnallen ist. Denn nur in Verbindung mit einem altersgerechten Kindersitz und dem richtigen Gurtverlauf wird der Sicherheitsgurt zum Lebensretter Nummer eins", erläutert Alfred Fuhr vom AvD-Institut für Verkehrssoziologie.

Eltern unterschätzen das Risiko häufig

"Glaubst du wirklich, dass du dich festhalten kannst, wenn wir irgendwo dagegen fahren?", fragt Weitzel in dem Film und erklärt, warum der Sicherheitsgurt von so großer Bedeutung ist. Eine Erläuterung, bei der so manche Eltern aufmerksam hinhören sollten. "Viele Eltern unterschätzen völlig das Risiko eines nicht richtig gesicherten Kindes", schildert DVR-Geschäftsführerin Ute Hammer ihre Beobachtungen.

Laut Statistiken werden bei Unfällen jährlich mehr als 10.000 Kinder im Auto verletzt. Im Jahr 2008 erlitten rund 1.000 Kinder als Mitfahrer schwere und schwerste Verletzungen. Eine häufige Ursache ist, dass in der Altersgruppe zwischen sechs und zwölf Jahren außerorts jedes dritte Kind (37 Prozent) und innerorts fast jedes zweite (42 Prozent) nicht mit einem altersgerechten Rückhaltesystem oder gar nicht gesichert ist. In der Altersgruppe bis sechs Jahre ist hingegen nahezu jedes Kind richtig gesichert (98 Prozent).

Ohne Frage ist der Sicherheitsgurt immer noch der Lebensretter Nummer eins - unabhängig von der Ausstattung des Autos mit diversen Airbags. Doch das gilt nur, wenn er richtig angelegt und in einem guten Zustand ist. Damit sich der Gurt rasch straffen kann, muss er außerdem eng am Körper anliegen. Dicke Jacken - insbesondere jetzt während der kalten Jahreszeit - sollten deshalb im Auto ausgezogen werden. Das ist besonders bei Kindern wichtig, denn unter einem zu lockeren Gurt können diese leicht durchrutschen.

Kinder beim Sitzkauf mitnehmen

"Viele Sicherheitsgurte lassen sich für kleinere Kinder nicht ausreichend einstellen", weiß David Bordeaux, Sicherheitsexperte bei TÜV Süd Automotive. "Deshalb sind bis zu einem Alter von zwölf Jahren oder einer Körpergröße von weniger als 1,50 Metern spezielle Zusatz-Rückhaltesysteme Pflicht." Der Tipp des TÜV-Experten: Damit der Sitz auch wirklich passt, sollte das Kind beim Kauf dabei sein. Wichtig ist zudem, dass die Zusatzsicherung richtig und an den dafür vorgesehenen Punkten im Auto befestigt wird. Den Gurt sollte man immer straff ziehen, damit er eng am Körper anliegt. "Befördern Sie Kinder unter 150 Zentimetern selbst bei kurzen Fahrten innerhalb der Ortschaft immer nur in altersgerechten Rückhaltesystemen", rät Moderator Weitzel.

Grundsätzlich, fordert Alfred Fuhr, müsse der Beckengurt unmittelbar vor dem Beckenknochen liegen. Auf keinen Fall dürfe er über den Bauch geführt werden. Zudem gelte: "An der Schulter muss der Gurt über das Schlüsselbein laufen, nicht am Hals und nicht auf der Schultergelenkkugel. Bei Sitzerhöhungen für Junioren muss der Gurt unter den Hörnchen durchlaufen", betont der Fachmann.


 

(Redaktion/ dapd)

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