25.01.2012  10:08 Uhr

Karneval
Jede Jeck is anders - Ein Streifzug durch den deutschen Karneval

Köln. Die "fünfte Jahreszeit" ist angebrochen. Millionen von Menschen stürzen sich bunt verkleidet in das wilde Treiben. Doch vielen sind die historischen Wurzeln des Spektakels nicht mehr bewusst. Oder wissen Sie wo das "Kölle Alaaf" seinen Ursprung hat? Wissenswertes, Interessantes und vieles mehr rund um den Karneval!

So leitet sich der "Rosenmontag" nicht etwa von den gleichnamigen Blumen ab, sondern von "rasen": Direkt vor Beginn der Fastenzeit ("Fastnacht") wollten die Menschen seit alters her das Leben noch einmal auskosten - manchmal bis zur Raserei. Auch der Begriff Karneval könnte einen kirchlichen Bezug haben: Das lateinische "carne vale" heißt nämlich übersetzt "Fleisch, lebe wohl". Möglicherweise weist das Wort Karneval auch weit zurück in die Antike: Schon die Römer zogen zu Festlichkeiten einen Schiffskarren ("carrus navalis") durch die Straßen.

In Deutschland mischten sich germanische, römische und kirchliche Einflüsse - mit recht unterschiedlicher Gewichtung: In der süddeutschen Fasnet sind heidnische Winteraustreibungs- und Fruchtbarkeitsriten noch deutlich spürbar. Dagegen dominieren beim Münchner Fasching vor allem rauschende Ballnächte. Entlang des Rheins tobt der Sitzungs- und Straßenkarneval. Dieser hat sich in seiner heutigen Form in den letzten 190 Jahren entwickelt. So gab es 1823 in Köln weder ein Dreigestirn, noch einen Prinzen, sondern einen "Helden Carneval". Und in Mainz riefen die Narren noch 1934 "Hoch!" oder "Hurra!". Erst 1935 wurde dann "Helau!" gerufen. Das Wort ist möglicherweise eine Verballhornung des kirchlichen Halleluja. Demgegenüber leitet sich "Kölle Alaaf!" von "Coellen all aff!" ("Köln über alles!") ab.

Hintergründiges zum Karneval

"Herr P-P-Präsident de Woosch!" So klingt es dieser Tage im Kölner "Hänneschen-Theater", wenn statt eines Karnevalordens stolz ein Kringel Blutwurst präsentiert wird. Das Puppenspiel am Eisenmarkt im Zentrum der Domstadt führt jedes Jahr seine eigene Karnevalssitzungen auf - wochenlang. Und wie immer sind alle Vorstellungen innerhalb weniger Stunden ausverkauft. Auch für entsprechende Veranstaltungen in der Oper und selbst in der bis zu 20.000 Besucher fassenden "Kölnarena" reichen mehr als ein Dutzend Termine häufig nicht aus, um die Nachfrage zu befriedigen.
Köln lebt sein Motto "Jede Jeck is anders" wahrlich aus: Da gibt es natürlich international bekannte Attraktionen wie den Rosenmontagszug, einen Lindwurm von über sechs Kilometern Länge mit Tausenden von Teilnehmern und Hunderttausenden von Zuschauern. Und selbstverständlich werden die Schwerpunkte des Straßenkarnevals am "Wieverfastelovend", dem Karnevalsdonnerstag, wieder völlig überfüllt sein. Da tobt es in der Altstadt genauso wie im Studentenviertel rund um die Zülpicher Straße, im südlichen "Vringsveedel", am Friesenplatz oder in Ehrenfeld. Manchem ist es in den letzten Jahren etwas zu heftig und alkohollastig geworden - weshalb dem Nicht-Kölner empfohlen sei, sich einem ortskundigen Bekannten oder Freund anzuschließen.

Daneben gibt es eine Reihe von ganz unterschiedlichen Möglichkeiten, am Kölner Karneval teilzunehmen: Der professionelle Männergesangverein "Cäcilia Wolkenburg" hat beispielsweise über Wochen die Oper fest im Griff und führt ein karnevalistisches Singspiel in kölscher Sprache auf. In der "Kölnarena" finden sich allabendlich Zigtausende zusammen, um den musikalischen Stars des Karnevals einen Abend lang zuzuhören. Wobei "zuhören" eigentlich das falsche Wort ist, weil sie die Texte ohnehin alle kennen, mitsingen, die Lieder zelebrieren - ein wogendes Meer schunkelnder Menschen. Natürlich gibt es seit den 80ern den alternativen Karneval mit seinen "Stunksitzungen". Der sogenannte Geisterzug am Karnevalssamstag fällt dieses Jahr wegen zu hoher Auflagen leider aus - offiziell zumindest.


 
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Bild Nr. 1 © Henning Kaiser/ ddp



 


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