Brauchtum
Das Phänomen Liebesschlösser an der Hohenzollernbrücke
Ummut regte sich als die Deutsche Bahn die schlösser entfernen lassen wollte
«Auch Familienschlösser und Schlösser von Vereinen habe ich schon entdeckt», erzählt Hänel. Vermehrt widmen die Passanten auch ihren Freunden ein platonisches «Liebesschloss». «Die schnelle Abänderung des noch recht neuen Brauchs wirft auch ein Blick auf unsere moderne und individualisierte Gesellschaft», findet Hänel und fügt hinzu, «soziale Bindungen sind uns nach wie vor sehr wichtig. Neben dem Partner und der Familie nehmen aber auch der Sportverein oder Freundschaften vermehrt einen großen Platz im Leben ein.»
Unmut regte sich in der Kölner Bevölkerung daher auch, als die Deutsche Bahn als Besitzer des Zauns ankündigte, die Liebessymbole aus Sicherheitsgründen entfernen zu wollen. Inzwischen sieht die Bahn die stetig wachsende Zahl der «Liebesschlösser» gelassener. Die Statik des massiven Eisenzauns oder gar der Brücke sei jedenfalls nicht gefährdet, merkte ein Bahnsprecher an: «Die Hohenzollernbrücke ist eine der am stärksten befahrenen Eisenbahnbrücken Europas. Da sind ein paar Kilogramm Metall mehr oder weniger egal».

"Zunächst waren es nur etwa zehn, aber dann wurden es stets mehr", erzählt Dagmar Haenel vom Landschaftsverband Rheinland.
Brauch hat sich nun auch im Ruhrgebiet verbreitet
Auch das städtische Umweltamt und das Dezernat für Wasserwirtschaft der Kölner Bezirksregierung fürchten durch die großen Mengen der in den Rhein geworfenen Metallschlüssel keine relevanten Eingriffe in das Ökosystem des Flusses. «Ein altes Fahrrad im Rhein wiegt mehr als tausend Schlüssel», rechnete das städtische Umweltamt vor. Zudem werden die Schlüssel laut Bezirksregierung mit der Strömung weggetragen.
Allerdings soll das Gewicht der «Liebesschlösser» laut Volkskundlerin Hänel in Italien schon einen Laternenpfahl zum Umstürzen gebracht haben. In Riga, Kaliningrad, Sibirien und China soll es ähnliche Bräuche mit «Liebesschlössern» geben. Auch an einer kleinen Holzbrücke im niedersächsischen Hitzacker an der Elbe sollen Schlösser befestigt sein, wie Hänig sagt.
Der Brauch hat sich nun auch auf das Ruhrgebiet ausgebreitet. «Am Aussichtsturm Tetraeder in Bottrop und im Gasometer Oberhausen hängen seit kurzem erste Schlösser», berichtet Hänel. Dies sei eine weitere Abwandlung des Brauchs, denn normalerweise gehöre dazu, dass der Schlüssel von einem Gewässer weggetragen werde. Ob mit oder ohne Fluss in der Nähe - in jedem Fall will die Forscherin die weitere Verbreitung des «Liebesschlösser»-Brauchs im Kulturhauptstadtjahr genau untersuchen.
Die Kölner Band "Höhner" haben den Liebesbeweis sogar ein Lied ("Schenk mir dein ganzes Herz"), sowie eine komplette Kampagne bis zum Valentinstag am 14.02.2010 unter www.schenk-mir-dein-herz.de gewidmet! Hier können Paare Videos von ihren Anbringen des Schlosses an der Hohenzollernbrücke hochladen, bewerten lassen und Preise gewinnen. Außerdem können virtuelle Herzen an die Liebsten als E-Cards online versendet werden. Am Besten reinklicken und sich weitere Informationen direkt ansehen. Der song kann hier übrigens auch angehört werden. Viel Spaß!
(Redaktion)
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Bild Nr. 1, 2, 3 © Henning Kaiser/ ddp
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