26.01.2010  12:12 Uhr

Brauchtum
Das Phänomen Liebesschlösser an der Hohenzollernbrücke

Köln. Im Sommer 2008 tauchten die ersten «Liebesschlösser» auf der Kölner Hohenzollernbrücke auf. Eine Forscherin vom Landschaftsverband Rheinland rätselt nun über diesen neuen Brauch - bei dem sich bereits über 1000 Paare sich die Treue schworen - und erforscht dieses Phänomen seit einiger Zeit.

« Zunächst waren es nur etwa zehn, aber dann wurden es mehr», erzählt Dagmar Hänel vom Landschaftsverband Rheinland (LVR). Die Volkskundlerin erforscht seit einiger Zeit das Phänomen: Auf einfache Vorhängeschlösser ritzen Pärchen aus aller Welt ihre Namen und knipsen die Schlösser dann als Treuesymbol an einem Zaun fest, der auf der Eisenbahnbrücke die Schienen vom Fußgängerweg trennt. Der gemeinsam in den Rhein geworfene Schlüssel soll die Ewigkeit der Liebe besiegeln.

Rund tausend «Liebesschlösser» in allen Farben und Größen hängen nach Schätzungen des LVR inzwischen auf der Brücke in unmittelbarer Nähe zum Kölner Dom. Woher der Brauch kommt und warum er sich gerade auf dieser Brücke Kölns so ausgebreitet hat, ist auch für Hänel nach wie vor ein Rätsel. «Es könnte sich um die Abwandlung eines Brauchs von Absolventen des italienischen Militärs handeln», sagt die Kulturwissenschaftlerin, die bereits viele Bücher zu dem Thema durchforstet und auch bei ausländischen Volkskundlern angefragt hat.

In Rom sind die Liebesschlösser «amorchetti» bekannt

Auf einfachen Vorhängeschlössern ritzen Pärchen aus aller Welt ihre Namen ein und knipsen sie als Treueschwur-Symbol an einem Zaun fest, der auf der Eisenbahnbrücke die Schienen vom Fussgängerweg trennt. , Copyright: Henning Kaiser/ ddp
Auf einfachen Vorhän­ge­schlössern ritzen Pärchen aus aller Welt ihre Namen ein und knipsen sie als Treueschwur-Symbol an einem Zaun fest, der auf der Eisenbahn­brücke die Schienen vom Fussgängerweg trennt.

In Florenz bringen junge Militärakademie-Absolventen demnach die Vorhängeschlösser ihrer ehemaligen Spinde an Brücken an, um ihre neugewonnene Freiheit zu symbolisieren. Wie dann aber der Bezug zur Liebe entstanden ist, ist unklar. In Rom sind die auf Italienisch als «amorchetti» bekannten «Liebesschlösser» laut Hänel jedenfalls bereits seit den 90er Jahren bekannt. Dort hängen an der Milvischen Brücke inzwischen ungezählte Vorhängeschlösser.

«Hier in Köln haben ursprünglich Frischverliebte in der Hoffnung auf den ewigen Erhalt ihrer Gefühle ein gewöhnliches Schloss an die Brücke gehängt. Oftmals haben sie dabei eher spontan ihre Initialien und ein Datum eingeritzt», sagt Hänel. Inzwischen finden sich jedoch auch Schlösser zu Beziehungsjubiläen und Hochzeitstagen auf der Brücke. Oftmals sind sie professionell vorgraviert, in knalligen Farben gehalten und manche sogar mit einem Foto versehen.


 
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Fotokennzeichnung:
Bild Nr. 1, 2 © Henning Kaiser/ ddp



 


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