Kunst
Gerhard Richter denkt nicht ans Aufhören
Köln. Der Maler Gerhard Richter wird nach Expertenansicht trotz seines Alters noch über Jahre weitere Kunstwerke schaffen. "Eigentlich arbeitet man als Künstler doch immer, weil es kein Brotberuf ist", sagte der Leiter des Gerhard-Richter-Archivs und Vertraute des Künstlers, Dietmar Elger, im Interview.

Der Künstler Gerhard Richter selbst hat in den 1960er Jahren die Programmlosigkeit zu seinem Konzept erhoben. "Ich mag alles, was keinen Stil hat", soll Gerhard Richter damals in seinen Notizen festgehalten haben. Eine große Richter-Retrospektive in den 90ern kommentierten Kritiker mit den Worten, die Schau könnte auch ganz verschiedene Künstler zeigen. Der 1932 in Dresden geborene Maler, der mit 16 die Schule verlassen hatte, dann mit Laienspielzirkeln über die Dörfer zog und zunächst Bühnenmaler wurde, hat von fotorealistischen Arbeiten über Stadt-und Landschaftsmotive bis zu farbigen Abstraktionen alles in seinem Repertoire - und erzielt bei internationalen Auktionen Rekordpreise.
"Niemand, der Gerhard Richter kennt, glaubt, dass er schon 80 wird." Er gehe weiterhin jeden Tag ins Atelier. Zurückgefahren habe der weltweit gefeierte Gegenwartskünstler sein Pensum nicht. "Er ist immer noch so wie vor 20 Jahren." Künstlerisch tätig sei man sein ganzes Leben.
Richter, der mit seinen Gemälden in regelmäßigen Abständen Rekordpreise erzielt, wird am 9. Februar 80 Jahre alt. Der in Köln lebende Maler hat sich weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen.

Vielen Kölnern und Touristen ist Gerhard Richter durch sein Werk in Kölns Wahrzeichen bekannt. Das von Gerhard Richter gestaltete Südquerhausfenster im Kölner Dom ist 106 Quadratmeter groß und besteht aus 11.263 Farbquadraten.
Nach Ansicht von Elger ist Richter einer der letzten Künstler seiner Art. "Es gibt nicht mehr so viele Künstler, die sich hauptsächlich als Maler verstehen", sagte der Richter-Biograf. "Richter hat immer diese Position eines traditionellen Malers hochgehalten." Viele griffen heute auf Multimedia und alle möglichen Stile zurück. "Richter ist als Maler ausgebildet. Das ist es, was er beherrscht."
Richter sei immer innovativ gewesen. "Es ist ein Werk ohne Spätwerk." Andere Künstler würden schon nach fünf Jahren anfangen, ihr Werk zu repetieren und sich in Variationen zu erschöpfen. "Richter hat über Jahrzehnte immer wieder neue Ansätze gefunden und neue Werkgruppen und Fragestellungen entwickelt."

Die Installation "4900 Farben" des Künstlers Gerhard Richter, in der Neuen Nationalgalerie in Berlin während der Aufbauarbeiten zur Ausstellung "Panorama" von Gerhard Richter. Zu Gerhard Richters 80. Geburtstag am 9. Februar 2012 zeigt die Neue Nationalgalerie in Berlin die Ausstellung "Panorama". Richter selbst wird die Schau am 10. Februar 2012 vorstellen. Gezeigt werden ab 12. Februar etwa 140 Gemälde, die in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler ausgewählt wurden und Einblick in sein vielseitiges Werk bieten.
Nach Angaben des Archivleiters hat Richter bislang 3.000 Bilder gemalt. Sein erstes Bild verkaufte er 1964 für 450 DM. Bei einer Auktion im vergangenen November brachte ein abstraktes Richter-Gemälde etwa 15 Millionen Euro ein. "Richter findet es selbst erstaunlich bis absurd, was in den Auktionen für Preise erzielt werden und kann das kaum nachvollziehen", sagte Elger.
Der Biograf kritisierte die Museumslandschaft in Nordrhein-Westfalen, weil Richter weder in Düsseldorf, wo er 26 Jahre lang lehrte, noch an seinem Wohnort Köln zum Geburtstag eine große Ausstellung gewidmet wird. "Er ist schon zum 70. Geburtstag 2002 nicht in NRW gewürdigt worden." Das Bundesland habe die Chance vertan, 2012 zum 80. Geburtstag eine Retrospektive zu veranstalten. Richter wird in diesem Jahr mit Ausstellungen in Berlin und Dresden gefeiert.
(Redaktion / dapd)
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