19.10.2011  14:20 Uhr

Sankt Martin
Laternen, Gesang und Gänse

Köln. Der 11. November ist Martinstag, der dem heiligen Martin geweiht ist. Am Abend laufen Kinder mit ihrer Laterne und singen dabei: "Dort oben leuchten die Sterne, hier unten leuchten wir". Bei Martinsumzügen führt oft ein als Heiliger Martin verkleideter Reiter den Zug an. CityNEWS hat Rezept- und Bastelideen für Sie.

Zurück geht die Tradition auf Martin von Tours, der um 316 in Savaria (heute das ungarische Szombathely) in der römischen Provinz Pannonien geboren wurde. Mit 15 Jahren trat er in die römische Armee unter den Kaisern Constantin und Julian ein. Er wandte sich dem Christentum zu und es kam zu einer Begebenheit, die bis heute erzählt wird. Dieser Legende nach soll Martin als 18-jähriger Soldat in einem strengen Winter hoch zu Pferd am Stadttor von Amiens in der Provinz Gallien (heute Frankreich) einen erbärmlich frierenden Bettler getroffen haben. Martin teilte seinen Mantel mit dem Schwert und gab eine Hälfte dem Armen.

In der darauf folgenden Nacht soll ihm Jesus im Traum erschienen sein, der das Mantelstück trug und sagte: "Was du diesem Bettler gegeben hast, das hast du mir getan." Kurz danach schied Martin aus der Armee aus, ließ sich taufen und begab sich zu Bischof Hilarius nach Poitiers, um bei ihm zu lernen. Im Jahr darauf gründete er in Ligugé das erste christliche Kloster des Abendlandes. Nachdem in Tours der Bischof gestorben war, wählte das Volk den asketisch lebenden Mönch gegen seinen Willen zu dessen Nachfolger. Am 8. November 397 starb Martin.

Seine Beerdigung am 11. November wurde zu seinem Namenstag - dem übrigens auch der am 10. November 1483 geborene Martin Luther seinen Namen verdankt. Der Heilige Martin ist neben dem Heiligen Nikolaus einer der wenigen Heiligen, deren Namenstage mit einem besonderen Fest begangen werden. Das hat nicht nur mit der großen Popularität des Heiligen zu tun, sondern auch der Terminierung seines Gedenktages. Denn an Martini endete in früheren Zeiten traditionell das bäuerliche Arbeitsjahr, die Ernte war eingefahren, die Weinlese und die Gänsemast beendet. Auch der Pachtzins war an diesem Tag fällig, und für Knechte und Mägde begann ein neues Dienstjahr bei einem neuen Dienstherrn. Für den Marsch dorthin erhielt das Gesinde die Martinsbrezel mit auf den Weg.

Der Kreativität sind beim Basteln keine Grenzen gesetzt., Copyright: pixelio.de / Dieter Schütz
Der Kreativität sind beim Basteln keine Grenzen gesetzt.

Vor dem Hintergrund, dass noch bis ins 20. Jahrhundert hinein an Martini die 40-tägige Adventsfastenzeit begann, wurde am Vorabend ausgelassen gefeiert und gut gegessen, nicht zuletzt die "Martinsgans". An diese Feierlichkeiten zu Beginn der langen Fastenzeit erinnert uns heute nur noch der pompöse Beginn des Karnevals.

Die Legenden von der Martinsgans

Als Brauch ist heute am Martinstag vor allem das traditionelle Gansessen verbreitet. Gern wird erzählt, dass es seinen Ursprung in einer Legende über Martins Leben habe: Entgegen seinem eigenen Willen und trotz Vorbehalts des Klerus drängte das Volk von Tours darauf, Martin zum Bischof zu weihen. In seiner Bescheidenheit hielt er sich jedoch einer solch großen Verantwortung für unwürdig und habe sich deshalb in einem Gänsestall versteckt. Die Gänse jedoch hätten so aufgeregt geschnattert, dass Martin gefunden wurde und geweiht werden konnte. Diesen "Verrat" muss das Federvieh nun jedes Jahr vor dem Martinstag bitter büßen. Es landet seitdem - lecker zubereitet - am 11. November auf dem Tisch.

Einer anderen Erzählung zufolge griffen die Bürger von Tours zu einer List, um Martin aus seinem Versteck zu locken. Ein Bauer sei zu dem bescheidenen Mann gegangen und habe diesen gebeten, seine kranke Frau zu besuchen. Hilfsbereit, wie Martin nun einmal war, habe er seine Sachen genommen und den Bauern nach Hause begleitet. Wahrscheinlich sah er ziemlich schmutzig aus - als habe er eine Zeit lang in einem Gänsestall gelebt. Eine weitere Geschichte besagt, dass eine schnatternde Gänseschar in den Kirchraum gewatschelt sei und Bischof Martin bei seiner Predigt unterbrochen habe. Sie sei gefangen genommen und zu einer Mahlzeit verarbeitet worden. 

Viel wahrscheinlicher als all diese Legenden dürfte allerdings ein anderer Umstand der Ursprung für die Martinsgans sein. Denn in Zeiten des Lehnswesens war am Martinstag eine Lehnspflicht - eine Abgabe namens Martinsschoß - fällig. Da diese häufig aus einer Gans bestand, bildete sich die Bezeichnung Martinsgans heraus, und weil der Martinstag traditionell mit einer Kirmes oder einem Tanzmusikabend gefeiert wurde, bot es sich an, die Gans zum Festessen zu machen und an diesem Abend festlich zu verspeisen. Traditionell wird die Gans in Deutschland mit Rotkohl und Semmelknödeln oder Kartoffelklößen gegessen.


 
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Bild Nr. 1 © Lilo Kapp / pixelio.de
Bild Nr. 2 © pixelio.de / Dieter Schütz
Bild Nr. 3 © frechverlag / djd



 


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