Community will CSD in Köln nach KLuST-Insolvenz retten – CSD-Demo 2017 findet statt – „ColognePride“ (vorerst) Geschichte

Community will CSD in Köln nach KLuST-Insolvenz retten - "ColognePride" (vorerst) Geschichte - copyright: pixabay.com
Community will CSD in Köln nach KLuST-Insolvenz retten – „ColognePride“ (vorerst) Geschichte
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Am Dienstag, 14.02.2017 hatte der Verein „Kölner Lesben- und Schwulentag e.V.“ (KLuST) beim Amtsgericht Köln Insolvenz eingereicht,  dass das Straßenfest rund um den CSD in Köln stattfinden kann, ist nicht hundertprozentig sicher. Doch eine Community um die Kölner Aidshilfe und rubicon e.V. will den Christopher Street Day, der vom 7. – 9. Juli 2017 stattfinden soll, retten.

„Es ist so, als wäre der Verein im Wachkoma – aber es lebe der CSD“

Im Dezember waren große finanzielle Probleme beim KLuST bekannt geworden. Der KLuST hatte zuvor insbesondere die Organisation des Straßenfestes rund um die große Parade zum Christopher Street Day übernommen. Nach dem eingereichten Insolvenzantrag sind allerdings die bisherigen Planungen nicht mehr gültig. Eine Gemeinschaft, bestehend aus der Aidshilfe Köln, rubicon e.V. und anderen Beteiligten hat sich bereiterklärt den diesjährigen Christopher Street Day zu planen und durchzuführen. Doch die neuen Organisatoren müssen in nur wenigen Wochen den gesamten Event auf die Beine stellen und müssen bei null anfangen.

Schnell Klarheit schaffen

Auf den Schultern von Patrik Maas, Michael Schumacher, Beate Blatz, Markus Donatus, Sabine Arnolds und Matthias Eiting (v.l.n.r.) ruht nun die Hoffnung, dass das Straßenfest rund um den CSD auch wirklich stattfinden kann. copyright: CityNEWS / Christian Esser
Auf den Schultern von Patrik Maas, Michael Schumacher, Beate Blatz, Markus Donatus, Sabine Arnolds und Matthias Eiting (v.l.n.r.) ruht nun die Hoffnung, dass das Straßenfest rund um den CSD auch wirklich stattfinden kann.
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Kurzfristig hatte die Kölner Aidshilfe zu einer Pressekonferenz am Abend geladen, um Medienvertreter über die aktuelle Situation rund um den CSD zu informieren. Auf den Schultern von Michael Schuhmacher (Aidshilfe Köln), Dr. Beate Blatz (rubicon), Patrik Maas (Geschäftsführer der Aidshilfe NRW), Sabine Arnolds, Matthias Eiting und Markus Danuser ruht nun die Hoffnung, dass das Straßenfest rund um den CSD 2017 auch wirklich stattfinden kann. Denn auch dieses Jahr planen wieder hunderttausende Gäste einen Besuch der Domstadt am Christopher Street Day, ganz abzusehen von den vielen Kölnern.

Die vielleicht größte Baustelle, der sich die Community stellen muss, ist die Finanzierung des Straßenfests zum CSD im Juli. Dabei erhoffen sie sich auch Hilfe aus der Politik. „Die Stadt ist auch in der Verantwortung. Wir hoffen, auf eine Anschubfinanzierung aus der Politik – aber ohne, dass sie eine Einflussnahme ausübt“, meint Markus Danuser. Dieses Jahr würden unter anderem eine Landtagswahl in NRW und eine Bundestagswahl stattfinden und es wäre schade, wenn die Politik bei diesem Event, mit dem sich auch die Stadt schmücken kann, nicht helfen würde. Denn die Frage der Finanzierung muss die Gemeinschaft schnell beantworten. „Es bleiben dafür nur zwei Wochen Zeit, dann muss die Finanzierung stehen“, weiß Michael Schuhmacher von der Aidshilfe Köln. Eigene Geldmittel kann die Community nicht bereitstellen. Sie ist zwingend auf die Unterstützung durch Sponsoren angewiesen.

Community sicher, dass das Straßenfest stattfindet

Auf der Heumarkbühne beim CSD-Straßenfest in Köln standen schon Künstler wie Conchita Wurst - copyright: ColognePride
Auf der Heumarkbühne beim CSD-Straßenfest in Köln standen schon Künstler wie Conchita Wurst
copyright: ColognePride

Die Community ist sehr optimistisch, dass das Straßenfest auch dieses Jahr in der gewohnten Qualität stattfinden kann. Eine dauerhafte Lösung auch für künftige CSDs ist dies aber nicht. „Wir müssen jetzt kurzfristig Lösungen erarbeiten“, sagt Sabine Arnolds, die zusammen mit Danuser die operative Ebene begleiten wird. Dabei geht es um die Finanzierung, die Koordination von Helfern und die weitere Planung mit Ständen. Wie künftige Christopher Street Days geplant werden sollen, ist bislang noch nicht bekannt. „Hier braucht es eine dauerhafte Lösung. Jetzt gilt es aber die Organisation für dieses Jahr zu sichern“, sagt Beate Blatz (rubicon e.V.).

Viele Fragezeichen rund ums CSD-Straßenfest

Michael Schuhmacher (Kölner Aidshilfe), erklärt wie der CSD gerettet werden soll. - copyright: CityNEWS / Christian Esser
Michael Schuhmacher (Kölner Aidshilfe), erklärt wie der CSD gerettet werden soll.
copyright: CityNEWS / Christian Esser

Der Kölner CSD ist eine Veranstaltung, die sich mit gesamten Rahmenprogramm im letzten Jahr über gut zwei Wochen erstreckt hat. Mit dem Highlight-Wochenende um Straßenfest und großer Demonstration quer durch die Kölner Innenstadt am Sonntag, die seit 1991 regelmäßig stattfindet, geht das Event dann in die finale Phase. Die CSD-Demonstration findet in jedem Fall dieses Jahr statt. Diese (von vielen auch „Parade“ genannt) ist bis zum Jahr 2030 von einer Privatperson jährlich angemeldet worden. „Das Straßenfest gehört einfach zum CSD dazu und ist auch aus organisatorischen Gründen sehr wichtig“, weiß Michael Schuhmacher.

Wie groß und in welchem Umfang das diesjährige Straßenfest stattfinden wird, ist bislang noch nicht bekannt. „Es wird sicher wieder viele Stände und Bühnen geben. Aber ob es genauso viel wird, wie im letzten Jahr, wissen wir noch nicht. Vielleicht wird es dieses Jahr auch etwas kleiner“, versucht Schuhmacher zu prognostizieren.

Änderungen wird es in jedem Fall geben. Der Name ColognePride wird in diesem Jahr nicht mehr auftauchen. Der gehört zur Insolvenzmasse des KLuSTs. Unter dem „Dachlabel“ ColognePride wurde nach dem EuroPride 2002 das große Rahmenprogramm (über 100 Veranstaltungen) gefasst, welches sich über einen Zeitraum von zwei Wochen erstreckt und dessen Höhepunkt das abschließende CSD-Wochenende mit dem dreitägigen Straßenfest im Herzen der Kölner Altstadt und der CSD-Demonstration durch die Kölner Innenstadt bildet. Die Facebook-Seite ist mittlerweile nicht mehr verfügbar und auch auf der Homepage tut sich zur Zeit scheinbar nichts.

Ob es solch ein CSD-Straßenfest wie es in den vergangenen Jahren gebt wird ist noch unsicher. - copyright: ColognePride / Viktor Vahlefeld & Volker Glasow
Ob es solch ein CSD-Straßenfest wie es in den vergangenen Jahren gebt wird ist noch unsicher.
copyright: ColognePride / Viktor Vahlefeld & Volker Glasow

Daran, dass das Straßenfest zum Christopher Street Day auch dieses Jahr stattfinden wird, zweifelt bei den jetzt eingesprungenen Helfern keiner. Eine hundertprozentige Garantie für ein Straßenfest konnte allerdings nicht abgeben werden.

KLuST- „ein Patient im Wachkoma“

Das finanzielle Desaster beim KLuST hatte sich bereits seit mehreren Monaten angebahnt. Im Dezember 2016 war auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung durch den Vorstand verkündet worden, dass der Verein in eine finanzielle Schieflage geraten sei. Auch konnten manche Fehlbeträge in den Bilanzen nicht aufgeklärt werden. Nachdem auch die Rettung durch die Hilfe eines vierköpfigen Leitungsteams nicht klappte, folgte nun die Insolvenz am Dienstagvormittag (14.02.2017).

„Es ist so, als wäre der Verein (Anm. d. Red.: KLuST) im Wachkoma – aber es lebe der CSD“, brachte Patrik Maas von der Aidshilfe NRW es auf den Punkt.