Besser Essen in Köln: Deutschlands erster Ernährungsrat gegründet

Besser Essen in Köln: Deutschlands erster Ernährungsrat gegründet copyright: Sandor Somkuti  / pixelio.de
Besser Essen in Köln: Deutschlands erster Ernährungsrat gegründet
copyright: Sandor Somkuti / pixelio.de

In Köln hat sich Deutschlands erster Ernährungsrat gegründet. Das 30-köpfige Gremium soll eine Ernährungsstrategie für die Millionenstadt erarbeiten. Initiiert wurde der Rat vom Verein Taste of Heimat, der sich deutschlandweit für eine regionale, nachhaltigere Lebensmittelversorgung einsetzt.

Ernährungsräte sind als „Food Policy Councils“ – Experten- und Beratungsgremien für eine regionale Ernährungspolitik – bereits in vielen Städten und Gemeinden im englischsprachigen Raum aktiv. Nun hat erstmals ein Ernährungsrat in Deutschland die Arbeit aufgenommen. Zu den 30 Mitgliedern gehören Landwirte, GastronomInnen, Lebensmittelhersteller, VertreterInnen von Initiativen und engagierte BürgerInnen, aber auch zehn VertreterInnen aus Politik und Verwaltung. In einem breiten Bündnis soll die Lebensmittelversorgung in Köln nachhaltiger gestaltet werden.

Zugang zu regional und nachhaltig produzierten Lebensmitteln

Mehr Kölnerinnen und Kölner sollen einen Zugang zu regional und nachhaltig produzierten Lebensmitteln erhalten. „Dies darf keine Frage des Geldes sein, sondern des Wissens und der Bezugsmöglichkeiten“, erklärt Taste of Heimat-Vorstand Katharina Schwartz. Deshalb fördere der Ernährungsrat unter anderem Bildungsangebote und Direktvermarktungsinitiativen. „Die Zusammenhänge zwischen unserem Kaufverhalten und den Produktionsbedingungen von Lebensmitteln müssen allen klar sein. Denn wir beeinflussen mit unserer Kaufentscheidung, ob die wenigen noch verbliebenen kleinbäuerlichen Betriebe in einigen Jahren noch existieren oder nicht.“

„Über unser Essen wird in Konzern-Zentralen und europäischen Behörden entschieden, immer weiter weg von uns“, erklärt der Kölner Taste of Heimat-Initiator und Dokumentarfilmer Valentin Thurn („10 Milliarden“). „Wir wollen das wieder in unsere Hände nehmen und auf lokaler Ebene nachhaltige Strukturen in der Landwirtschaft unterstützen.“

Der Ernährungsrat für Köln und Umgebung will unter anderem Verbindungen zwischen den Landwirten aus dem Umland und den Städtern stärken. Biokreis-Bauer Peter Schmidt vom Klosterhof Bünghausen in Gummersbach, Mitgründer der Regionalvermarktung „bergisch pur“, engagiert sich für „intensivere Kontakte zwischen Kundschaft und Landwirten und besseres gegenseitiges Verständnis“.

Für Ernährungsratsmitglied Peter Zens, Landwirt auf dem Erlebnisbauernhof Gertrudenhof in Hürth, ist das Thema Ernährungsbildung zentral: „Ich möchte mit meinem Engagement dafür sorgen, dass sich etwas in den Kindergärten und Schulen tut. Unsere Kinder sollen durch aktives Mittun wieder einen Bezug zu Lebensmitteln und zum Thema Ernährung bekommen.“

Der Kölner Ernährungsrat wird von nun an viermal im Jahr zusammentreten und soll Politik und Verwaltung in Fragen rund um das Thema Ernährung beraten. Vier Ausschüsse, in denen sich BürgerInnen, UnternehmerInnen und Initiativen engagieren können, entwickeln seit einem Jahr Ideen und verbindliche, messbare Ziele, wie z.B. mehr Schul- und Gemeinschaftsgärten, regionale Produkte in Großküchen oder die Entwicklung neuer Verkaufsräume. Die Ausschüsse stehen Interessierten zur Mitarbeit offen (Kontakt und Anmeldung über Taste of Heimat e.V.).

Bereits im Vorfeld erfährt das Gremium breite Unterstützung. An der Gründungsveranstaltung am Montagabend im Historischen Kölner Rathaus nahmen Nordrhein-Westfalens Umwelt- und Verbraucherschutzminister Johannes Remmel, Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker und mehr als 200 Gäste teil.

Weitere Informationen unter: www.tasteofheimat.de

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