Beruf
Noch einmal mit viel Schwung - Ältere Jobsuchende brauchen eine Extraportion Motivation
Köln. Mit 49 denken die wenigsten bereits daran, sich zur Ruhe zu setzen. Doch wer mit um die 50 seinen Job verliert, hat es mitunter bereits schwer, noch einmal eine neue Anstellung zu finden.

Mit 49 denken die wenigsten bereits daran, sich zur Ruhe zu setzen. Doch wer mit um die 50 seinen Job verliert, hat es mitunter bereits schwer, noch einmal eine neue Anstellung zu finden.
«Ältere Arbeitssuchende sind oft pessimistisch und glauben, dass kein Arbeitgeber ihnen noch eine Chance geben würde», sagt Jürgen Hesse vom Büro für Berufsstrategie in Berlin. Um auf dem Jobmarkt zu bestehen, müsse man sich jedoch von diesen Ängsten lösen und die Arbeitssuche motiviert anpacken.
Zwar hätten viele Arbeitgeber in Bezug auf ältere Bewerber tatsächlich diverse negative Vorurteile - «Ältere gelten bei den Chefs als unflexibel, unbelehrbar, unmotivierbar, unbezahlbar und ungesund», fasst Hesse die wenig schmeichelhaften Klischees zusammen. Allerdings ließen sich diese angestaubten Vorstellungen meist leicht widerlegen: «Wer mit um die 50 einen neuen Job sucht, ist beispielsweise oft bereit, im Vergleich zu seinem früheren Gehalt Abstriche zu machen», sagt der Experte. Es sei daher empfehlenswert, in Bewerbungsanschreiben auch gleich Gehaltswünsche anzugeben, damit der Arbeitgeber hier Klarheit hat.
Zudem können ältere Bewerber mit wichtigen Vorteilen punkten: «Sie haben durch ihre Berufserfahrung ein großes Know-how, sind in der Lage, das Wesentliche zu erkennen und Dinge auf den Punkt zu bringen», betont Jürgen Hesse. Außerdem seien Ältere oft gelassener, toleranter - und überaus motiviert: «Wer mit um die 50 auf Jobsuche geht, will es allen und sich selbst noch einmal zeigen!»
Hesse empfiehlt älteren Bewerbern, erst einmal in ihrer bisherigen Branche nach Stellen Ausschau zu halten. «Wer sich bei der Konkurrenz des bisherigen Arbeitgebers bewirbt, kann dort mit seinem Fachwissen punkten», betont der Experte. Der Stuttgarter Bewerbercoach Heiko Lüdemann rät Betroffenen außerdem, persönliche Kontakte innerhalb der Branche zu aktivieren. «So ein Netzwerk sollte man idealerweise noch während der Berufstätigkeit gepflegt haben, um nun darauf zurückgreifen zu können», sagt Lüdemann. Auf branchenrelevanten Messen und Tagungen und in Online-Businessnetzwerken könne man außerdem nach ehemaligen Kollegen suchen und diese kontaktieren.
Wichtig ist, dass auch ältere Kandidaten bei ihren Bewerbungen die neuesten Gepflogenheiten berücksichtigen. «Nicht nur der Stil der Bewerbungen hat sich in den letzten Jahren stark geändert, auch der Anspruch der Arbeitgeber an Kandidaten ist ein anderer», sagt Jürgen Hesse. Der Karriereexperte empfiehlt Betroffenen daher, sich erst einmal intensiv in die Bewerbungsthematik einzuarbeiten. «Dafür sollte man sich ruhig Unterstützung holen. Ratgeberliteratur, Freunde oder auch professionelle Coachs können hier weiterhelfen», sagt Hesse. Neuerungen wie beispielsweise die Jobsuche per Internet könne man sich vielleicht von den eigenen Kindern erklären lassen. «Man muss diese Lernprozesse als Herausforderung ansehen», sagt Jürgen Hesse: «Das ist ähnlich wie mit einem neuen Fernseher: Mit dem muss man sich auch erst einmal auseinandersetzen, bis man sich damit auskennt.»
Als Nächstes gilt es, die Bewerbungsunterlagen auf den neuesten Stand zu bringen. «Der erste Blick des Empfängers geht immer aufs Foto», sagt Hesse. Man sollte darauf sportlich und sympathisch wirken - «aber keiner muss 20 Jahre jünger aussehen». Im Lebenslauf wird der Werdegang chronologisch absteigend aufgeschrieben. «An oberster Stelle sollte die Position stehen, die man zuletzt innehatte», sagt Hesse. Dabei sei es wichtig, das bisherige Aufgabenfeld und wichtige Erfolge auch in wenigen Zeilen zu beschreiben.
«Personaler lesen sich meist nicht die ganze Bewerbung durch, sondern scannen sie gezielt nach Highlights», betont Bewerbercoach Heiko Lüdemann. Ältere Bewerber hätten jedoch meist jede Menge Berufserfahrung und Kompetenzen gesammelt. «Anstatt alles in eine riesige Liste zu packen, sollte man genau auswählen, welche Stationen für die ausgeschriebene Stelle relevant sind, betont Lüdemann. Diese Positionen könne man durch umfassendere Beschreibungen herausarbeiten - unrelevante Jobs hingegen vermerke man nur aus Gründen der Chronologie kurz mit Datum. Schulungen, die nichts mit den Stellenanforderungen zu tun haben, könne man getrost ganz weglassen.
Ältere Bewerber sollten in ihrer Bewerbung einerseits deutlich machen, dass sie mit Stolz auf ihren Werdegang zurückblicken, fasst Jürgen Hesse zusammen. «Gleichzeitig gilt es aber auch zu zeigen, dass man bereit ist, etwas Neues zu lernen und sich in die Dienste des neuen Arbeitgebers zu stellen», betont der Experte.
(ddp)
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